Volker König: „In mir baut sich mit der Zeit ein gewisser Schreibdruck auf“

 Interview mit Volker König

 

Volker König wurde 1965 in Dortmund geboren. Nach seinem Diplom in Biologie begann er zu schreiben. Zuletzt erschien der skurrile Science-Fiction In Zukunft Chillingham.

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Nein. Wenn ich ein Thema verfolge, dann bleibt mir nichts übrig, als es zu verfolgen.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Grundsätzlich halte ich diese Orientierung für sinnvoll. Bleibt die Frage, wie die jeweilige Liste entstanden ist. Mich selbst interessiert aber mehr die Meinung von Menschen, die ich kenne und schätze.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Durchhängen. Das lasse ich unbedingt zu.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Verschwindend wenig, wenn ich sie mit den Aktivitäten meiner Kolleginnen und Kollegen vergleiche. Eine vorsichtige Schätzung könnte vielleicht zwei Stunden im Monat ergeben.

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

(c) Volker König
(c) Volker König

Nun, ich führe eine pflegeleichte Homepage, halte Lesungen und lasse meine Bücher in Leserunden beurteilen. Außerdem beteilige ich mich an Interviews wie diesem in der stillen Hoffnung, dass die Seite tatsächlich mindestens 1.500 Mal pro Tag besucht wird.

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Tom Sharpe, Douglas Adams, John Steinbeck, Kurz Vonnegut, Mark Twain, Thomas Bernhard … um nur einige zu nennen.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Offenbar ist es viel leichter und lukrativer, auf bestehende Meinungen zu reagieren, als sich ins Unbekannte zu wagen. Newcomer sollten etwas Ungewöhnliches veranstalten wie etwa eine Versicherung gegen Arbeitsunfähigkeit versuchen abzuschließen und dann gegen die Ablehnung mit Presseunterstützung klagen. Oder gar ein Bücher-Nacktverkauf in der Fußgängerzone … Obwohl diese Vorschläge nicht ernst gemeint sind, würde es mich nicht wundern, wenn aus Verzweiflung irgendwann jemand darauf zurückgreift. Indie-Autoren sollten sich mal auf dem Qindie-Portal umzusehen.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Lass es, wenn Du es nur des Geldes wegen beginnst. Schreib anstelle lieber Drehbücher, vorzugsweise in Amerika, denn andernfalls wirst Du in der Regel bitter enttäuscht. Wenn Du Dich jedoch berufen fühlst, dann geh mit voller Leidenschaft ans Werk. Aber: Lass Dich für Deine Arbeit bezahlen – nicht umgekehrt!

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Inzwischen nicht mehr. Aber ich erinnere mich noch, wie ich begann, das Monster in mir zu reiten. So hat es James N. Frey einmal ausgedrückt. Die Scheu, dieses Monster zu besteigen, mag zwar groß sein, aber sie zu überwinden ist in jedem Falle fruchtbar.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren insgesamt zu dem Thema?

Von offener Kritik halte ich in erzählender Literatur wenig. Meine eigene Form der Kritik besteht daher im möglichst nüchternen Beschreiben oder Erzählen von Zusammenhängen. Meine Ausbildung zum Wissenschaftler spielt da sicher eine Nebenrolle.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

In mir baut sich mit der Zeit ein gewisser Schreibdruck auf. Dann setze ich mich hin, und lasse diesem Druck freien Lauf. Später beginnt sich dann ein gewisser Korrekturdruck aufzubauen, dem ich irgendwann nachgebe. Schreiben ist für mich kein Job wie jeder andere. Schreiben ist, wie jede andere Kunst auch, eine Tätigkeit, die in erster Linie eben nicht die Träume anderer realisiert.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Im Moment sammle ich Material und  schreibe daher sehr wenig. Dafür male ich wieder mehr Bilder.

Fabelhafte Bücher: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.

Gern geschehen.

www.vkoenighome.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.