Renate Behr: „Ein gutes Manuskript findet letztlich einen Verlag“

Interview mit Renate Behr 

 

Renate Behr wurde 1954 in Bochum-Wattenscheid geboren. Schon von frühester Jugend an gehörten Geschichte, Literatur und das Schreiben zu den bevorzugten Hobbys der gelernten Reiseverkehrskauffrau. Aus dem Hobby „Schreiben“ ist inzwischen ein Beruf geworden. Seit 2007 wurden von der im südlichen Münsterland wohnenden Autorin verschiedene Romane aus unterschiedlichen Genres veröffentlicht.
Bekannt geworden ist Rente Behr mit der Werne-Krimi-Reihe, die seit 2014 im Brighton Verlag erscheint. Aktuell liegt Teil 7 der Werne Krimireihe vor mit dem Titel „nichts als blauer dunst“. Die ersten sechs Bände sind in einer Neuauflage am 1.1.2015 ebenfalls im Brighton Verlag erschienen.

(c) Renate Behr
(c) Renate Behr

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Die „Konkurrenz“ ist also gewaltig. Denken Sie über so was nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Renate Behr: Nein, nicht wirklich. Ich weiß, dass es in Deutschland sehr schwer ist, als unbekannter Autor Fuß zu fassen. Die großen Verlage wollen nur Autoren, die sich schon einen Namen gemacht haben. Es ist ein mühsamer Weg und er verlangt viel Geduld. Aber Schreiben ist für mich so spannend, dass ich die Steine, die mir im Weg liegen, einfach beiseite räume. Ich bin fest davon überzeugt, dass ein gutes Manuskript letztendlich einen guten Verlag finden wird. Ein Stück weit habe ich das bis heute ja auch geschafft und es geht immer weiter aufwärts.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Renate Behr: Im Grunde kann ich meine Aussage von oben wiederholen. Um es in die sogenannten Bestseller-Listen zu schaffen, braucht man einen Namen. Sicher, hin und wieder schafft es auch ein relativ unbekannter Autor, aber das sind die Ausnahmen. Ich lese die Bestsellerlisten gelegentlich, aber sie beeinflussen mich in keiner Weise. Jeder Autor träumt wahrscheinlich davon, dort einmal seinen Namen zu lesen. Das tue ich auch. Aber die Realität sieht anders aus. Verkaufszahlen von mehr als 100.000 Exemplaren sind eher selten, wenn man relativ unbekannt ist. Meine Verkaufszahlen bewegen sich derzeit im vierstelligen Bereich und damit bin ich sehr zufrieden.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Renate Behr: Ich muss Lust haben zum Schreiben. Manchmal mache ich Pausen, weil mir einfach die zündende Idee fehlt. Hilfreich sind Gespräche mit meinem Mann, der übrigens meine Bücher in der Regel nicht liest, aber immer gute Ideen auf Lager hat. Mir kommen die besten Ideen, wenn ich allein mit meinem Hund spazierengehe. Da entwickeln sich in meinem Kopf ganze Dialoge und wenn ich wieder zuhause bin, schreibe ich einfach drauflos. Manchmal arbeite ich an zwei Büchern gleichzeitig, das hilft mir ebenfalls, etwas Abstand zur jeweiligen Geschichte zu bekommen. Wenn ich allerdings anfange zu schreiben, bin ich nur schwer vom PC zu trennen. Dann sind es gern auch mal acht oder zehn Stunden am Stück. Schreibblockaden im eigentlichen Sinn hatte ich bisher noch nie. Ich habe aber oft mehr Ideen im Kopf, als ich auf einmal verarbeiten kann.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Lesungen reichen nicht mehr, der Autor sollte möglichst auch im Internet präsent sein. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Renate Behr: Ich bin sehr engagiert, was die Vermarktung meiner Bücher angeht. Und Sie haben recht, einfache Lesungen reichen heute wahrscheinlich nicht mehr aus. Deshalb habe ich mich hier für einen neuen Weg entschieden. Ich biete ein komplettes Unterhaltungsprogramm an, zumindest, was meine Regionalkrimis betrifft. Gemeinsam mit einem Musiker habe ich Songs zu den jeweiligen Lesepassagen geschrieben. Wenn wir auftreten, werden diese Songs live auf der Bühne interpretiert mit einer zauberhaften Sängerin und meinem Musiker an der Gitarre. Meist finden die Veranstaltungen in Restaurants statt und beinhalten ein 3- oder 4-Gänge-Menü. Hier in der Region wird das inzwischen sehr gut angenommen. Zusätzlich bin ich bei Facebook aktive, pflege meine Webseiten und schreibe einen eigenen Blog. Ich denke, das ist ein guter Weg. An Zeit investiere ich monatlich mehrere Stunden, auch für die Pressearbeit, die natürlich ebenfalls sehr wichtig ist.

