Jörg Juretzka: „Fürs Netzwerken bin ich einfach nicht der Typ“

Interview mit Jörg Juretzka

 

© Harald Hoffmann

Jörg Juretzka: 55 geboren, bis ‚73 zur Schule gegangen, schnell gelebt, viel gearbeitet, wenig geschlafen, und dann irgendwann das Schreiben angefangen.

 

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

JJ: Nein. Sonst wird man verrückt.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

JJ: Ich versuche, so zu tun, als ob sie mir egal wären.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

JJ: Sturheit, ein gewisses Beharrungsvermögen. Irgendwann läufts dann wieder.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

JJ: Abgesehen von Lesungen? Keine. Fürs Netzwerken bin ich einfach nicht der Typ. Sehe ich mich twittern? Ha, kaum.

Fabelhafte Bücher: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

JJ: Auf den Grundsatz: Du darfst nicht langweilen.

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

JJ: Chandler, Queneau, Cruz-Smith, Pratchett.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

JJ: Wer schreiben muss, tut es sowieso. Wer nicht, sollte sich von vorneherein darüber im Klaren sein, dass ‚Schriftsteller‘ in der überwältigenden Mehrheit der Fälle kein Beruf, sondern eher ein elaborates Hobby ist.

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

JJ: Solche Probleme umschiffe ich gern mit ironischer Brechung, oder ich überlasse soviel wie möglich der Fantasie des Lesers.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren insgesamt zu dem Thema?

JJ: Das muss jeder selbst wissen. Was einen – in welcher Hinsicht auch immer – bewegt, wird seinen Weg ins Buch finden. Ich persönlich mache allerdings einen grossen Bogen um religiöse Themen. Meine Ansichten dazu sind eh nicht druckreif.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

JJ: Sobald ein Buch zuende geschrieben werden will, setze ich mich jeden Morgen nach dem Frühstück hin und arbeite, bis nichts mehr kommt. Alles in allem vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht irgendetwas zu Papier bringe, und seien es nur hingekritzelte Ideen.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

JJ: Ich habe gerade eben einen Surf-Western (ganz neues Genre) namens ‚TrailerPark‘ fertiggestellt, der im September bei Rotbuch erscheinen wird. Es handelt sich um die Fortsetzung von ‚TaxiBar‘ und damit den – unglaublich – zwölften Band meiner Krimi-Reihe mit Kristof Kryszinski.

Fabelhafte Bücher: Mit bedanken uns herzlich für das Gespräch.

JJ: Ich danke für das Interesse.


 

Jörg Juretzka im www

Wikipedia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.