Hüther, Gerald: „Etwas mehr Hirn, bitte.“

Rezension von Annemarie.

 

hüther hirnDer Neurobiologe Gerald Hüther bemängelt in seinem Buch „Etwas mehr Hirn, bitte“ die heutige Gesellschaft, in der jeder Mensch auf sich gestellt und allein ist.

Seine Meinung ist, dass der Mensch als Gemeinschaftswesen geboren ist. Er kritisiert, dass in der heutigen Welt jede Person im Wesentlichen nur noch für sich allein lebt und das Gemeinschaftsgefühl verloren gegangen ist. Weil dieses Gemeinschaftsgefühl im Allgemeinen in der heutigen Gesellschaft nicht mehr existiert, sind wir nicht so glücklich, wie wir sein könnten. Denn der Mensch wird, so Hüthers These, nur in seinem Innersten glücklich, wenn er mit seinem Denken und Handeln voll und ganz in der Gemeinschaft aufgehen kann. Diese These begründet er im Buch mit vielen Beispielen, darunter entwicklungsbiologischen, die die Bedeutung der Gemeinschaft für das Kind darstellen.

Hüthers Plädoyer ist eine Aufforderung hin zu einer Gesellschaft, in der das „Wir“ und nicht das „Ich“ existiert, in der alle Menschen, alte wie junge, normale wie andersartige gleichberechtigt miteinbezogen werden. Denn die Gesellschaft braucht all diese unterschiedlichen Menschen, all diese unterschiedlichen Typen, Charaktere und Auffassungen, um ihr Potential wirklich voll ausschöpfen und entfalten zu können.

Rezension

Der Autor steht aus tiefstem Herzen hinter seiner Meinung, dass die Gesellschaft mehr als Gesellschaft funktionieren sollte. Das Buch vermittelt eine Botschaft und ist als Appell an uns alle gerichtet. Aufgrund von wissenschaftlich fundiert dargelegten, ja, Tatsachen, deckt Hüther unsere Fehler, die wir im Umgang mit anderen machen auf.

Mit Hüthers Meinung, dass in der heutigen Gesellschaft einiges im Argen ist, dass jeder mehr oder weniger, insbesondere in der Großstadt, für sich lebt, stimme ich überein, und es besteht aus meiner Sicht auf diesem Gebiet auch erheblicher Nachholbedarf. Bisweilen kommt im Buch allerdings der Eindruck auf, allein dies sei die Grundlage aller unserer Probleme. Diverse psychische Krankheiten würden nicht bestehen, wenn wir mehr aufeinander achten würden. Diese Haltung finde ich nun doch etwas radikal. Auch muss man wissen, dass das Buch von einem Neurobiologen geschrieben ist. Da geht es schon sehr viel um Gehirn und Geist. Ansonsten ist das Buch gut geschrieben und regt zum Nachdenken über unser Leben, zum kritischen Überdenken unserer Beziehungen zu anderen an.

Besonders gefiel mir aber die menschliche Wärme, die aus seinen Zeilen herausstrahlte. Es kam mir der Eindruck auf, Hüther schrieb nicht für sich, sondern allein um dem Leser Erkenntnisse fürs Leben zu schenken. Allein diese Einstellung finde ich bewundernswert.
Mein Fazit: Interessant und unterhaltsam mit viel menschlicher Wärme geschrieben und dazu noch sehr lehrreich. Ich werde Hüther in Zukunft wohl öfter lesen…

 

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