Christoph Mauz: „Gesundes Zutrauen zu den eigenen Texten“

Interview mit Christoph Mauz

(c) Cornelia Hladej
(c) Cornelia Hladej

Christoph Mauz, geb. 29. 4. 1971 in Wien. Volksschule, 2 Gymnasien, Abitur, Buchhandelslehre, Arbeit im Sortiments-buchhandel und im elterlichen Verlag, 3 Jahre Schauspiel-unterricht, Ausbildung zum professionellen Sprecher. Seit 1998  22 Bücher, 4 Cds und mehrere Beiträge in Anthologien.  Gelegentlich auch bepreist und nominiert. Lebt mit Hund, Ehefrau, einer beachtlichen Filmsammlung und einem Originalautogramm von Harrison Ford in Furth/Göttweig und Wien.

 

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Die „Konkurrenz“ ist also gewaltig. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Nein, ich denke nicht über die anderen Bücher nach, weil ich mir sonst die Sinnfrage stellen müsste. Ich schreibe die Geschichten, die ich gerne schreiben möchte, resp gerne lesen möchte.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Ich weiß, als gelernter Buchhändler, wie diese Listen zum Teil entstehen 😉

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept

Aussitzen! Nicht aufgeben! Rotz aufziehen und weiter geht´s!

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Lesungen reichen nicht mehr, der Autor sollte möglichst auch im Internet präsent sein. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Ich mache im Jahr bis zu 200 Lesungen und beschäftige mich ca. jeden Tag 20-30 Minuten mit sozialen Netzwerken. Ich denke da muss ich mich nicht verstecken und bin eh fleißig.

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

Man muss auf sich selber setzen, sich selber gut verkaufen können und gesundes Zutrauen zu den eigenen Texten und der eigenen Person finden und wenn man dann auch noch eine Rampensau ist, dann schadet das gar nicht.

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Christine Nöstlinger, Karl Bruckner, Günter Brödl, H. C. Artmann, Jakob Arjouni, Anton Kuh undundund

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Wenn ich das wüsste, wäre ich ständig in den Feuilletons präsent und viel „wichtiger“ und wahrscheinlich auch besser frisiert.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich nach meinem Erstling (1:1 für Tscho) eine Fortsetzung schreiben sollte, das auch getan habe (Aber nicht mit Tscho!) und ich krampfhaft eins draufsetzen wollte, was mir im Nachhinein nicht gut gelungen ist und ich mich für dieses Buch zwar nicht geniere, es aber lieber anders geschrieben hätte. Was ich damit sagen will, ist, dass man zum Schreiben Geduld haben, mit Besonnenheit an die Sache herangehen und viel Nachdenken soll.

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Sex-Szenen will ich keine schreiben, da mach ich vorher die Türe zu…

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren insgesamt zu dem Thema?

Ich nehme mir die Freiheit, Stellung zu nehmen in meinen Geschichten, wenn es der Geschichte hilft. Ich nehme aber in meinen Geschichten nicht Stellung, nur damit ich Stellung genommen habe. Privat und in Diskussionen vertrete ich meine Meinung, lasse mich aber auch gerne eines Besseren belehren, wobei ich zugebe, dass das nicht leicht ist.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Ich schreibe, wenn ich schreibe, lieber am Vormittag. Schreibmonate sind Jänner, Februar, Juni, Juli August, September. Ich bin auch sehr viel auf Tour, deswegen ist die „spielfreie Zeit“ des Jahres auch meine Schreibzeit. Gedichte oder Liedtexte gehen aber immer!

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Ich habe jenen Knaben Joseph, der gerne „Tscho“ genannt werden will wieder entdeckt und schreibe lustige Kurzgeschichten über ihn. Daneben schreibe ich auch gerade eine Geschichte für eine Anthologie, die im Mittelalter spielt und in der ich selber vorkomme. Diese Geschichte wird unheimlich und unheimlich komisch, so hoffe ich.

Fabelhafte Bücher: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.


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