Fritz Johann Andrzejewski: „Schreiben wirkt wie eine Medizin, tut gut, unterstützt“

Interview mit Fritz Johann Andrzejewski

 

Fritz Johann Andrzejewski alias fritzderjohann (© Brigitte Andrzejewski)
Fritz Johann Andrzejewski alias fritzderjohann (© Brigitte Andrzejewski)

Fritz Johann Andrzejewski, der jetzt unter „fritzderjohann“ publiziert, geb. 1952 in Köln, ist verheiratet und hat einen Sohn. Nach vielen Jahren in der öffentlichen Verwaltung machte Andrzejewski 1999 erste Erfahrungen mit creative writing bei einem Schreibseminar in Köln. Aus der daraus entstehenden Schreibwerkstatt entstanden in den Folgejahren zahlreiche Publikationen.

 

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Die „Konkurrenz“ ist also gewaltig. Denken Sie über so was nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Nein, in keinster Weise. In erster Linie schreibe ich für mich, um mich mit dem Schreiben zu entlasten, nicht um zu veröffentlichen. Schreiben wirkt wie eine Medizin, tut gut, unterstützt. Manchmal, aber nicht generell, ergibt sich während des Schreibens der Wunsch, das Geschriebene auch anderen mitteilen zu wollen.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Ich sehe diese Rankings als eine Informationsquelle, durch die ich auf das eine oder andere besondere Buch aufmerksam werde. Solche Listen können eine gute Orientierungshilfe für den vielseitig interessierten Leser sein.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Ich kenne kein Geheimrezept. Meistens beschäftige ich mich während dieser „Durchhänger“ mit Dingen, die mit dem Schreiben augenscheinlich überhaupt nichts zu tun haben: Ich gehe spazieren, kaufe ein, bereite eine Mahlzeit vor, sauge Staub, mache Autogenes Training oder lege mich schlafen. Im Nachhinein staune ich, wie sich in den Zeiten des scheinbaren Passivseins vieles, ohne ein bewusstes Dazutun, in meinem Kopf von selbst ordnet.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Wenig. Wenn ein Buch fertig ist oder eine interessante Information mir in die Hände fällt, die andere auch interessieren könnte, melde ich mich entweder persönlich, telefonisch oder per E-Mail innerhalb meines Netzwerkes. Anfragen beantworte ich in der Regel recht zügig – per Telefon oder E-Mail, in seltenen Ausnahmen auch per Brief. Der dafür erforderliche Zeitaufwand ist gering.

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketing-instrument setzen Sie in erster Linie?

Bei der Weitergabe meiner Bücher bediene ich mich zumindest bewusst keines Marketinginstrumentes. Stattdessen freue mich über den direkten Kontakt mit netten Menschen, deren Interesse an meinen Texten mein eigentlicher Lohn ist. Beim Schreiben, wie auch beim Weiterreichen meiner Bücher, verfolge ich keine wirtschaftlichen Interessen. Schreiben ist für mich Hobby und Medizin zugleich.

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Ich lese gerne unbekannte Autoren, deren Bücher ich eher zufällig auf Wühltischen oder im Antiquariat, oftmals für nur kleines Geld, entdecke. Am meisten inspirieren mich Autoren mit schwierigen Lebensverläufen, die in ihren Büchern praxisnah schildern, wie sie ein Problem lösen bzw. wie sie mit ihrem Handikap zurecht kommen, z. B. Boris Grundl, ein aufgrund eines Unfalls querschnittsgelähmter Leistungssportler, ein Aktivmensch, der trotz seiner körperlichen Einschränkung eine eigene Akademie leitet, als Coach erfolgreich arbeitet und dazu noch interessante praxisnahe Sachbücher schreibt. Neben seinen Büchern und Seminaren bietet er einen sehr informativen kostenlosen Newsletter, mit erstaunlichem Tiefgang.- Respekt! Dazu ist mir der Austausch mit meiner Lektorin sehr wichtig. Ich habe ihr sehr viel zu verdanken.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Das immer nur die „üblichen Verdächtigen“ von den großen Feuilletons rezensiert werden, die ohnehin jeder kennt, hängt wahrscheinlich mit unserem Wirtschaftssystem, der freien Marktwirtschaft, zusammen, in der das produktive Handeln in der Regel auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist. Letztendlich geht es um Marktanteile (Leser), die aufgrund sich verändernder Käuferschichten nur schwer zu halten bzw. neu zu gewinnen sind. Bei dem Versuch, Newcomer mehr in den Vordergrund zu rücken, sind kleinere Verlage oftmals sehr ideenreich. Für den durchschnittlichen Leser wird es aufgrund des vielfältigen Angebotes immer schwerer, lesenswerte Newcomer selbst zu entdecken. Da hilft wahrscheinlich nur das „Klinkeputzen“ der neuen Autoren und das „sich bekannt machen“. Eigene Kontakte sind hierbei durchaus hilfreich! Jeder Autor ist ohnehin der beste Anbieter und Kenner seines eigenen Buches. Niemand ist mit den Feinheiten im Buch so vertraut, wie er selbst. Oftmals steckt da sehr viel Herzblut drin.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Sie sollten an sich selbst und Ihre eigenen Fähigkeiten glauben. Lassen Sie sich Ihren Traum vom Schreiben nicht von irgendwelchen Pessimisten kaputtreden. Bleiben Sie offen für sachliche Kritik. Manche Ratschläge, von den richtigen Leuten zur richtigen Zeit eingebracht, sind in ihrer Wirkung ausgesprochen hilfreich.

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Die Beschreibung von belastenden Lebenssituationen bzw. die Schilderung eigener Beschwerdebilder fällt mir relativ schwer, weil beim Schreiben oftmals „alles wieder hochkommt.“

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren insgesamt zu dem Thema?

Ich bin offen für Meinungen und Kritiken zu jedem Thema. Dafür erwarte ich Fairness und Respekt gegenüber j e d e r sozialisierten menschenachtenden Gesinnung, egal ob diese einem Lebensentwurf entspricht oder nicht.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Ich schreibe zu den verschiedensten Tageszeiten, je nach Fitness, Stimmung oder Einfallsreichtum, habe keine festen Schreibzeiten. Oftmals schreibe ich nur wenige Minuten am Tag, manchmal lange Zeit auch einfach gar nichts.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Es geht um etwas Persönliches. Ob es letztendlich zu einer Veröffentlichung kommt, weiß ich im Moment noch nicht. Seit Januar 2015 ist mein neuestes Buch „Gesamtausgabe 2015“ im Umlauf. Das Buch zeigt alle meine in den Jahren von 1999-2014 geschriebenen eigenen Texte, die ich bereits im Rahmen des Kreativen Schreibens in verschiedenen Büchern und diversen Fachzeitschriften veröffentlicht habe. Das 590-seitige Buch können Sie jetzt als E-Book im PDF-Format gerne kostenlos per E-Mail bei mir bestellen: fj_andrzejewski@yahoo.de Ich bin an einem Austausch mit anderen Kreativen sehr interessiert.

 


 

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