Wolfgang Bittner: „Für mich sind Mund-zu-Mund-Empfehlungen wichtig“

Interview mit Wolfgang Bittner

 

(c) Archiv W. Bittner
(c) Archiv W. Bittner

Wolfgang Bittner lebt als Schriftsteller in Göttingen. Der promovierte Jurist verfasst Bücher für Erwachsene, Jugendliche und Kinder, erhielt mehrere Preise und Auszeichnungen und ist Mitglied im PEN. Lange Reisen führten ihn nach Vorderasien, Mexiko, Kanada und Neuseeland. Von 1996 bis 1998 gehörte er dem Rundfunkrat des WDR an, von 1997 bis 2001 dem Bundesvorstand des Verbandes deutscher Schriftsteller. Er übernahm Lehrtätigkeiten im In- und Ausland, darunter Gastprofessuren in Polen. Wolfgang Bittner ist freier Mitarbeiter bei Zeitungen, Zeitschriften, Hörfunk und Fernsehen und veröffentlichte mehr als 60 Bücher, von denen viele in andere Sprachen übersetzt worden sind.

 

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Die „Konkurrenz“ ist also gewaltig. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Die Themen finden mich, und ich schreibe.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Bestsellerlisten spiegeln den Mainstream. Der „Geschmack“ der Meisten hat nur selten etwas mit Qualität und (literarischem) Niveau zu tun. Aber ich habe nichts gegen Literatur, die unterhält.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Weiterschreiben. Es gibt immer neue Anregungen. Allerdings kann es dem Lebensgefühl sehr zuträglich sein, hin und wieder auch längere Pausen einzulegen, zu reisen oder das Genre zu wechseln.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Lesungen reichen nicht mehr, der Autor sollte möglichst auch im Internet präsent sein. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Inzwischen arbeite ich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit dem Internet. Ich habe eine Webseite, auf der sich Interessierte informieren können, ich maile, beantworte Mails (nicht alle), recherchiere im Internet … Zu Facebook oder Twitter habe ich mich nicht entschließen können, es ist mir u.a. zu zeitaufwändig.

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

Gute Bücher schreiben. Ich bin Schriftsteller, nicht Verleger. Selfmarketing hält sehr von der kreativen Arbeit ab. Für mich sind Mund-zu-Mund-Empfehlungen wichtig.

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Ich habe seit meiner Jugend viel gelesen (hat in den vergangenen Jahren etwas nachgelassen), das hat mich sicherlich inspiriert und beeinflusst. Da gibt es viele Autoren, die ich schätze. Einige habe ich in meinem Debütroman „Der Aufsteiger oder Ein Versuch zu leben“ von 1978 genannt.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Mehr Kompetenz bei den Literaturvermittlern, mehr Menschlichkeit und Toleranz gegenüber Autorinnen und Autoren, die nicht ins Schema oder ins gesellschaftspolitische Konzept passen. Und weniger Kumpanei.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Als ich anfing zu schreiben, habe ich glücklicherweise, nicht gleich publiziert. Es hat lange gedauert, bis ich das, was sich gedanklich vorbereitete, für mich zufriedenstellend ausdrücken konnte (siehe dazu mein Buch „Beruf: Schriftsteller – Was man wissen muss, wenn man vom Schreiben leben will“)

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Sex-Szenen oder Liebes-Szenen zu schreiben, ist mit das Schwerste, wenn man einen Anspruch hat.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren insgesamt zu dem Thema?

Es gibt heikle Themen und Tabuthemen. Wer sich an sie heranwagt und damit aus dem gesellschaftlichen Konsens ausbricht, muss damit rechnen, dass er schwerwiegende Probleme bekommen kann (deswegen zuhauf Opportunismus). Die drei Stufen der Reaktion – je nach Schwere des Nonkonformismus – sind: Verschweigen, diffamieren, eliminieren. Das ist zwar eine Schande, aber das sollte man wissen.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Ich schreibe, wie es mir am besten passt. Das kann morgens, mittags, abends, nachts, auf Reisen oder zu Hause sein. Manchmal schreibe ich von morgens bis nachts.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Zurzeit arbeite ich an einem Satire-Buch. Es wird bereits vor Jahren veröffentlichte, nach wie vor hochaktuelle Texte enthalten, aber auch neue, noch unveröffentlichte satirische Kurzgeschichten und Erzählungen.

Fabelhafte Bücher: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.


 

Wolfgang Bittner im www

 

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