Johannes Knippschild: „Ich erwarte von einem Schriftsteller, dass er ehrlich und authentisch ist“

Interview mit Johannes Knippschild

 

(c) Johannes Knippschild
(c) Johannes Knippschild

Johannes Knippschild, geboren 1935 in Gelsenkirchen. 1957 Studium zum Ingenieur für Wasserwirtschaft, Kulturtechnik und Tiefbau. Der Vater von drei Kindern begann nach seiner Pensionierung als Ingenieur, sich literarisch zu betätigen: Zunächst schrieb er seine Erinnerungen auf. Daraus ist dann schließlich der biographische Roman “Feuer vom Himmel” geworden, der 2012 im Telescope Verlag, Mildenau erschienen ist. Im Jahre 2013 erschien das Sachbuch: “Das Wasser – Quelle des Lebens“ im Verlag BoD.

 

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Die „Konkurrenz“ ist also gewaltig. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Nein, ich muss hier aber vorausschicken, dass ich ja kein hauptberuflicher Schriftsteller bin. Ich habe erst im Ruhestand angefangen zu schreiben. Der Anlass war, dass ich von meinen Kindern, hauptsächlich von meiner ältesten Tochter ermutigt worden bin, das einmal aufzuschreiben, was ich im Krieg erlebt habe und worüber ich gelegentlich in der Familie erzählt habe.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Ich bin der Auffassung, dass hier nicht der Inhalt des Buches, sondern eher der Name des Autors den Ausschlag gibt, ob ein Buch in einer Bestseller Liste erscheint, oder nicht. Das finde ich schade.

Mit meinem Buch über das Wasser möchte ich gerne besonders viele Jugendliche erreichen, damit sich im Bewusstsein der Menschen eine Wandlung vollzieht. Wenn es in einer Sachbuch -Liste aufgeführt würde, käme ich diesem Ziel erheblich näher.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Ich schreibe ja immer, weil es dafür einen bestimmten Anlass gibt. Bei meinem ersten Buch, Feuer vom Himmel waren es meine Berichte über die Erlebnisse während der Bombardierung des Ruhrgebietes. Mein zweites Buch, Das Wasser – Quelle des Lebens wurde beeinflusst, von den Berichten über die verantwortungslosen Ölbohrungen im Meer. Hier waren es besonders die Berichte über den Brand auf der Bohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Lesungen reichen nicht mehr, der Autor sollte möglichst auch im Internet präsent sein. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Natürlich möchte jeder Autor, dass sein Buch verkauft wird. Bei meinem ersten Buch war ich noch sehr unerfahren und glaubte, dass man an Lesungen interessiert sei. Das erwies sich jedoch als Irrtum. Ich denke, dass der Autor sein Werk nicht „objektiv“ bewerten kann, weil er selbst eine andere Sicht hat. Dann denkt man zunächst, dass der Verlag für eine Präsenz im Internet sorgen müsste. Über eigene Anstrengungen, mein Buch zu präsentieren, habe ich erst bei meinem zweiten Buch intensiver nachgedacht,weil ich auch eine Verpflichtung fühle, etwas an den Missständen zu ändern, die ich als Fachmann erkannt habe.

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Bevor ich mein erstes Buch geschrieben habe, habe ich Bücher von Arno Surminski und Siegfried Lenz gelesen.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Da sprechen Sie ein Thema an, dass auch mich schon beschäftigt hat. Spiegel und ZEIT habe ich schon angeschrieben, ohne überhaupt eine Antwort bekommen zu haben.

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Mir geht es auch so, dass ich mich bei der Beschreibung von Sex – Szenen lieber zurückhalte, um nicht in den Verdacht zu geraten, in die Nähe der Pornographie zu geraten.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren insgesamt zu dem Thema?

Ich erwarte von einem Schriftsteller, dass er ehrlich und authentisch ist. Es darf aber nicht so weit kommen, dass seine Meinung andere beleidigt.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Da ich ja nicht ausschließlich sondern nur aus bestimmtem Anlass schreibe ergibt sich hier keine Zeiteinteilung.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Einzelgeschichten, die müssen aber noch einmal gründlich überarbeitet werden.

Fabelhafte Bücher: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.


Weitere Hintergründe zum Autor

Geboren wurde ich im März 1935 in Gelsenkirchen. Ich habe eine ältere Schwester. Im Jahre 1941 wurde ich Ostern eingeschult, am 22. Juni wurde mein Bruder geboren, am selben Tag begann der Krieg gegen Russland. Zu dieser Zeit wurde das Ruhrgebiet, wo es die größten Rüstungsbetriebe Deutschlands gab, von den Alliierten regelmäßig bombardiert. Es gab kaum einen Tag ohne Fliegeralarm. Das bedeutete für meine Familie, dass wir täglich, oft mehrmals, zum Bunker eilen mussten.

Im Jahre 1943 wurden wir ausgebombt, dabei wurde der im selben Haus wohnende Schuster und sein Mitarbeiter, ein polnischer Zwangsarbeiter, getötet. Die SS hatte dem Polen den Eintritt in den Bunker verwehrt. Kurz vor Kriegsende wurde bei einem schweren Angriff auf Gelsenkirchen mein Großvater im Keller seines Hauses verschüttet, konnte aber gerettet werden.

Wir wurden nach Ostwestfalen evakuiert, in ein Dorf, das heute zur Stadt Detmold gehört. Hier erlebten wir das Ende des Krieges. Als die Front über das Dorf zog, wurde das Haus in Brand geschossen, in dem wir uns befanden. Dabei wurde das Wenige, das wir immer noch retten konnten, nun auch vernichtet.

Im Jahre 1946 kam ich in das Gymnasium für Jungen in Detmold, das ich 1952 mit dem Zeugnis der “Mittleren Reife” verließ. Nach einem 2 – jährigem Praktikum im Hoch- und Tiefbau habe ich 1954 die Aufnahmeprüfung an der Fachhochschule für Bauwesen in Siegen bestanden. Dort studierte ich 6 Semester Wasserwirtschaft und Tiefbau. Ich schloss mein Studium 1957 mit dem staatlichen Abschlussexamen als Ingenieur für Wasserwirtschaft Kulturtechnik und Tiefbau ab.

Bei meiner ersten Anstellung in einem Detmolder Ingenieurbüro lernte ich meine spätere Frau kennen. Wir heirateten 1959 und bekamen 3 Kinder.

Nach elf Berufsjahren in Ingenieurbüros trat ich 1968 in die Dienste der Stadt Lage im Kreis Lippe ein. Dort war ich 30 Jahre lang als Leiter der Stadtentwässerung tätig. Nach meiner Pensionierung habe ich mich mit einem eigenen Ingenieurbüro selbständig gemacht.

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