Bettina Klusemann: „Ich setze auf Vernetzung im Internet“

Interview mit Bettina Klusemann

 

(c) Bettina Klusemann
(c) Bettina Klusemann

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Die „Konkurrenz“ ist also gewaltig. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Nein, darüber denke ich nicht nach. Für mich steht das Thema an erster Stelle.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Bücher der Bestsellerlisten nicht immer die besten sind. Sie werden oft gekauft, aber nicht immer gelesen.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Gegen Selbstzweifel hilft schon mal ein aufmunterndes Wort eines Kollegen. Schreibblockaden können schlimmer sein. Da hilft es, zwischendurch mal eine Kurzgeschichte zu schreiben und den Roman für eine Weile ruhen zu lassen.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Lesungen reichen nicht mehr, der Autor sollte möglichst auch im Internet präsent sein. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Natürlich mache ich auch Lesungen, aber die Resonanz ist gering. Ich bin im Internet mit einer eigenen HP und bei Facebook aktiv.
Wenn ich eine Lesung plane und vorbereite, brauche ich relativ viel Zeit. Geeignete Stellen aus einem Roman auszuwählen, dauert lange. Es kann Tage dauern, ehe das Lesekonzept steht.

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

Ich setze auf Vernetzung im Internet. Wenn man gute Kontakte zur Presse hat, hilft auch ein Porträt in der Tageszeitung.

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Das ist ganz verschieden. Ich bin mit klassischer Bildungsliteratur aufgewachsen, das lässt sich nicht abschütteln. Moderne Chicklit inspiriert mich nicht.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Da müssen die Verlage aktiv werden. Wenn sie meinen, einen guten Autor gefunden zu haben, müssen sie den großen Zeitungen auf die Füße treten.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Typischer Anfängerfehler: sich selbst im Text in den Vordergrund stellen. Es ist nicht wichtig, was mich interessiert, sondern was die handelnden Personen interessiert, wie sie denken, was sie fühlen. Nur um sie geht es. Ich als Autor bin da ganz unwichtig.

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Schon. Ich würde nie ins Detail gehen, das wäre mir peinlich. Meistens reichen Andeutungen, man muss nicht pornographisch werden. Das stößt eher ab.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren insgesamt zu dem Thema?

Politische Kritik, Zeitkritik, Kritik an Missständen halte ich für sinnvoll und nötig. In meinem letzten Roman (noch unveröffentlicht) setze ich mich mit der Nachkriegszeit auseinander und kritisiere die mangelhafte Aufarbeitung der Nazizeit in den 50er und 60er Jahren.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Keine festen Zeiten. Ich bin nicht mehr berufstätig und kann schreiben, wann immer es mir in den Sinn kommt.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Das aktuelle Projekt, das ich gerade beendet habe, behandelt die Nachkriegszeit. Es geht um die Freundschaft des Mädchens Sophie mit dem jüdischen Jungen Hanno.

Fabelhafte Bücher: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.


Bettina Klusemann im www

Hintergründe zur Autorin

Bettina Klusemann, geb. Pritzkoleit geboren am 14.Oktober 1942 in Mannheim Gymnasium in Düsseldorf und Münster Studium (Deutsch/Französisch/Geschichte) in Münster Lehrerin in Borghorst und Hamm (bis 2000) zwei Söhne, Georg-Friedrich und Christian seit 2002 verwitwet wohnt seit 2006 in Potsdam Mitglied der 42er Autoren, Verein zur Förderung der Literatur e.V.

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