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

Renate Behr: Auf jeden Fall soziale Netzwerke und das Internet. Außerdem sind Leserunden sehr hilfreich. So bekommt man zusätzlich Rezensionen, die ich für wichtig halte. Manchmal macht auch eine Charity-Lesung Sinn, wo man sein Honorar einem guten Zweck spendet. Das gibt zumindest immer gute Presseartikel und die halte ich für wichtig.

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Renate Behr: Ich bevorzuge Thriller, Agentenromane und Krimis jeder Art. Der Schreibstil von Clive Cussler gefällt mir sehr gut und gelegentlich nutze ich sein Stilmittel, zunächst eine Betrachtung der historischen Vergangenheit zu schreiben, bevor ich mit dem eigentlichen Roman beginne.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Renate Behr: Dazu müsste sich in Deutschland einiges verändern. Versuche, eine solche Besprechung zu erreichen, scheitern leider meist im Ansatz. Eigentlich ist das bei der Vielzahl neuer Autoren, die auf den Markt strömen, auch nicht verwunderlich. Es ist sicher eine schwierige Aufgabe, hier die Spreu vom Weizen zu trennen, denn nicht alles, was in Buchform erscheint, ist auch wirklich gut. Man darf einfach nicht nachlassen, daran zu arbeiten, seinen eigenen Namen bekannter zu machen. Das erfordert viel Geduld, aber ich denke, auf die Dauer wird es sich auszahlen.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Renate Behr: Ein gutes Buch zu schreiben, ist vor allen Dingen viel Arbeit. Nicht jede Geschichte, die man selbst für sehr gut hält, eignet sich zum Veröffentlichen. Das Wichtigste ist meiner Meinung nach, zunächst einmal das Handwerk des Schreibens wirklich zu beherrschen. Manuskripte, die man einreichen möchte, müssen weitgehend fehlerfrei sein. Ein gutes Rechtschreib-korrekturprogramm und ein paar Freunde oder Verwandte als Probeleser sind eine gute Hilfe. Ganz wichtig ist eines: Niemals einen Verlag wählen, der Geld von seinen Autoren verlangt. Diese Druckkostenzuschussverlage nehmen jedes Manuskript, unabhängig von der Qualität. Das war mein Fehler, den ich bei meinem ersten Roman begangen habe und von dem ich nur abraten kann. Bücher aus den DKZ-Verlagen werden im Buchhandel nicht angenommen. Die Verlage selbst tun kaum etwas für das Marketing. Sie verdienen ihr Geld an den Autoren, nicht am Verkauf der Bücher.

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Auswahl des Verlags, an den ich mein Manuskript senden möchte. Man muss sich eine Übersicht verschaffen, welche Verlage das Genre, in dem man schreibt, bedienen. Dann sollte man sich auf deren Webseite informieren, in welcher Form das Manuskript eingereicht werden muss. Manche Verlage verlangen nur ein Exposé und eine Leseprobe, andere wollen gleich das Gesamtmanuskript. Im Zweifelsfall frage ich vorher an, ob im Augenblick überhaupt neue Autoren angenommen werden und was ich einreichen soll.

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Renate Behr: Grundsätzlich kann ich alles schreiben. Aber es gibt Themen, die ich ganz bewusst ausklammere. Dazu gehört zum Beispiel Gewalt gegenüber Kindern oder Missbrauch. Ich bin einfach der Ansicht, dass diese Themen in der Unterhaltungsliteratur nichts zu suchen haben. Aber das ist meine ganz persönliche Einstellung.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren insgesamt zu dem Thema?

