Franziska Moll: „Was ich dich träumen lasse“

 

Rezension von Mona

Ihr Liebesglück könnte nicht perfekter sein. Doch dann reißt ein tragischer Unfall die Liebenden entzwei; Rico fällt ins Koma und Elenas Schock sitzt so tief, dass auch sie der Realität entflieht. Dann findet sie Ricos Liste der 10 Dinge, der er getan haben möchte, bevor er stirbt und macht es sich zur Aufgabe, diese stellvertretend für ihn abzuarbeiten.

Elena und Rico sind von Grund auf verschieden.

Während Rico das Leben liebt und in vollen Zügen auskostet, ist Elena ein kühler, rationaler und verantwortungsorientierter Charakter. Im Gegensatz zu Rico ist sie nicht darauf bedacht, das Leben zu nehmen, wie es kommt, sondern Allem zu jeder Zeit gewappnet zu sein.

Das Kennenlernen war nur allzu stereotypisch.

Elena kam neu an die Schule und verhielt sich völlig distanziert, was jedoch trotzdem die Aufmerksamkeit von Mädchenschwarm Rico auf sich zog. Und obwohl er so ziemlich jedes Mädchen für sich gewinnen könnte, bemüht er sich mit vollem Körpereinsatz um die eigenbrödlerische Elena. Kurz vor ihrem 2-jährigen Jubiläum wird Rico dann von einem LKW erfasst fällt ins Koma. Daraufhin verfällt Elena in eine Art Schockzustand und obwohl ihr die Situation durchaus bewusst ist, schützt sie sich durch Verleumdung und gesteht sich nicht einmal ein zu weinen. Also bis auf die Tatsache, dass ihr Körper eigenständig funktioniert, ist ihr Zustand Ricos gar nicht so unähnlich. Als ihr dann Ricos Liste über 10 Dinge, die er getan haben möchte, bevor er stirbt in die Hände fällt, sieht sie es als ihre Pflicht, diese Dinge an seiner Stelle zu erfüllen.

Völlig entgegen ihrer Natur stürzt sie sich in diese kleinen „Abenteuer“ und handelt dabei völlig unvorsichtig. Den meisten Platz der Geschichte nehmen Rückblicke in die Beziehung des Paars ein. Wir lernen Elena und Rico besser kennen und erfahren, dass Gegensätze sich scheinbar wirklich anziehen. Die Dialoge werden dadurch kenntlich gemacht, dass die Texte jeweils eingerückt sind und mit einem Punkt beginnen:

„.Glaubst du etwa an Gott?

 . Du denn nicht?

 . Wenn es den gibt, ist er ein Idiot, so viel steht fest.

 . Und wieso?

 . Es interessiert ihn nicht, was dir passiert. Er hilft dir nicht.

 . Also hast du ihn schon mal um Hilfe gebeten?

 . Es ist typisch, dass du an Gott glaubst. Leute wie du glauben immer an Gott.

 . Leute wie ich?

 . Die, die immer mit einem Grinsen durch die Welt gehen, weil ihnen noch nie etwas Schlimmes passiert ist.

 . Ist dir etwa etwas Schlimmes passiert?

 . Wahrscheinlich glaubst du sogar, er sitzt auf einer Wolke und hat einen langen weißen Bart und ein gütiges Lächeln. Und er guckt auf dich runter und freut sich, wenn es dir gut geht.

 . Wäre das so schlecht?

 . Und wenn dir was Blödes passiert, dann hat der liebe Gott es nur eingefädelt, damit du was sehr wichtiges lernst, um nachher nur noch glücklicher zu sein.

 . Ja, vielleicht.

 . Und die Kinder in Afrika krepieren nur an Aids, weil Gott so wahnsinnig nett ist.

 . Manchmal bist du echt zum Kotzen.

 . Beschwer die doch bei dem da oben.“

(Seite 47 -48)

was_ich_dich_traeumen_lasse_mollDurch andere Dialoge erfährt der Leser, dass die zwei trotzallem durchaus harmonieren, was vorwiegend an Ricos Bemühungen liegt. Diese Rückblicke lassen aus zwei Gegensätzen ein Ganzes werden. Die Zeit, ab der Rico im Koma liegt (ziemlich am Anfang des Buches) habe ich als Leser wir durch einen Schleier erlebt. Dadurch, dass Elena wie taub wirkt und keine Emotionen zulässt, war die Geschichte die ganze Zeit über sehr bedrückend.

Für meinen Geschmack eine große Spur zu bedrückend, fast schon erdrückend, sodass ich froh war, als ich das Buch beendet hatte und mich neuen Büchern zuwenden konnte. Dadurch, dass Elena auch vor dem Ereignis ein sehr kühler Charakter ist, konnte ich mich mit ihr auch nur wenig anfreunden. Und leider hat mich das Buch auch letzendlich nicht mit der Situation versöhnen können, sondern hinterließ bei mir eine Beklemmung, nach der ich mich erst einmal erholen musste.

Vielleicht ist diese eine Geschichte, die zum perfekten Zeitpunkt gelesen werden will. Falls man diesen Zeitpunkt für sich selber finden kann, hat das Buch durchaus Potenzial und so oder so, hat es etwas in mir bewirkt. Wenn auch kein allzu positives Gefühl. Deshalb und weil das Buch wunderschön gestaltet und mit einem noch schöneren Schutzumschlag versehen ist, vergebe ich

3 von 5 Sternen.

Vielleicht ist irgendwann die richtige Zeit.

 

 Vgl. auch: Aktuelle Bestseller 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.