Jean-Louis Glineur: „Man muss einfach „machen“ und nicht warten, dass etwas passiert“

Interview mit Jean-Louis Glineur

 

(c) Jean-Louis Glineur
(c) Jean-Louis Glineur

Jean-Louis Gérard Glineur ist seit Dezember 2008 verheiratet und lebt in der Gemeinde Simmerath in der Eifel. Glineur besitzt einen deutschen Paß, besinnt sich aber sehr auf seine wallonischen Wurzeln. Sein im Jahr 1986 verstorbener Vater, Léon Fernand Glineur, lernte als belgischer Soldat zum Ende des zweiten Weltkrieges beim Einmarsch in Deutschland seine künftige Ehefrau Martha in Hollerath in der Eifel kennen. Deren einziges Kind Jean-Louis (Rufname) Gérard (der dritte Vorname ist seinem Patenonkel gewidmet) wurde am 3. April 1964 in Verviers/B geboren.

 

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Die „Konkurrenz“ ist also gewaltig. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Nein, überhaupt nicht. Schreiben bleibt ein Hobby. Ich bin ja beruflich abgesichert.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Es gibt für alles Rankings und sie haben auch ihre Berechtigung. Es ist doch auch eine klasse Empfehlung.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Da ich einem Beruf nachgehe, habe ich den Druck nicht, dass eine Schreibblokade gleichzeitig auch Existensbedrohung darstellt. Daher hat sich diese Frage für mich nie gestellt.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Lesungen reichen nicht mehr, der Autor sollte möglichst auch im Internet präsent sein. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Ich habe bei Facebook eine Gruppe für Literatur aus der Eifel gegründet. Dort kann aber jeder posten, so dass sie ein Selbstgänger ist. Daher schaue ich jeden Tag „da mal rein“ und kommentiere, poste oder rege an … je nachdem. Siehe → Gruppe.

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

Ich würde Ihnen raten nicht mich zu fragen, da ich eher deren Rolle teile und anregen, bei Lesungen gestandener Autoren das Gespräch zu suchen. Ich selbst habe bei der Veröffentlichung von „Todesangst in der Nordeifel“ die zunächst regionalen Zeitungen mit einer Info versorgt. Diese wurden zu meiner Freude ausnahmslos genutzt. Dafür war ich sehr dankbar.

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Von keinem … dann schon eher von TV-Krimis. Und da spielt der „TATORT“ seit meiner Jugend eine große Rolle. Und „Wilsberg“ steigert regelmäßig meine gute Laune.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Darauf weiß ich keine Antwort. Schaden kann aber nicht, die Pressearbeit selbst ein wenig zu forcieren. Von der Regionalzeitung bis zum genannten großen Feuilletons ist ein langer Weg, aber den muss doch im Grunde jeder gehen. Und manche haben Erfolg. Ich denke, man muss einfach „machen“ und nicht warten, dass etwas passiert.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Ich würde nie mehr engeren Freunden und Bekannten das Manuskript mit Bitte um Feedback vor einer Veröffentlichung überlassen. Denn aus einem gut gemeinten „Ist gut zu lesen“ kann ich nichts ableiten. Dann lieber einem Skeptiker in die Hand drücken, der dann auch brauchbares Feedback anstelle von Lobhudelei gibt.

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Ich glaube, auch mich würden Sex-Szenen einbremsen. Und derbe Wortwahl für männliche oder weibliche Geschlechtsorgan kann ich schon gar nicht leiden. Beispiele verkneife ich mir daher 😉

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren insgesamt zu dem Thema?

In meinem ersten Krimi „Todesangst in der Nordeifel“ spiele ich gerne mit Klischees und Vorurteilen. Teils um sie danach als idiotisch zu widerlegen. Islamkritik als Beispiel ist für mich in Ordnung, solange es sich um die Religion an sich und nicht um die Muslime als Mitmenschen handelt, die unter uns leben. Die jüdische Siedlungspolitik betreffend maße ich mir kein Urteil an, aber ich würde – wenn überhaupt – von „israelischer“ und nicht von „jüdischer“ Siedlungspolitik reden. Aber mich kann nichts davon abbringen, meine persönliche Meinung zu äußern. Das Wort „heikel“ habe ich im Grunde aus meinem Wortschatz gestrichen, wenn es um Schreiben, Pressefreiheit oder Meinung geht.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Da ich meine Existenz anderweitig sichere, schreibe ich nach Lust und Laune. Daher gibt es keine Struktur. Meine Freizeit widme ich zuerst meiner Frau Ute und schreibe lieber, wenn sie beispielsweise gerade in ein interessantes Buch vertieft ist.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Nach „Todesangst in der Nordeifel“ habe ich mit dem Protagonisten eine Fortsetzung geplant, die meine „Stimme im Kopf“ mit dem Titel „Sabotage am Nürburgring“ versehen hatte. Allerdings habe ich aktuell die Handbremse gezogen und möchte das motorsportliche Szenario auf eine belgische Rennstrecke – entweder Spa oder Zolder – verlegen. Mich stört zuviel, dass der Nürburgring aktuell durch zuviele Fragen der Landespolitik von Rheinland Pfalz dominiert wird. Die ersten 100 Seiten muss ich also nochmal komplett umkrempeln.

Fabelhafte Bücher: Mit bedanken uns herzlich für das Gespräch.


Jean-Louis Glineur im www

 

 

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