Renate Habets: „Schwer tue ich mich, wenn ich meinen Romanfiguren Leid und Trauer zumute“

Interview mit Renate Habets

 

(c) R. Habets
(c) R. Habets

Renate Habets ist 1945 im Westerwald geboren und in Köln aufgewachsen. Studium der Germanistik und Geschichte, langjährige Tätigkeit als Lehrerin am Gymnasium, Fachleiterin für Deutsch am Studienseminar und stellvertretende Schulleiterin; seit 2006 im Ruhestand: Malen, Fotografieren, Schreiben. Ausstellungen und Veröffentlichung von fünf Büchern, Lesungen.

 

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Die „Konkurrenz“ ist also gewaltig. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Eher nicht. Wenn ich ein neues Projekt in Angriff nehme, schreibe ich zunächst einmal nur für mich selbst. Und ich schreibe das, was mich beschäftigt und von dem ich glaube, es müsse geschrieben werden.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Wer diese Listen benutzt, möge sich an ihnen orientieren. Ich tue das eher nicht, weder als Leserin noch als Autorin.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Abwarten, bis das, was ich schreiben will, in mir so gewachsen ist, dass es Worte findet.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Lesungen reichen nicht mehr, der Autor sollte möglichst auch im Internet präsent sein. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Wenig Zeit. Gerade die, die notwendig ist, um meine Homepage zu pflegen.

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

Wenn ich ehrlich antworte: auf mein eigenes Engagement.

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Da ich als ehemalige Deutschlehrerin fast mein ganzes Leben lang mit Büchern umgegangen bin, gibt es sicherlich viele, die mich beeinflussen, ohne dass ich darum weiß. Spezielle Einflüsse könnte ich nicht benennen.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Das Problem ist, dass die meisten Newcomer unbekannt sind. Wenn sie Glück haben, können sie in einem kleinen Verlag veröffentlichen, der aber von den Feuilletons ebenso wenig beachtet wird wie der Newcomer selbst. Es entsteht dann der der Teufelskreis: unbekannt – kein großer Verlag – man bleibt unbekannt. Es müsste Feuilletons geben, die sich auch um die kleinen Verlage kümmern, dort sichten, auf Buchmessen für diese Verlage gehen, mit ihnen den Kontakt pflegen. Zum Beispiel gibt es in NRW die jährliche Buchmesse text & talk mit Lesungen etc., dort könnte man sicherlich fündig werden.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Man sollte nicht von vorneherein auf Veröffentlichung aus sein. Dann wird man zum Opfer dieser Verlage, die sich eine goldene Nase an dem Bedürfnis der Autoren verdienen, unbedingt veröffentlichen zu müssen. Das wird oft sehr teuer!

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Schwer tue ich mich, wenn ich meinen Romanfiguren Leid und Trauer zumute.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren insgesamt zu dem Thema?

Einen ehrlichen!

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Ich schreibe, wenn ich das Gefühl habe, dass es geht. Mittlerweile – ich habe bisher fünf Bücher veröffentlicht – habe ich ein Gespür dafür entwickelt, wann ich in den Schreibfluss geraten kann und wann nicht. Natürlich kann ich mich auch irren…., aber ich bin keine Autorin, die sich zu festen Zeiten an den Schreibtisch setzt.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Ich habe einen Berlin-Roman geschrieben, in dessen Mittelpunkt eine Frau steht, die beim Mauerbau im Westen bleibt und mit dem Verlust des Vertrauten nicht klar kommt.

Fabelhafte Bücher: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.


Renate Habets im www

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