Hans Peter Schneeberger: „PDF in der Druckvorstufe. PDF-Dateien erstellen, korrigieren und ausgeben“

Rezension von Stefan Wichmann
pdf druckstufeDas Format PDF ist bekannt und leicht zu nutzen. Was bedarf es darüber eines Buches und was hat das Format PDF in der Druckvorstufe verloren?

Schon im Internet schaut das Buch dick aus. Wer es in natura sieht und vor allem in die Hand nimmt, wird sich fragen, was um Himmels willen über PDF zu schreiben ist, dass 910 Seiten dabei herauskommen! Die Hinweise auf dem Cover lassen erahnen, dass hier in die Tiefe gegangen wird, schließlich wird damit geworben, die Thematik um Prüfen, Korrigieren, Voransicht des Drucks (!) und Automatisierung zu beleuchten, von den Formaten zu PDF/X mal abgesehen. Interessant, schon allein da dies alles auf der Vorderseite des Cover steht. Da ist schon der Blick auf die Coverrückseite spannend!

Inhalt und Aufteilung des Buches

Bei der Seitenstärke des Buches nimmt allein schon das Inhaltsverzeichnis 19 Seiten ein. Eigentlich sind es drei Inhaltsverzeichnisse! Das Erste weist alle Textstellen in chronologischer Reihenfolge auf und ist durch fünf Zwischenüberschriften in Blöcke unterteilt, sodass der schnelle Zugriff auf Technologie, Konzepte, Bearbeitung und Automatisierung erfolgen kann. Direkt im Anschluss ist ein feiner granuliertes Verzeichnis abgedruckt, dass auch die jeweiligen Unterthemen aufführt. Dieses dient dem Leser, der einen Informationsblock sucht zur genaueren Orientierung.

Das dritte Inhaltsverzeichnis hängt etwas in der Luft und ist mangels fehlender Überschrift erst auf den zweiten Blick als solches erfassbar. Es zeigt die Sprungadressen der im Buch verfügbaren ‚Schritt für Schritt‘-Anleitungen auf. Wer allerdings schon sehr genau weiß, welche Information benötigt wird, schaut im Index, dass seinerseits 21 Seiten umfasst und im Anhang des Buches untergebracht ist.

Neben der Einleitung über die Daseinsberechtigung des Buches und die Ursprünge vom Format PDF werden schnell erste Fachbegriffe genutzt. So wird auf Seite 26 der Begriff ‚RIP‘ verwendet und erst auf Seite 37 unter der Überschrift ‚Der Interpreter‘ erklärt. Ebenso gestaltete sich die Suche nach einer Erklärung zum ‚Preflight‘ etwas schwierig. Erstmals auf Seite 32 erwähnt, wurde versucht im Index eine weitere Information zu finden, die sich dann nicht auf Seite 295, sondern auf Seite 602 fand. Sehr genau wird auf das Programm ‚Acrobat Pro‘ eingegangen. Dies führt bis hin zur Tastaturbelegung des Programms!

Das Kapitel über Technologien und Standards beschäftigt sich mit den Themen Datenkompression und beispielsweise den Unterschieden der Neuberechnung zwischen Adobe Photoshop und Acrobat Destiller. Erläuterungen zum Farbmanagement, inklusive der Ausführungen zu Papierklassen, Verwendung von Profilen und Farbeinstellungen verschiedener Anwendungsprogramme und Farbmanagement sind ebenso erläutert, wie die Grundlagen zu Postscript. Nach diesen grundlegenden Themen wird ab Seite 175 der Aufbau von PDF erläutert. Fonttechnologien, Schriften, Transparenzen in den wichtigsten Programmen wie Quarkexpress, InDesign und beispielsweise den Illustrator kommen zur Sprache, ehe der Standard für Datenaustausch mit PDF/X dargelegt wird. Warum erst anschließend eine Beleuchtung von Überfüllungstechniken und dem Job Definition Format erfolgt, erschließt sich nicht.

