Lisa Jewell: „Der Flügelschlag des Glücks“

Rezension von Mona

„Ein winziger Sonnenstrahl der Normalität, der auf diese unglückselige Familie scheint.“ (S. 379)

flügelschlag buch„Der Flügelschlag des Glücks“ ist ein Drama rund um die Familie Bird, deren Leben ein tragisches Ereignis beschattet und gefangen hält. Das Buch erschien im Juni 2015 im Limes Verlag und ist in einer wunderschönen Klappbroschur gestaltet. Die Autorin wird als sogenannte „Frauenbuchautorin“ bezeichnet und soll somit sommerlich leichte Lektüre schreiben, deren Zielgruppe hauptsächlich Frauen sind. Dem kann ich mich in diesem Fall allerdings nicht anschließen.

Wenn man die Familienmitglieder der Birds betrachtet, fällt einem sofort auf, wie verkorkst jedes einzelne Mitglied ist. Als sich dann noch der Bird-Zwilling Rhys suizidiert,  hat das Auswirkungen auf die gesamte Bird Scharr. Mutter Lorelei verliert sich in ihrem Messie-Syndrom mit der Begründung, sie müsse ihre Erinnerungen materialisieren, während die älteste Tochter Megan sich in einem völlig anderen Extrem bewegt. Sie duldet in ihrem eigenen Haus weder Staub noch Unordnung und predigt Minimalismus. Rory, der Zwillingsbruder des toten Rhys, verschwindet in eine spanische Kommune und verliert den Bezug zu seinem Leben immer mehr. Und auch die zweite Tochter Beth schafft es nicht sich physisch und emotional von ihrem Kindheitshaus zu trennen, ist alleine kaum lebensfähig.

Die komplette Handlung bewegt sich in diesem Rahmen und die Charaktere geraten irgendwann komplett aus den Fugen.

„Dieses Haus saugt mich auf, zieht mich in einen Strudel, aus ich mich nicht mehr befreien kann.“ – Lorelei Bird (S. 370)

Bis zur Hälfte hatte ich immer die Hoffnung, dass die Geschichte sich in eine Richtung entwickeln würde, die den Titel sowie das sommerlich schöne Cover rechtfertigt. Leider konnte ich weder etwas von dem versprochenen Glück, noch von herzerwärmenden Szenerien spüren. Im Gegenteil, die Geschichte spitzte sich permanent zu und dramatisierte das Geschehen mehr und mehr. Das soll nicht heißen, dass die Geschichte schlecht ist, nur hat es in mir eine völlig verkehrte Erwartungshaltung geweckt. Als Psychogramm einer kaputten Familie wäre sie geeignet.

Als sommerlich leichte Lektüre fällt sie meiner Meinung nach durch.

Was mir außerdem nicht gefallen hat (was aber, wie ich mir habe sagen lassen, in „Frauenromanen“ normal ist), war die Tatsache, dass sehr oft statt auf Beschreibungen auf Markennamen zurückgegriffen wurde (z. B. in gefühlt jedem zweiten Kapitel „Ray Ban Sonnenbrille“). Allgemein gesprochen hat mich das Buch jedoch auf einigen Ebenen unterhalten können. Vor allem die Hauptthematik, Loreleis Messie-Syndrom, fand ich überaus spannend und interessant. Leider waren ihre Beweggründe nicht immer absolut transparent, aber ihre sehr kindlichen Charakterzüge und dem „Talent“ der permanenten Verdrängung, ließen ein sehr verkorkstes Bild von ihr entstehen.

Fazit

Die Adjektive „brillant“, „spannend“ und „einfach atemberaubend“, die das Cover zieren, treffen meiner Meinung nach nur wenig zu.

Passender fände ich „interessant“ und „sehr bedrückend“, wenn man das Buch mit dieser Erwartungshaltung liest, bekommt man eine durchschnittlich gute Geschichte.

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