Franz Zeller – „Sterben ist das Letzte“

Rezension von frida

Sanft fällt der erste Schnee auf den Salzburger Universitätsplatz, setzt den Türmen der barocken Kollegienkirche weiße Hauben auf – und bedeckt den Müllcontainer mit Maximilians Marthalers Leiche. Marthaler war ein skrupelloser, eiskalter Geschäftemacher, der nicht nur seine Angestellten demütigte, sondern sich auch einer Reihe Mülldivern, die noch brauchbare Lebensmittel aus den Müllcontainern der Supermärkte holen, in den Weg stellte. Chefinspektor Franco Moll und Kollege Oberhollenzer haben bald mehr Verdächtige, als ihnen lieb ist. Selbst Molls Nachbarin Melinda gerät unter Verdacht, und das, als Moll gerade zarte Bande der Liebe zu ihr knüpft. Eine neue Spur taucht erst auf, als es plötzlich zu tauen beginnt und der Schnee eine weitere Leiche freigibt.

Rezension

Ein abgetrennter Zeigefinger auf dem Sushiband, der geradewegs auf einen deutend, vor einem stehen bleibt. Bei wem würde dies nicht einen sofortigen Fluchtreflex, wenn nicht mehr, auslösen? Maximilian Marthaler, der sich ohnehin verfolgt fühlt, flieht vor diesem bedrohlich auf ihn zeigenden Objekt in kopfloser Panik – und ist kurze Zeit darauf tot.

Der Fall landet umgehend im Büro des Kommissariatsleiters Gokl, der zur momentan einen  Durchhänger hat, da er von seiner Frau vor die Tür gesetzt worden ist. Nachdem das Ermittlungsteam, bestehend aus Pellegrini, Moll und Oberhollenzer begriffen hat, dass er sich trotzdem nicht mehr als auch vorher üblich, in die Ermittlungsarbeiten einmischen wird, beginnen sie mit der fieberhaften Suche nach dem Mörder.

Unter Zuhilfenahme modernster, digitaler Methoden versuchen sie dem Täter auf die Spur zu kommen. Dies steht in krassem Gegensatz zu der eher unzeitgemäßen Büroeinrichtung, einem Garderobenständer in Form eines Hirschgeweihs, der ursprünglich als Gag gedacht, sich mittlerweile einen festen Platz im Büro gesichert hat.

Zwar steht die Suche nach dem Mörder von Maximilian Marthaler im Vordergrund, allerdings gerät sie beim Lesen, aufgrund des munteren Bürolebens leicht in Vergessenheit. Der lockere Umgangston und die köstlichen Kommentare, lassen einen schnell vergessen, dass man eigentlich einen Krimi liest und man verfolgt mehr den kollegialen Schlagabtausch, als die Suche nach dem Täter.

zeller sterbenEs wird dennoch fleißig ermittelt und schnell stellt sich heraus, dass es sich bei dem Toten um ein anerkanntes Ekelpaket gehandelt hat und er keine Freunde, dafür aber viele Feinde hatte. Die überdurchschnittlich große Auswahl an möglichen Mordmotiven, macht die Suche nach dem Täter natürlich nicht einfacher. Und spätestens dann, als die Ermittlungen sogar ins private Umfeld von Kommissar Moll führen, wird es Zeit endlich den Täter zu finden. Am Ende wird nicht nur der Mörder Marthalers überführt, sondern es klärt sich auch wessen Finger in der Sushibar gekreist ist. So kehrt wieder Ruhe im Büro ein und man kann sich endlich wieder den eigen(tlich)en Problemen widmen.

Fazit

Ein Krimi mit Spassgarantie und dem Potenzial zum Bestseller. Der Umgangston im Büro der Kripobeamten ist überaus locker und die Stichel- und Frotzeleien der Kollegen untereinander kommen sehr lebendig rüber. Alle haben ihre kleineren oder größeren Macken, über die man sich als Leser wunderbar amüsiert. Vor allem gibt es dabei genügend Gelegenheit kritische Gedanken, wohl verpackt einfließen zu lassen, um zu eigenem Hinterfragen anzuregen.

Infos

Franz Zeller, Jahrgang 1966, hat Germanistik und Anglistik in Salzburg und Oxford studiert. Seit 2004 moderiert er beim ORF-Sender Ö1 die Sendereihen „Matrix“ und „Digital.Leben“. Wenn er nicht gerade „on-air“ ist oder schreibt, kocht er mit seiner Familie, spielt Bass, braut Bier oder erzählt seinen Söhnen vom Wasserkobold „Bubbelmuck“, dessen Geschichten als ebooks bei Knaur erschienen sind. 2014 ist sein Kriminalroman „Sieben letzte Worte“ erschienen.

Bewertung

Historischer Wert: 1
Spannung: 3
Lesefreundlichkeit: 5
Ratgeber: 1
Muss-man-gelesen-haben: 5
(1-kaum zutreffend / 5-besonders zutreffend)