Laini Taylor – „Der verbotene Kuss“

Rezension von Lisa
Ein verbotener Kuss, drei Heldinnen, drei fantastische Welten: Außenseiterin Kizzy wird von einem faszinierenden Fremden umworben, der es auf ihre Seele abgesehen hat – und dazu nur einen Kuss benötigt. Anamique dagegen wird mit einem Fluch belegt, für immer stumm zu sein – oder durch einen Kuss ihre Stimme wiederzuerlangen und damit alle Menschen in tödliche Gefahr zu bringen.

Und mit vierzehn entdeckt Esmé, dass sie mit einer unsterblichen Welt verknüpft ist. Nur ein Kuss bringt den Schlüssel zu ihrem Dasein…

Auf den ersten Blick

Die deutsche Aufmachung des Buches enttäuscht mich. Der verbotene Kuss ist ein ungewöhnliches Buch und hat so ein gewöhnliches Cover nicht verdient. Und genau genommen ist der Titel ziemlich falsch. Der Kuss nimmt zwar in allen drei Erzählungen eine wichtige Rolle ein, jedoch ist er nur in der ersten Geschichte „verboten“. Es ist ziemlich nervtötend, dass sich die Verlage anscheinend immer anschauen mit welchem Cover sich Bestseller verkaufen, und das dann plump imitieren möchten.

Ein Highlight sind dagegen die großflächigen Illustrationen im Innenteil, die in düsteren Schwarz-Weiß-Rot Tönen gehalten sind und das Buch um einige wertvolle Eindrücke bereichern. Hier muss ich ein großes Lob aussprechen! Die Zeichnungen sind qualitativ hochwertig und sehen wirklich grandios aus. Wäre der 08/15 Umschlag nicht, wäre dies mit Abstand eines der schönsten Bücher in meinem Regal.

Rezension: Faszinierend und „anders“, doch der Funke ist nicht übergesprungen

Ich mag eigentlich keine Kurzgeschichten, weil sie eben – wie der Name schon sagt – kurz sind. Meistens braucht man 50 bis 100 Seiten, bis man sich an Handlung und Charaktere gewöhnt hat und voll in die Geschichte eintauchen kann. Diese Zeit hat man bei Kurzgeschichten nicht, was ich sehr schade finde und was mich letztendlich vor solchen Formaten zurückschrecken lässt.

Da Daughter of Smoke & Bone von Laini Taylor eines meiner Monat-Highlights war, bin ich um die Geschichtensammlung Der verbotene Kuss allerdings nicht herumgekommen. In den USA wurde das Buch von Kritikern ja in den Himmel gelobt, außerdem sahen die Illustrationen hinreißend aus – voila: Ein Bestseller war geboren. „Wird schon nichts schief gehen“, dachte ich. Tja, offenbar dachte ich falsch. Es gab einige Elemente an Der verbotene Kuss, die mir äußerst gut gut gefielen, dennoch habe ich nie einen „Draht“ zu den Erzählungen bekommen. Es blieb alles fremd und unvertraut. 

Nun gut, ich möchte euch jetzt nicht zulabern und komme daher gleich zu den einzelnen Kurzgeschichten: Die erste Geschichte Koboldsfrüchte hat mir leider gar nicht zugesagt. Die Charaktere waren langweilig, die Handlung irgendwie auch und bis auf das offene Ende war alles recht vorhersehbar. Magere 2 Sterne. Die Würze bezaubernder Flüche ist die zweite Geschichte des Buches und spielt in Indien (genauer gesagt: zu Zeiten des ersten Weltkriegs) Von allen dreien ist diese Geschichte wohl die Märchenhafteste. Die Figuren sind eher oberflächlich gehalten. (eben so wie man es aus alten Sagen und Erzählungen kennt). Ein schönes Extra waren die Elemente der indischen Mythologie. Alles in allem mittelmäßige 3,3 Sterne. Für mich kein Bestseller.

Die letzte und längste Geschichte Dämonenbrut schlägt dunklere Töne an und war damit schon eher nach meinem Geschmack. Laini Taylor arbeitet hier viel mit Rückblenden, ähnlich wie im letzten Drittel von Daughter of Smoke & Bone. So etwas ist Geschmackssache und wird unter Umständen manchen Leser vor den Kopf stoßen. Mir selbst gefiel es gut 😉 Die Autorin zeigt hier ihre Stärke, indem sie wieder eine faszinierende düstere, magische Welt samt ebenso faszinierenden Bewohner entwirft. – Klasse! In diesen 200 Seiten steckt schon mehr Kreativität und Ideenreichtum als in den letzten 10 von mir gelesenen Büchern. Gute 3,7 Sterne.

Laini Taylors Schreibstil sagt bestimmt nicht jedem Leser zu, ich persönlich mag ihn dagegen sehr. Er ist abwechslungsreich, ausdrucksstark, bildhaft, eindrücklich, poetisch – wirklich alles, was man sich nur wünschen kann. Dennoch kann man nicht leugnen, dass die Sprache durch die deutsche Übersetzung viel von ihrem Zauber verloren hat. Die Formulierungen wirken lange nicht so elegant wie beim Original und lesen sich teilweise sogar etwas holprig.

Fazit

Obwohl der Schreibstil und die originelle Mythologie beeindruckend sind, ist der begeisternde Funke nicht überspringen. Schade! Vielleicht lag es auch daran, dass ich grundsätzlich keine Kurzgeschichten mag. Ein Versuch war es zumindest wert.

Denjenigen, die ein Buch der Autorin lesen wollen, würde ich deswegen eher zum bereits erwähnten Daughter of Smoke & Bone raten.

Lisas Gesamtwertung: 3,5 von  5 Sternen!

(Lisas Bewertungssystem: (1 = Zeitverschwendung, 2 = Nicht mein Fall, 3 = Okay, 4 = Überdurchschnittlich Gut, 5 = Lieblingsbuch)


Redaktion von Beste Bücher

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