Renate Behr: Wer sich an brisante Themen heranwagt, muss gut recherchieren. Das heißt, die Fakten müssen stimmen. Natürlich fließen auch immer persönliche Ansichten und Meinungen ein. Ich habe zum Beispiel gerade einen Kriminalroman geschrieben, in dem die Stasi-Vergangenheit in der ehemaligen DDR ein Thema ist. Hier habe ich mir zunächst einmal historische Fakten besorgt und anschließend Meinungen von ehemaligen DDR-Bewohnern eingeholt, bevor ich darüber geschrieben habe.

Für meine Ethno-Thriller, die sich mit den Ureinwohnern Kanadas und der USA beschäftigen, habe ich vor Ort recherchiert und mir zum Beispiel auch einen Gastzugang für die Bibliothek der Universität Fairbans in Alaska besorgt. Dort kann ich historische Dokumente und Zeitungen einsehen, die mir helfen, die Fakten so darzustellen, wie sie in der Realität waren und sind. Meinen letzten Roman „Der Fluch von Fort Henry“ (unter dem Pseudonym Ronda Baker-Summer erschienen), hat ein Experte für nordamerikanische Natives geprüft und mir bestätigt, dass alle Fakten sehr korrekt sind. Des Weiteren habe ich mich auf einer weiteren Kanadareise in Halifax mit einem Police-Officer getroffen, der mir wichtige Erkenntnisse über die Ermittlungsmethoden bei Mordfällen verschafft hat. Auch das konnte ich beim Schreiben meines Romans gut verwenden und es wird mir auch in Zukunft eine gute Hilfe sein. Auch hier in Deutschland habe ich mit Ermittlungsbehörden gesprochen und sogar das Gerichtsmedizinische Institut in Dortmund besucht, um mir wichtige Informationen zu verschaffen.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Renate Behr: Ich kann mir nicht vornehmen: Jetzt schreibe ich an meinem Buch. Ich schreibe, wenn ich Ideen habe, die ich zu Papier bringen will. Anders sieht es aus, wenn es um Kurzgeschichten oder Beiträge zu Literaturwettbewerben geht. Die kann ich durchaus als Terminarbeit zu einem von mir geplanten Termin zu Papier bringen. Aber Bücher, das ist etwas ganz anderes. Manchmal kommen mir mitten in der Nacht gute Ideen. Dafür habe ich Block und Stift neben meinem Bett liegen. Ich notiere das und kann es am nächsten Tag dann kaum erwarten, an den PC zu kommen.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Renate Behr: Vorrang hat im Augenblick der achte Teil meiner Werne-Krimireihe. Das Buch wird, wie seine Vorgänger auch, im vierten Quartal 2015 erscheinen und der Verlag beginnt jetzt schon mit der Werbung, obwohl ich gerade erst die ersten 20 Seiten geschrieben habe. Aber mein Storybook steht, ich weiß also, wo es hingehen wird. Dieses Mal dreht es sich in meinem Roman um illegale Trainingsmethoden für Kampfhunde. Das ist für mich als Hundebesitzer ein brisantes Thema und ich hoffe, dass ich ein wenig zur Rehabilitation der sogenannten „Listenhunde“ beitragen kann.

Fabelhafte Bücher: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.


Renate Behr im www


Hintergründe zur Autorin

Beim Literaturwettbewerb „WasserWerke“ der Regionalinitiative Fluss-Stad-Land erhielt Renate Behr 2009 den Förderpreis der Stadt Marl für ihren Beitrag „Der Russenkopp“, der inzwischen in der Anthologie „Voll in die Fresse“ des Rollfinke-Verlags in Wien erschienen ist.

2011 wurde der Kurzkrimi der Autorin „Zurück nach Köln“ aus der Anthologie „Cruor“ des Candela Verlages im Rahmen des Kurzgeschichtenwettbewerbs 2010/2011 von einer unabhängigen Jury auf den zweiten Platz gewählt. In der aktuellen Anthologie des Verlags „Nur eine Stunde“ ist die Autorin mit dem Beitrag „60 Minuten Ewigkeit“ vertreten.

Im Traumfänger Verlag ist im Oktober 2013 der Thriller der Autorin mit dem Titel „Der Fluch von Fort Henry“ unter dem Pseudonym Ronda Baker-Summer erschienen. Auch hierbei handelt es sich um einen Kriminalroman, aber mit historischen Rückblicken und sozialkritischen Aspekten.

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