Stefan Holtkötter: „Kaffee, Zucker, Alkohol und Zigaretten“

Interview mit Stefan Holtkötter

 

(c) Mascha Lohe
(c) Mascha Lohe

Stefan Holtkötter, geboren auf einem Bauernhof im Münsterland, lebt heute als freier Autor in Berlin. Bekannt wurde er durch seine erfolgreiche Krimireihe um den Münsteraner Ermittler Bernhard Hambrock. Seine Arbeit wurde von der Kulturstiftung des Landes NRW gefördert. Neben der Münsterland-Reihe schreibt er atmosphärische Kriminalromane, die in seiner Wahlheimat angesiedelt sind. „Schützenbrüder“ ist der Auftakt einer neuen Serie um den Münsterländer Bauer Tönne Oldenkott, der mit typisch westfälischer Sturheit und Beharrlichkeit und einer gehörigen Portion Humor Verbrechen in der ländlichen Idylle aufklärt.

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Die „Konkurrenz“ ist also gewaltig. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Tja. Wenn man zu viel darüber nachdenkt, fragt man sich schnell: Braucht die Welt überhaupt ein neues Buch von mir? Also konzentriere ich mich lieber auf meine brandneue Idee, die ich ja total super finde, und lege einfach los. Den Rest hebe ich mir auf für Zeiten, in denen ich sowieso Kopfschmerzen und schlechte Laune habe.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Als Leser interessiert mich das schon. Das meiste ist zwar Massengeschmack, also der größte gemeinsame Nenner, auf den sich alle einigen können. Das ist natürlich nicht so spannend. Aber wenn es mal ein gutes Buch in die Bestsellerlisten schafft, dann oft, weil es ein wirklich richtig gutes Buch ist. Als Autor interessiert mich das aber nicht so sehr, weil ich mich eh nicht verbiegen kann.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Kaffee, Zucker, Alkohol und Zigaretten. Oder einfach mal was anderes machen. Spazieren gehen oder Freunde treffen.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Lesungen reichen nicht mehr, der Autor sollte möglichst auch im Internet präsent sein. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Ganz unterschiedlich. Aber damit kann man sich zum Beispiel auch gut beschäftigen, wenn da ein Durchhänger beim Schreiben ist. Es wird immer mehr Alltag für Autoren, da Verlage sich mit ihren Marketinganstrengungen nur noch auf die Spitzentitel konzentrieren. Man sollte aber seine Zielgruppe kennen und sich fragen, ob die überhaupt im Internet unterwegs ist. Vielleicht braucht es auch andere Instrumente.

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

Da ich hauptsächlich Regionalkrimis schreibe, ist es für mich am wichtigsten, in der Region zu sein. Und Lesungen sind bei regional begrenzten Titeln nach wie vor sinnvoll. Vor allem, wenn man sich was einfallen lässt. Mit drei anderen Autoren habe ich gerade eine Schützenlesung auf die Beine gestellt, weil wir alle schon mal was über Schützenfeste geschrieben haben. Das ging dann mit Marschmusik und Schnaps und Vogelschießen vonstatten, und es gab ein großes Hallo im Publikum. Warum also nicht.

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Da gibt es zahllose, aber am Ende musst du deinen eigenen Stil finden.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Ich weiß nicht. Als Unterhaltungsautor habe ich ohnehin nicht viel mit dem Feuilleton zu tun. Bei uns wird in der Branche nach wie vor großer Wert auf die Einteilung in U und E gelegt. Da musst du dir vorher überlegen, in welche Schlange du dich stellst. Ich war als Debütant in der SuperIllu, das war toll.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Ich denke, es ist wichtig, eine Vorstellung von dem zu haben, was man machen will. Sich mit dem Handwerk auseinanderzusetzen kann auch nicht schaden. Und dann natürlich lesen, lesen, lesen.

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Eigentlich nicht. Es gibt gute Pornografie, die es schafft, prall und lebendig zu sein. Aber in der sonstigen Literatur öden mich Sexszenen eher an. Ich lass da die Finger von, weil mich das nicht interessiert. Aber es ist schon so, dass man das ständig von Agenten gesagt kriegt: Du musst da mehr Sex reinbringen! Wenn ich so was höre, mache ich ein freundliches Gesicht, gehe nach Hause und schreibe so weiter, wie ich es immer mache.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren insgesamt zu dem Thema?

Ich schreibe keine politischen Bücher. Aber natürlich tauchen solche Themen überall auf, wo Gesellschaft abgebildet wird. Also auch in der Unterhaltung. Und da muss man Stellung beziehen, möglichst ohne pädagogisch rüberzukommen. Aber andererseits bin ich ja auch Leser. Und wenn ich zum Beispiel was über jüdische Siedlungspolitik wissen möchte, dann lese ich lieber ein Sachbuch.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

So richtig strukturiert arbeite ich nicht. Mal stehe ich früh auf und lege los, mal fange ich erst spät nachts an zu arbeiten. Aber ich habe immer einen Abgabetermin, und bisher habe ich noch jeden eingehalten. Am Ende muss der Text halt fertig sein. Und wie man das dann hinkriegt, das kann man sich auf dem Weg dahin immer wieder mal überlegen.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Ich habe eine neue Krimireihe entwickelt. Das erste Buch ist im November 2014 auf den Markt gekommen. Es geht um einen alten sturen Landwirt, der gemeinsam mit einer jungen türkischen Dorfpolizistin Verbrechen aufklärt. Blutwurst meets Döner, sozusagen. Im Moment arbeite ich an dem zweiten Teil.

Fabelhafte Bücher: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.


 Stefan Holtkötter im www

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