Meike Haas: „Bestsellerlisten sind ja eine Realität“

Interview mit Meike Haas

 

Foto: Kathrin Schäfer
Foto: Kathrin Schäfer

Meike Haas wurde 1970 geboren und wuchs in Biberach an der Riss auf. Nach dem Abitur arbeite sie zunächst in einer heilpädagogischen Einrichtung  in Finnland und studierte dann Germanistik und Philosophie in Regensburg und Wien. In einem anschließenden Volontariat erlernte sie den Beruf der Tageszeitungsredakteurin und war in den folgenden fünf Jahren als freie Journalistin unter anderem für die Süddeutsche Zeitung tätig. Schon in dieser Zeit entstand ihr erstes Buch „Piratenjäger“. Nach der Geburt ihrer beiden Kinder machte sie das Bücher-Schreiben zum Hauptberuf. Meike Haas lebt mit ihrer Familie in München.

 

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Nein, natürlich nicht. Da hätte ich ja sofort keine Lust mehr.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Ich habe Schwierigkeiten mit der Frage. Bestsellerlisten sind ja eine Realität, die gibt es. Manche Bücher werden gut verkauft, andere nicht. Da kann ich ja nicht gut oder schlecht finden. Ob man sich jetzt beim Bücher kaufen daran orientieren sollte? Wenn man weiß, dass man eher ein main-stream-Typ ist, warum nicht? Das Einzige was mich daran ärgert, ist, dass sich die Buchhandelsketten so kritiklos daran orientieren und diese Stapel der immer gleichen Bücher in den Eingangsbereich stellen. Hier wäre ja eigentlich der Ort, an dem einen jemand auf das nicht-besprochene und dennoch sagenhafte Buch von Autor XY hinweisen könnte.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Ich setzte mich eben einfach jeden Morgen wieder an den Schreibtisch.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Lesungen reichen nicht mehr, der Autor sollte möglichst auch im Internet präsent sein. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Ich habe eine Internet-Seite. Mehr nicht. Einmal im halben Jahr überlege ich mir, was aktualisiert werden muss. Das dauert nicht mal einen halben Tag und dann schicke ich die Änderungswünsche an meine Web-Designerin. Aber für mich ist die Netz-Präsenz auch nicht so wichtig, weil ich hauptsächlich für Grundschulkinder schreibe, die noch nicht ständig im Netz unterwegs sind.

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie? 

Es inspiriert mich immer das, was ich gerade lese. Und ich lese querbeet.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Ist das so? Ich habe das Gefühl, dass oft über Newcomer berichtet wird. Die dann allerdings wieder verschwinden.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Empfehlen kann ich, sich jeden Morgen wieder hinzusetzen.

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Ich schreibe ja Kinder- und Jugendbücher und ich habe Schwierigkeiten mit dem Kommunikationsverhalten der Jugendlichen. Das hat sich durch Whats app und facebook so verändert. Ich weiß nicht, was üblich ist. Ich denke, ich muss mich damit jetzt einmal ausführlich beschäftigen oder ich kann nur noch für Grundschulkinder unterhalb der Smartphone-Grenze schreiben.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Ich schreibe jeden Vormittag von 8 bis 12. Dann nehme ich mir vor, mich am Abend noch einmal hinzusetzen und das mache ich nie.

Fabelhafte Bücher: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.


 www.meike-haas.de

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