Sabine Schulze Gronover: „Zu viel Empfindlichkeit führt meiner Meinung nach nur zur Falschheit“

Interview mit Sabine Schulze Gronover

 

Sabine Schulze Gronover, geb. Schwienhorst, geboren am 03.03.1969 in Hamm-Heessen, seit 1995 verheiratet, 1 Tochter (geb. 1997). Studierte Diplom-Pädagogik und Kunsttherapie an der WW Universität in Münster. Arbeitet seit 1993 als Therapeutin an der Lwl-Klinik Münster und seit 2010 zusätzlich auf der Palliativstation des St.Josef-Krankenhauses in Bockum-Hövel. Lebt mit einigen Tieren und ihrer Familie auf dem Land in Mersch-Drensteinfurt.

(c) Sabine Schulze Gronover
(c) Sabine Schulze Gronover

 

 

 

 

 

 

 

 

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Die „Konkurrenz“ ist also gewaltig. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Wenn ich meine Geschichten schreibe denke ich zum Glück nicht daran, aber wenn das Buch dann erscheint, man liebevoll über das Cover streicht und mit Blick nach links und rechts tatsächlich ahnt, dass es eben nicht alleine auf dem Thron liegt – dann schon. Aber: Beim Autokauf muss ich mich punktgenau entscheiden, Bücher kann man auch mehrere kaufen.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Ich wäre gerne mit meinen Büchern auf einer solchen Liste weit oben vertreten, na klar. Aber als Leserin orientiere ich mich nicht daran, da schaue ich nach Themen oder persönlichen Lieblingsautoren.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Ich erwecke die Personen des Romans zum Leben und frage sie dann direkt, was sie als nächstes tun ; ). Schokolade oder Kekse (das Kauen hilft) und Kaffee oder Tee regen mich auch an. In schlimmen Fällen von Einfallslosigkeit schließe ich die Datei eben und mache später weiter.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Lesungen reichen nicht mehr, der Autor sollte möglichst auch im Internet präsent sein. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Unterschiedlich. Mal 2-3 Stunden pro Woche, dann mache ich mal ganz ignorant gar nichts daran. Aber ich freue mich immer sehr, wenn ich bei facebook oder über meine Webseite eine Nachricht erhalte und antworte gerne.

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

Auf die Wiederholung! Das Buch muss im Gespräch bleiben, immer mal wieder auftauchen und zwar breit gestreut: Zeitung, Internet, Zeitschrift, Lesungen, super, wenn das Buch auch mal im Radio erwähnt wird.

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Gerne lasse ich mich von Ingrid Noll beeinflussen. Karl May zeigte mir, dass es die Figuren gibt, über die man schreibt und Preston & Child sind Meister im Erzeugen von Spannung und skurrilen Charakteren.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Ja, das wüsste ich auch sehr gerne. Die Medien setzen halt gerne auf Altbewährtes und die Leser wiederum lesen gerne über Personen und Bücher, die sie schon kennen.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Bei der Verlagssuche sollte man nicht immer auf die großen Namen setzen, sondern gerne kleinere Verlage ansprechen, bei denen der Kontakt persönlicher ist. Man muss auch nicht gleich ein 500-Seiten-Werk als Debüt präsentieren, ein kurzes knackig geschriebenes Manuskript wird schneller mal mit ins Programm genommen. Und als Neuling sollte man einen Fachmann nach der Qualität des eigenen Textes fragen, denn die eigene Patentante tut hier der Beziehung gut, nicht unbedingt dem Buch.

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Ich mag es nicht, sehr blutige oder sehr grausame, bis ins Detail beschriebene Szenen zu lesen. Das möchte ich meinen Lesern also auch nicht zumuten. Ich lasse lieber Raum für die eigene Phantasie, und ich möchte nicht jeden Voyeurismus befriedigen. Über Gewalt an Kindern könnte ich nicht gut schreiben.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren insgesamt zu dem Thema?

Ich finde die Meinungsfreiheit extrem wichtig und den Respekt vor unterschiedlichen Meinungen. Kritik ist doch sehr wichtig in einer Gesellschaft. Als Autor oder auch Kabarettist ist man sicher in besonderer Weise aufgerufen, dabei auf Ton und Etikette zu achten, das Hetzen und Diffamieren sollte natürlich keinen Raum bekommen. Zu viel Empfindlichkeit führt meiner Meinung nach nur zur Falschheit.

Als Krimiautorin habe ich es einfacher als politisch orientierte Sachbuchautoren – man erwartet ja von uns, dass wir über Bösewichter und Abgründe schreiben, ob als Politthriller oder als Dorfkrimi. Doch auch ich bin nun von einigen Kirchenmännern zu meinem letzten Roman kritisiert worden, weil ich die Kirche in der Geschichte angreifen würde. Das muss diese Institution aushalten und ich wohl auch.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Da ich auch noch als Therapeutin mit festen Arbeitszeiten arbeite, habe ich mir das Schreiben zu ganz bestimmten Zeiten angewöhnt. Und ich glaube, man kann sein Gehirn tatsächlich trainieren, sich zu diesen definierten Zeiten regelmäßig ins Land der Bilder und Geschichten zu begeben.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Mein aktuelles Projekt ist beinahe fertig und wird im September diesen Jahres beim Emons Verlag erscheinen. Es geht dabei unter anderem um Gemälde aus Hermann Görings Sammlung, die er sich während der NS-Zeit schamlos zusammengeraubt hat. Bis heute sind ja noch viele berühmte Bilder verschollen und reizen fast schon zu einer Schatzsuche. Zum Beispiel das Franz Marc-Bild „Der Turm der blauen Pferde“, das in meinem Roman nach 70 Jahren mal auftauchen darf.

Zum Inhalt:

Ein entlassener Häftling kann sich leider nicht um eine brave Bewährungszeit kümmern, denn er gerät als Mitbewohner eines Mehrfamilienhaus in alte und neue Verbrechen, findet eine Leiche im Hausflur und sieht sich plötzlich 70 Jahre alten Geschichten über Naziraubkunst und brutalen Altlasten gegenüber.

Fabelhafte Bücher: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.


 

Sabine Schulze Gronover im www

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