Wilfried Bremermann: „Seilschaften gibt es eben nicht nur in der Politik“

Interview mit Wilfried Bremermann

 

(c) Wilfried Bremermann
(c) Wilfried Bremermann

Wilfried Bremermann, geb. 1963 in Rahden (Westfalen) ist heute in der Internen Revision eines regionalen Kreditinstitutes tätig. Geschrieben hat er schon immer, professionell seit den Neunziger Jahren. Der Thrillerautor lebt mit seiner Familie im westfälischen Hille bei Minden. 

 

 

 

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Die „Konkurrenz“ ist also gewaltig. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Nein. Ich schreibe, weil es mir Spaß macht und weil es mich drängt, Bücher zu schreiben. Da ich einen Hauptberuf habe, der mich und meine Familie ernährt, bin ich nicht von der Veröffentlichung meiner Bücher abhängig.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Solche Listen lassen sich immer manipulieren, und ich gehe davon aus, dass die großen Verlage ihre Bücher dort schon unterzubringen wissen. Leider lassen sich „Gelegenheitsleser“ von so etwas blenden. Aber damit müssen wir „Kleinautoren“ leben. Zum Glück gibt es ja noch das Internet, und wenn man sieht, wie weit es 50 Shades of Grey zum Beispiel durch virales Marketing gebracht hat, so lässt das doch auch Hoffnung für Kleinautoren zu.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Bei Schreibblockaden einfach an einer anderen Stelle im Buch weitermachen. Selbstzweifel gibt es nicht. Und zu viel zu tun ist kein Thema, da ich immer morgens vor der Arbeit schreibe (etwa eine Stunde) und dafür extra eine Stunde eher aufstehe, so kommt es gar nicht erst zu Zeitproblemen.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Lesungen reichen nicht mehr, der Autor sollte möglichst auch im Internet präsent sein. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Schwer zu sagen, da ich kaum Leseauftritte habe. Ich investiere allerdings auch nicht zu viel Zeit in solche Maßnahmen, da ich einen Hauptberuf und Haus und Familie habe, und da bezahlter Werbeaufwand nicht in Frage kommt (das Risiko, Verlust einzufahren, ist mir zu groß). Ich nutze Werbemöglichkeiten in Gratis-Onlineportalen, gebe Pressemitteilungen heraus (die leider nicht alle Zeitungen zur Veröffentlichung nutzen), und ich habe natürlich eine Homepage. Aber das war es dann auch schon. Wenn Leute meine Bücher kaufen, freue ich mich natürlich sehr. Aber, wie schon oben gesagt, ich würde auch schreiben, wenn niemand meine Bücher liest (was aber zum Glück nicht der Fall ist – einige 1000 habe ich schon abgesetzt).

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

Presseartikel. Wenn man das Glück hat, eine Zeitung zu finden, die berichtet, ergibt das in der Regel eine ordentliche Resonanz. (Zur Wirkung sozialer Netzwerke kann ich nichts sagen, da ich diese nicht nutze.)

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Da ich Krimis und Thriller schreibe: Angelsächsische Autoren, hier vor allem Robert Ludlum, der in meinen Augen der ungekrönte Thrillerkönig ist, aber auch Michael Crichton oder Dan Brown wegen ihrer auf Geheimnisse angelegten Schreibweise.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Eine Beantwortung dieser Frage ist wohl nicht möglich. Man kann nur spekulieren, und dabei dürfte wohl nicht zuletzt auch Geld eine Rolle spielen sowie die politische Ausrichtung des Magazins. Seilschaften gibt es eben nicht nur in der Politik. Newcomer haben da m. E. keine Chance, es sei denn, sie sind bereits jahrelang auf eigene Kosten tätig geworden und hatten das Glück, auf diese Weise einen Großverlag auf sich aufmerksam zu machen (s. Nele Neuhaus).

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Nicht zu früh mit dem Veröffentlichen (auch im Eigenverlag) anfangen. Man braucht schon etwas Erfahrung. Aber man sollte auch nicht zu lange warten; wenn man regelmäßig schreibt, hat man irgendwann den Bogen raus, wie man schreiben muss. Am besten habe ich übrigens durch Lesen gelernt, wobei zahlreiche Fachbücher nur das Grundwerkzeug lieferten. Einfach das lesen, was man schreiben möchte, sich den Stil seiner Lieblingsautoren aneignen, ohne diese allzu offensichtlich nachzuahmen. Und niemals, wirklich niemals auf Kritik reagieren! Es wird immer Leute geben, die ein Buch nicht gut finden (aus welchen Gründen auch immer) und ihre eigene Meinung anderen aufoktroyieren wollen. Wir leben in einer Demokratie und müssen mit Kritik leben, wenn auch das Internet hier geradezu inflationär wirkt. Aber wenn man sich nur auf die positiven Kritiken konzentriert, fühlt man sich bestätigt und ist motiviert, weiter zu schreiben (was einen aber auch nicht davon abhalten darf, offensichtliche Fehler zu korrigieren).

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Nein, eigentlich nicht.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren insgesamt zu dem Thema?

War bisher kein Thema für mich und wird es wohl auch nicht, da ich ja Krimis schreibe. Politische Kritik kann man zur Genüge im eigenen Land anbringen. Ich muss nur an inkompetente und korrupte Politiker denken, die ohne mit der Wimper zu zucken die EU zerstören (Griechenland, Weichwährung Euro) oder das eigene Volk an amerikanische Konzerne verkaufen (TTIP). Das sind Themen, aus denen sich echte Thriller machen lassen. Schriftsteller haben sich immer schon politisch positioniert. Das ist auch richtig so. Aber leider gibt es nur noch wenige, da die großen Mainstreamverlage ja zur oben geschilderten Kapitalklientel gehören und wohl keine Autoren veröffentlichen, die die Meinung des Managements nicht vertreten.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Ich schreibe montags bis freitags eine Stunde am frühen Morgen vor der Arbeit. Und bevor die Familie aufsteht. Zum Schreiben brauche ich absolute Ruhe. Sobald ein Familienmitglied im Haus herumpoltert, ist es mit der Konzentration vorbei. Die Konzentration fehlt mir auch am Abend, weshalb ich nach der Arbeit auch nicht mehr schreibe. Und nachts, wie es viele tun, wenn man einschlägigen Berichten trauen kann, das ist überhaupt nichts für mich. Da ich ein Frühaufsteher bin, gehe ich auch früh zu Bett; die Nacht ist also dem Schlaf vorbehalten. Der Samstag dient der Haus-und Gartenarbeit, da wird nicht geschrieben. Und der Sonntag dient der nötigen Ruhe und Erholung.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Ich arbeite z. Z. am zweiten Band einer Detektivserie, der aber wahrscheinlich erst im übernächsten Jahr erscheinen wird. Da gerade erst ein Krimi herausgebracht wurde, werde ich noch ein paar Monate verstreichen lassen, bis der erste Band der Detektivserie erscheinen wird.

Fabelhafte Bücher: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.


http://wilfried-bremermann.de

 

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