Nachdem auch der Datenaustausch beleuchtet wurde, beschäftigt sich Teil 3 mit Konzepten zum Einsatz von PDF, der Prüfung und Formen der PDF-Erzeugung. Auch das Prüfen von PDF Daten kommt im Kapitel 3 zur Sprache, während das vierte Kapitel auf das Bearbeiten und Korrigieren von PDF eingeht. Dokumentenvergleiche und PDF-Ausgabe schließen dieses Kapitel ab und münden im Kapitel fünf in die Automatisierung von Abläufen.

Die Schriftgröße ist ebenso wie das Schriftbild bequem lesbar, wobei Informationsboxen am Seitenrand nicht immer barrierefrei umgesetzt sind. Bilder, hauptsächlich in Form von Screenshots sind gut erkennbar.

Stil

Das Buch ist im leichten Lehrstil verfasst. Teils werden rhetorische Fragen gestellt, teils stören in Klammern gesetzte Nebensätze den Lesefluss. Dem Lerneffekt tut dies keinen Abbruch, es fällt nur auf. Stellenweise wird der Lesefluss auch durch kurz aufeinanderfolgende Hinweiszahlen unterbrochen, mit dem Sinn einen beigefügten Screenshot zu erläutern.

Umfang

PDF ist ein großes Thema und die Thematik ‚Druckvorstufe‘ auch. So verwundert es nicht nahe an 1000 Seiten zu gelangen, was die Schwere des Themas auch durch das Gewicht des Buches unterstreicht.

Qualität

Das schnelle Auffinden benötigter Information wird durch gut erkennbare Balken am Seitenrand sehr erleichtert. Leider wird der Lesefluss etwas gestört, aber dieses Buch ist nicht als Roman, sondern als Lehrbuch zu verstehen. Warum Exkurse grau unterlegt werden, erschloss sich nicht, aber die Schrift ist überall gut lesbar und selbst in Grafiken ohne Lupe erkennbar, und meine Augen sind nicht mehr die Frischesten.

Die Seiten sind griffig und gut umblätterbar. Selbst das notgedrungen schwere Buch liegt gut und stabil in der Hand. Die Opazität der Buchseiten ist ausreichend berücksichtigt, sodass die Schrift der Folgeseite nicht durchschimmert.

Zielgruppe

Das Buch richtet sich an alle Interessierten, die neben der reinen Lehre zu PDF etwas über Druck und gängige Anwendungsprogramme im PDF-Umfeld erfahren wollen.

Fazit

Wer lediglich PDF Daten für den Hausgebrauch benötigt, ist mit diesem Buch überfordert. Wird dieses Format jedoch im Druckbereich eingesetzt, und sei es ‚nur‘ für Broschüren, erhält einen Mehrwert, der alles abdeckt, was eventuelle Nacharbeiten an der PDF-Datei im Vorfeld mindert. Für Bereiche, die im Hochleistungsdruckbereich arbeiten, scheint mir dieses Werk unverzichtbar, auch wenn die Themenfolge des Buches auf den ersten Blick etwas undurchdacht sein mag.

Titel: PDF in der Druckvorstufe
Autor: Hans Peter Schneeberger
Verlag: Galileo (jetzt Rheinwerk-Verlag)
Auflage: 1. Aufl. (2014)
Sprache: Deutsch
Umfang: 910 Seiten
ISBN-13: 978-3-8362-1750-7

Autoreninformation

Stefan Wichmann liebt es Rezensionen zu Software, Hardware und halt zu Büchern zu schreiben und findet nur selten Zeit für seine Webseite unter Stefan-Wichmann.de. Er veröffentlichte unter anderem Fachbücher zu SAP und Belletristik zur Entspannung, wie beispielsweise den Schmunzelroman um die fiktive Gestalt ‚Rainer Unsinn‘ oder den Krimi ‚Uccellino‘.