Jürgen Banscherus: „Jeder einzelne Satz ist schwer“

Interview mit Jürgen Banscherus

 

(c) Jürgen Banscherus
(c) Jürgen Banscherus

1949 geboren. Nach dem Studium Tätigkeiten als Journalist, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschung, Verlagslektor und Lehrer in der Erwachsenenbildung. Seit 1989 freier Schriftsteller im Bereich Kinder- und Jugendbuch. Bis heute mehr als 60 Bücher. Übersetzungen in 23 Sprachen. Zahlreiche Auszeichnungen und Preise. Zuletzt Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis (2010). Mitglied im Internationalen PEN. Verheiratet. Zwei erwachsene Kinder.

 

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise  die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Jürgen Banscherus: Sie bieten Orientierung – allerdings die meisten Listen nur im Bereich des Mainstreams. Als Leser interessieren mich diese Rankings nicht die Bohne.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Jürgen Banscherus: Gibt´s nicht. Ich bleibe einfach am Schreibtisch sitzen. Irgendwann geht´s weiter. Immer.

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

Jürgen Banscherus: Marketinginstrument? Bin ich Betriebswirt oder Schriftsteller? Ich will gute Bücher schreiben. Gelingt mir das mit dem richtigen Thema, beim richtigen Verlag, zum richtigen Zeitpunkt mag sich der Verlag auf dem Buchmarkt tummeln.

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Jürgen Banscherus: Soll ich mich jetzt mit berühmten Namen schmücken? Meine Belesenheit dokumentieren? So viele Schriftsteller der Vergangenheit un der Gegenwart haben mein Schreiben inspiriert, dass  die Antwort auf Ihre Frage den Rahmen dieses Interviews sprengen würde.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Jürgen Banscherus: Keine Ahnung. Fragen Sie die Feuilletonredakteure!

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Jürgen Banscherus: Jeden Morgen das Manuskript vom allersten Satz an überarbeiten. Dabei den Text laut lesen. Kürzen. Kürzen. Kürzen. Nichts erklären wollen. Der Sprache und der Geschichte zutrauen, dass sie das selber tun. Den Leser ernst nehmen. Sich Zeit lassen.

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Jürgen Banscherus: Jeder einzelne Satz ist schwer.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren  insgesamt zu dem Thema?

Jürgen Banscherus: Sie meinen „political correctness“? Ein schwieriges Thema, vor allem für einen Schriftsteller, der wie ich für Kinder und Jugendliche schreibt. Während ich an meinem Stoff arbeite, interessiert mich „PC“ überhaupt nicht. In den nachfolgenden Diskussionen mit dem Lektorat versuche ich so lange political incorrect zu sein wie möglich. Wenn man mich überzeugt, mache ich Zugeständnisse. Ach ja, von meinen Kolleginnen und Kollegen erwarte ich gar nichts. Wie könnte ich …

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Jürgen Banscherus: Den Teufel werde ich tun.

Fabelhafte Bücher: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.


www.juergen-banscherus.de

 

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