Astrid Dehe & Achim Engstler: „Auslaufend Wasser“

Rezension von Amir

Ein Notizbuch und dessen Schicksal

auslaufend wasser dehe engstlerJeder fragt sich mal, wie es wohl wäre, seine Albträume, seine tiefstverborgensten Ängste, seine schrecklichsten Illusionen zu erleben – würden wir das überhaupt aushalten können und würde überhaupt jemand erfahren, was wir alles durgemacht haben? Ein solches Erlebnis hat sich Mitte des 19. Jahrhunderts abgespielt: Der junge Tjark Evers, der gerade am Festland die Navigationsschule besucht und, so wie auch jeder junge Mann nördlich des Festlands, eines Tages ein erfolgreicher Schiffer sein möchte, möchte für ein paar Tage nach Hause gehen – gar kein schwieriges Unternehmen, würde man denken. Selbstbewusst und glücklich begibt er sich Richtung Heimat: Er möchte seine Familie mit einem Besuch überraschen – es ist kurz vor Weihnachten und Weihnachten möchte er lieber bei seiner Familie, als in Timmel verbringen.

Er begibt sich auf den Weg, seine Heimatinsel Baltrum wartet schon auf ihn! Einige Schiffer sollen ihn bis dorthin übersetzen, doch Gott hatte andere Pläne mit ihm. Man steuerte die Ostküste Baltrums an, es war nebelig, unangenehm, düster und nass – Tjark jedoch hatte keine Angst und war sich sicher, dass er auf dem richtigen Weg sei.

Sand, Wasser und kein Ende

Schon als Tjark seine ersten Schritte machte, merkte er, dass etwas nicht stimmt, denn „der Sand fällt ab, statt aufzusteigen. Die Flut, eben noch kaum zu merken, zieht an den Stiefeln, das Wasser wird tiefer[…]“ und Tjark, der sich umdreht und nichts erkennen kann, fragt sich, ob er doch vielleicht zurückkehren sollte. Doch „zurück, wohin? Er weiß nicht, in welcher Richtung er schon gegangen ist[…]“. Die ausweglose Situation in einem Sandmeer, das kein Pardon kennt und immer mehr und mehr bis ans Tjarks Herz aufsteigt, bringt den jungen Mann, der sich seiner Situation bewusst ist, zum Verzweifeln. Seines Schicksals bewusst, nimmt er sein Taschenbuch, „dessen sandfarbenen Seiten trigonometrische Formeln überspülen[…]“ und widmet seiner Familie seine letzten Sätze mit der Hoffnung, dass er auch ankommen wird. Und die Zigarrenkiste kam wirklich an – Tjark wurde zur Legende.

Die Romantik des Sterbens

Die Geschichte beruht auf wahren Geschehnissen, die sorgfältig von dem Autorenduo Astrid Dehe und Achim Engstler bearbeitet wurde.

Eine romantische Erzählensweise, die uns hautnah an der Seite des Protagonisten Tjark und in seine damalige, ausweglose Situation versetzt, überrascht – einerseits wegen des mehr oder weniger noch unbekannten Autorenduos, andererseits wegen der Tatsache, dass man keine Novelle erwartet, die so stilistisch gut ausarbeitet ist. Sie fesselt und entspannt zugleich, verzaubert und entführt. Gut geschrieben, romantisch und tragisch zugleich – aber ein Erfolg in jeder Hinsicht!

Meine Bewertung

(O – war grausam!! 10- exzellentes Buch!!)
Historischer Wert: 0-10: 8
Spannung: 0-10: 7
Lesefreude: 0-10: 8
Muss-man-gelesen-haben: 0-10: 7

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