Boris Pfeiffer: „Die Unfähigkeit, seinen eigenen Text kritisch anzuschauen ist ein echter und gefährlicher Anfängerfehler“

Interview mit Boris Pfeiffer

 

Boris Pfeiffer Foto:  Uwe Neumann, Berlin
Boris Pfeiffer
Foto: Uwe Neumann, Berlin

Boris Pfeiffer wurde 1964 in Berlin geboren. Er arbeitete zunächst als Buchhändler, studierte dann Sprachwissenschaften und Drehbuch, war Regieassistent und Regisseur an verschiedenen Theatern in Deutschland und der Schweiz.  1994 wurde sein erstes Theaterstück für Kinder am Berliner GRIPS Theater uraufgeführt, 2003 erschien sein erstes Kinderbuch. Inzwischen hat er einige weitere, teils preisgekrönte Stücke für Kinder und Jugendliche geschrieben und über 100 vielgelesene, von Lesern und Kritik gelobte Kinderbücher.

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Die „Konkurrenz“ ist also gewaltig. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Boris Pfeiffer: Nein, daran denke ich überhaupt nicht. Woran ich denke, sind meine Geschichten und meinen Wunsch, dass mir jede gelingen möge.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise  die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Boris Pfeiffer: Ich stehe neutral dazu und freue mich, wenn eines meiner Bücher darauf auftaucht. Ich weiß aber auch, dass, wenn es rein nach den Verkaufszahlen ginge, viel mehr meiner Bücher auf diesen Listen auftauchen würden. Insofern halte ich sie auch für durchaus gesteuerte Marketinginstrumente, auf die ich oder die Verkaufszahlen meiner Bücher alleine gar keinen Einfluss haben.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Boris Pfeiffer: Eine solche Blockade hatte ich einmal im Leben und (zum Glück) seitdem nie wieder. Ich erwarte sie aber auch nicht wieder. Mein Geheimrezept ist das Vertrauen in mich, dass ich mich hinsetzen können werde und schreiben. Und die Grundlage dazu ist, dass ich es schaffe, mir Fragen zu stellen und nachzudenken.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Lesungen reichen nicht mehr, der Autor sollte möglichst auch im Internet präsent sein. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Boris Pfeiffer: Das ist ganz verschieden. Mitunter sind es einige Wochen in Folge mit aller Arbeit neben dem Buch, mitunter tue ich wochenlang gar nichts. Ein Jahresmittel lässt sich da schlecht bilden.

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

Boris Pfeiffer: Auf meinen Namen als Marke.

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Boris Pfeiffer: Das waren früher der eine und der andere oder auch die andre. Meine Bibliothek ist voll von Vorbildern 😉 Inzwischen vertraue ich auf mich selbst als Autor.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Boris Pfeiffer: Der Literaturbetrieb ist nicht unbedingt weit und groß – insofern wird es eher neuen Veröffentlichungsformen und Plattformen gelingen, auch neue Menschen darzustellen.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Boris Pfeiffer: Beschreiben sie mir, was sie als Anfängerfehler bezeichnen und ich kann Ihnen antworten. Einen weiß ich hingegen bestimmt: Die Unfähigkeit, seinen eigenen Text kritisch anzuschauen ist ein echter und gefährlicher Anfängerfehler.

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Boris Pfeiffer: Im Augenblick habe ich nicht das Gefühl. Außer bei witzigen Schlagabtäuschen. Ich bin sicher kein Gagschreiber.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren  insgesamt zu dem Thema?

Boris Pfeiffer: Immer bewusster und freier. Die Angst vor der politischen Einmischung und Kundgebung ist ein schlechter Ratgeber. Man will ja in der Welt leben können und mögen, in der man lebt. Also muss man sie auch gestalten wollen.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Boris Pfeiffer: Ich arbeite zu relativ festen Stunden. Nämlich morgens und abends.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Boris Pfeiffer: Ein Roman wird sich mit der Welt der Graffitis auseinandersetzen, auf phantastische und nachdenkliche Weise. Darin wird es um die Macht der Bilder gehen. Ein folgender Roman wird ‚Drachenretter’ heißen, für den suche ich noch einen Verlag … Und einer wird ein sehr bekanntes Detektivtrio in die Welt der Fußballbundesliga führen.

Fabelhafte Bücher: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.


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Weitere Hintergründe zum Autor

Boris Pfeiffer Foto: Uwe Neumann, Berlin
Boris Pfeiffer
Foto: Uwe Neumann, Berlin

Er erfand ‚Unsichtbar und trotzdem da!’, die ‚Akademie der Abenteuer’ und ‚Das Wilde Pack’. Er schrieb über 50 Bände der Kult-Reihe ‚Die drei ??? Kids’. Hinzu kommen Vorlesegeschichten und Jugendromane. Seine Bücher haben in Deutschland eine Gesamtauflage von über einer Million Exemplaren erreicht und wurden in bislang acht Sprachen übersetzt.  Als guter und beliebter Vorleser wird Boris Pfeiffer mit seinen Büchern regelmäßig zu Lesungen an Schulen und Bibliotheken in Deutschland und ins Ausland eingeladen. Mehrere Schulbibliotheken benannten sich ihm zu Ehren in ,Boris-Pfeiffer-Bibliothek‘. Er ist Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller, im Friedrich-Bödecker-Kreis, im Arbeitskreis für Jugendliteratur und Lesepate der Stiftung Lesen. Boris Pfeiffer arbeitet regelmäßig mit den Kids-Clubs der Deutschen Fußballbundesliga für die Verbesserung der Lesefähigkeiten von Kindern und Schülern in Deutschland.

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