Christoph Wortberg: „Ohne Disziplin braucht man gar nicht erst anzufangen“

Interview mit Christoph Wortberg

 

© Frank Meter, Köln
© Frank Meter, Köln

Christoph Wortberg, 1963 in Köln geboren, studierte Germanistik, Philosophie und Geschichte. Nach einer Ausbildung zum Schauspieler und einem Gaststudium an der Hochschule für Fernsehen und Film in München arbeitete er als Regieassistent und übernahm diverse Rollen bei Theater- und TV-Produktionen (u.a. Lindenstraße). Er schreibt Drehbücher (u.a. „ Der letzte Bulle“, „Soko Köln“) und Romane (u.a. „Die Farbe der Angst“, „Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß“) und lebt als freier Autor in Köln.

 

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Ich persönlich orientiere mich nicht daran. Sollte einer meiner Titel auf so einer Liste auftauchen, hätte ich natürlich nichts dagegen, dass andere das als Kaufanreiz nehmen würden.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Weitermachen, was sonst?

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

Ein gutes Buch mit einer guten Geschichte zu schreiben. Komisch – und vielleicht auch dumm -, aber ich vertraue noch immer darauf, dass Qualität sich durchsetzt (jedenfalls meine).

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Von den Klassikern (Goethe, Dostojewski, Tolstoi, Twain, Dickens, Flaubert etc. – aber nicht unbedingt in dieser Reihenfolge). Vor allem aber von amerikanischen Erzähler (Ford, Salter, Stegner, Johnson etc. und auch hier nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Das müssen Sie die Vertreter der großen Feuilletons fragen. Um Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken, müssen die Newcomer gute Bücher schreiben. Tun leider nicht so viele.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Sich vor allem um eines zu kümmern: die eigene Stimme!

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Bei Sex-Szenen. Weil die eben tatsächlich extrem schwer zu schreiben sind, allerdings auch nur sehr selten wirklich notwendig sind.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren insgesamt zu dem Thema?

Ich erwarte von mir und allen, die Schriftsteller sind oder sein wollen, dass sie mit sich und ihren Themen rücksichtslos umgehen. Rücksicht (Selbstzensur) ist deswegen so grauenhaft und falsch, weil sie fast immer eine Form von Feigheit ist. Rücksicht in der Kunst ist das Gegenteil von Kunst.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Ich halte es da mit dem alten Satz: „Zehn Prozent Inspiration, neunzig Prozent Transpiration“. Also morgens an den Schreibtisch. Und dann Sitzenbleiben. Ohne Disziplin braucht man gar nicht erst anzufangen.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Es ist wie immer mit der Liebe: Worüber man nicht reden kann, darüber soll man schweigen. Was ich hoffe: dass es ein gutes Buch werden wird.

Fabelhafte Bücher: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.


 

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