Jutta Treiber: „Der direkte Kontakt mit dem Leser ist mir wichtig“

Interview mit Jutta Treiber

 

(c) Jutta Treiber
(c) Jutta Treiber

Jutta Treiber wurde 1949 in Oberpullendorf (Burgenland/ Österreich) geboren. Nach dem Studium der Germanistik und Anglistik unterrichtete sie 15 Jahre lang an einem Gymnasium und betrieb  gemeinsam mit ihrem Mann ein Kino. Seit 1988 ist Jutta Treiber freiberufliche Autorin. Sie schreibt für Menschen jeden Alters und in vielen Genres. Ihre (bisher 47) Bücher wurden vielfach ausgezeichnet und in europäische und asiatische Sprachen übersetzt.  Ihre  Lesereisen führten sie in bisher 23 Länder.

 

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Die „Konkurrenz“ ist also gewaltig. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

J.T.:  Es ist mir natürlich bewusst, welche Überfülle an Neuerscheinungen  es jedes Jahr gibt.  Und oft kommen mir dabei Zweifel an der Sinnhaftigkeit meines  eigenen literarischen Tuns. Aber dann denke ich, so wie ich  schreibe, kann nur ich schreiben – und dann mache ich trotz aller Zweifel weiter. .

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise  die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

J.T.: Einerseits finde ich sie als Orientierungshilfe gut, andererseits werden ja  vorwiegend bekannte Autoren/Titel aus bekannten Verlagen in diese Listen aufgenommen.

Unbekannte Autoren, deren (ev. doch auch gute) Bücher in kleinen Verlagen erscheinen, haben da kaum eine Chance, sodass das Bild der literarischen „Erscheinungslandschaft“ verfälscht ist.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

J.T.:  Ich besinne mich darauf, was ich schon geleistet/geschrieben habe. Denke, dass ich mir  in meinem Alter (ich bin 66) auch größere Pausen leisten darf – und warte auf „bessere Zeiten“. Und die kommen dann auch irgendwann wieder.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Lesungen reichen nicht mehr, der Autor sollte möglichst auch im Internet präsent sein. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

J.T.: Ich habe schon immer viel Zeit auf Lesungen und dgl. Aktivitäten verwendet. Bisher habe ich an die 3000 Lesungen gehalten.  Der direkte Kontakt mit dem  Leser ist mir wichtig. Natürlich braucht das viel Zeit – Terminabsprachen, Honorarverhandlungen, Programmgestaltung, Reisen, die Lesungen selbst, die Nachbereitung …  Wie viel Zeit das tatsächlich in Anspruch nimmt, kann ich gar nicht sagen. Aber die Lesungen machen mir immer noch großen Spaß, und ich finde auch, dass sie wichtig sind, um die Bücher bekannter zu machen. Meine Webseite wird von meiner Tochter betreut – darüber bin ich sehr froh.

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

J.T.: Wie schon gesagt – ich setze in erster Linie auf Lesungen und einen guten Internetauftritt.

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

J.T.: Nach wie vor denke ich, dass mich die Bücher meiner Kindheit am meisten beeinflusst haben. (z.B. Erich Kästner) Aber in Wirklichkeit beeinflusst einen alles, was man liest, sieht, hört, beobachtet. Bücher, Filme, Theaterstücke, Kabarettprogramme, Bilder, Fotos, Musik, Natur, Architektur, die Menschen, die mich umgeben …

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

J.T.: Das müsste man wohl die Verantwortlichen selbst fragen J

Leider ist es wirklich so, dass die „üblichen Verdächtigen“ immer rezensiert werden, selbst wenn sie es nicht „verdienen“ – und die „unüblichen Unverdächtigen“ auf der Strecke bleiben. Der ganze Betrieb ist ja auch konzertant organisiert. Da erscheinen Rezensionen in den großen Tages- und Wochenzeitungen, zur selben Zeit ist der Autor im TV, bei Radiointerviews, etc.  Ich weiß auch nicht, wie viel Geld da im Spiel ist. (Klingt nach Verschwörungstheorie J , ich weiß …) Kleine Verlage haben eben nur ein kleines (bzw. gar kein) Werbebudget – und keinen Einfluss auf die Medien.

Wie man das ändern könnte? Keine Ahnung …   Das müssten die Medien selbst tun … (Zum Beispiel Rezensionsexemplare von kleinen Verlagen erst einmal überhaupt zur Kenntnis nehmen …)

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

J.T.: Ja, was kann man raten?

Werden Sie nur dann Schriftsteller, wenn es Sie wirklich dazu drängt. Wenn Sie das Gefühl haben, ohne Schreiben nicht leben zu können. Bleiben Sie authentisch. Geben Sie ein Manuskript erst dann ab, wenn Sie denken, dass Sie es nun nicht mehr besser machen könnten. Haben Sie Geduld – mit sich selbst beim Schreiben – und mit dem Warten auf eine Veröffentlichung. Lassen Sie sich durch  Misserfolge nicht entmutigen.

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

J.T.:  Ich tu mich beim Beschreiben von Dingen oder Vorgängen schwer, von denen ich nix verstehe. Ich muss  das, was ich beschreibe, selbst gesehen – erfahren haben, oder eben sehr genau recherchieren.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik,  um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren  insgesamt zu dem Thema?

J.T.: Ich selbst tu mich mit diesen Themen schwer, eben weil sie nicht wirklich zu meinen Alltagserfahrungen gehören. Von Autoren, die sich diesen Themen widmen, würde ich einen unvoreingenommenen Zugang erwarten.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

J.T.: Wenn ich an einem Buch arbeite, genügt es nicht, nur dann zu arbeiten, wenn ich in Stimmung bin.  Die Muse ist sehr geizig mit ihren Küssen . J Ich versuche,  täglich einige Stunden konzentriert zu schreiben.  Die besten Zeiten für mich sind der Vormittag, der späte Nachmittag und der Abend.  Am  Morgen und am frühen Nachmittag mache ich dann eher Routinearbeiten.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

J.T.: Mein jüngstes Buch ist ein Bilderbuch  mit dem Titel „Die Wörter fliegen“ , eine poetische Geschichte zum Thema Alzheimer. Das versuche ich jetzt bei Lesungen zu propagieren. Und dann gibt es drei angefangene Manuskripte, die allesamt noch nicht sehr weit gediehen sind und über die ich nicht gern etwas sage … (Sie kennen den vielzitierten Satz von den ungelegten Eiern …)

Fabelhafte Bücher: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.


Jutta Treiber im www

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