John von Düffel „Houwelandt“

Zusammenfassung, Infos und Rezension.

John von Düffels „Houwelandt“ ist eine Familienroman. Houwelandt der Name der Familie. Im Mittelpunkt stehen vier bewegende Gestalten aus drei Generationen die sich wechelseitig auf mannigfaltige Weise anziehen und abstoßen. „Ich kenne den Mann nicht“, sagt Christian de Houwelandt, als er zum achtzigsten Geburtstag des Patriarchen eine Rede auf ihn zu verfassen.

Jorge ist ein Asket, ein stolzer, gegen sich uns seine Umgebung unerbittlicher Patriarch der alten Schule an der Seite seiner Frau Esther. Mit dieser lebt er in Spanien – dem „Rentnerparadies“, ohne sich dort freilich mit anderen deutschen Rentnern anfreunden zu können. Zu unterschiedlich sind die Lebensentwürfe, zu unterschiedlich die Grundhaltungen. Doch die Askese ist nicht nur Selbstzweck. Sie gibt dem Alten den Kampfesmut und die Würde im Kampf gegen einen ständigen Begleiter: Den Schmerz.

Die norddeutschen Liegenschaften werden derweil von Thomas verwaltet. Thomas, der „Erstgeborene“ ist der, der am väterlichen Starrsinn zu zerbrechen droht, der merkwürdig abhängig ist vom Wohlwollen seines Vaters. Mehr als die Generation nach ihm, die freilich nicht in der Kindheit unter dem Regime des Jorge zu leiden hatte. Dieser hat im Gegenteil den Großvater kaum je wirklich kennen gelernt und möchte allen familiären Unbotmäßigkeiten aus dem Weg gehen.

Das Finale kommt denn in Gestalt des runden Geburtstags, der auf das beharrliche Betreiben Esthers in Deutschland gefeiert werden und die Familie zusammenbringen soll.

Rezension:

John von Düffels Houwelandt ist einer der gelungensten deutschsprachigen Familienromane der vergangenen Dekade. Nüchtern, bislang lakonisch und immer mit psychologischem Blick erkennt von Düffel die Handlungen der Protagonisten und der unsichtbaren Fäden im Hintergrund. Was dem einzelnen Clanmitglied wie eine individuelle Entscheidung, wie ein individuelles Gefühl erscheint, sieht in des Autoren Vogelperspektive unausweichlich, fast schicksalhaft aus. Wir alle sind das Produkt unserer familiären Umgebung – das ist eine der Botschaften des Werks.

Infos:

  • In der Ausgabe der Büchergilde Gutenberg: ca. 310 Seiten.
  • Elke Heidenreich meint: „… klug erzähltes, unterhaltsam geschriebenes Familienbuch.“
  • John von Düffel wohnt und arbeitet in Potsdam.
  • 2008 war von Düffel Inhaber der Poetikprofessur an der Universität Bamberg.
  • Für das Musical „Der Schuh des Manitu“ (nach dem gleichnamigen Film von Michael „Bully“ Herbig), das 2008 im Berliner Theater des Westens erstmals zu sehen war, verfasste von Düffel den Bühnentext.

Unsere Bewertung:

Historischer Wert: 3

Spannung: 5

Lesefreundlichkeit: 5

Ratgeber: 3

Muss-man-gelesen-haben: 4

(1= Kaum zutreffend / 5 = Besonders zutreffend)

 

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