Heidemarie Brosche: „Naturschilderungen sind überhaupt nicht mein Ding“

 Interview mit Heidemarie Brosche

 

(c) Heidemarie Brosche
(c) Heidemarie Brosche

Heidemarie Brosche, geboren 1955 in Neuburg, hat schon als Grundschulkind gerne geschrieben. Nach dem Abitur wurde sie dann aber erst einmal Lehrerin. Obwohl sie das Schreiben niemals ganz lassen konnte, fing sie so richtig erst mit der Geburt ihres ersten Kindes an. Nach langer „Nur-Mutter-und-Autorinnen-tätigkeit“ ist sie seit 2002 auch wieder als Lehrerin in Teilzeit tätig. Neben zahlreichen Kinder- und Jugendbüchern schreibt sie auch Sachbücher für Erwachsene. Sie lebt heute mit ihrem Mann in Friedberg bei Augsburg.

 

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Die „Konkurrenz“ ist also gewaltig. Denken Sie über so was nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Ab und zu macht mir dieser Gedanke gehörig zu schaffen. Aber dann schicke ich ihn wieder ganz weit weg, denn … ich schreibe halt so gerne und außerdem wissen wir ja alle: Die Hoffnung geht so schnell nicht in die Knie.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Wenn ich selbst auf der Liste stünde, fände ich das Ranking vermutlich super. 😉 Ach, ich verstehe schon, dass die Menschen sich an so was orientieren, aber natürlich ist es Quatsch. Wer strebt denn schon nach Massengeschmack?

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Ich habe immer mehrere Projekte gleichzeitig am Laufen. Irgendwie ist das eine Art Begabung von mir, dass ich sehr schnell umschalten kann. Und wenn es bei einem Thema nicht so gut läuft, mache ich eben beim anderen weiter. Was nicht heißt, dass ich ohne Durchhänger durchs Autorenleben schwebe. Zur Not führt eine Zeit der Schreib-Enthaltsamkeit zu großer Kreativität.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Lesungen reichen nicht mehr, der Autor sollte möglichst auch im Internet präsent sein. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Ich bin auf facebook, zähle aber die Stunden nicht, die ich dort verbringe. Das geht so nebenher. Ich poste auch viel zu selten etwas, aber mir fehlt die Zeit und – ehrlich gesagt – auch die Lust zu ausgedehnteren Aktivitäten. Meine eigene Homepage www.h-brosche.de, die glücklicherweise von einem meiner Söhne gepflegt wird, muss meist genügen.

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

Eine eigene Website würde ich heute mal als Erstes empfehlen. Und dabei meine ich keine aus dem Hobbybausatz. Es sollte schon professionell aussehen.

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Tut mir leid, aber da bin ich die falsche Adresse. Ich habe eine Abneigung gegen das Vorbild-Denken, bin aber sicher, dass mich unbewusst vieles inspiriert hat.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Wenn ich das wüsste, hätte ich mich selbst längst dorthin gerückt, und zwar nicht nur als Newcomerin, sondern auch jetzt noch.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Zu selbstverliebt alles gleich loszuschicken, was man selbst und die eigene Freundin gut gefunden hat. Nicht aufs Profil eines Verlages zu achten. Fortbildungen überflüssig zu finden. Das sind drei von vielen Anfängerfehlern, die man meines Erachtens tunlichst vermeiden sollte.

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Ja, Naturschilderungen sind überhaupt nicht mein Ding. Alles, was ich da schreibe, kommt mir platt, ungenügend und langweilig vor.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren insgesamt zu dem Thema?

Natürlich schüttle nicht ausgerechnet ich aus dem Ärmel, wie man mit heiklen Themen umgehen muss. Mir ist auf jeden Fall bewusst, dass man als schreibender Mensch eine große Verantwortung hat, dass man verletzen und verhetzen kann. Ersteres lässt sich vermutlich nicht immer vermeiden, Zweiteres darf nicht passieren.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Ich schreibe, wann es sich ergibt. Feste Zeiten gibt es bei mir nicht! Da ich ja auch noch einen anderen Beruf habe, ist mir jede Sekunde heilig, die mir fürs Schreiben bleibt.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Es soll Menschen Zuversicht geben, wenn sie ihnen gerade abhanden kommt. Mehr verrate ich nicht.

Fabelhafte Bücher: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.


Heidemarie Brosche im www

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.