Maurizio Temporin – „Ascheträume“

Rezension von Lisa

Thara ist ein 17-jähriges Mädchen, das ihre violetten Augen hasst. Sie möchte nichts lieber als ein ganz normales Leben führen. Alles ändert sich jedoch, als sie an einer Schwertlilie riecht und der Duft sie an einen düsteren Ort entführt: Eine Welt aus Asche, in der alles, was in der Realität verbrannte, wieder aufersteht. In dieser lebensfeindlichen Welt lernt sie Nate kennen, der dort gefangen gehalten wird.

Thara verliebt sich in Nate, auch wenn jede Berührung für sie bedeutet, dass sie zu Asche zerfällt. Beim Versuch, ihn zu befreien, öffnet Thara unwissentlich einem Wesen ein Tor, das nur darauf gewartet hat, ihre Welt in Schutt und Asche zu legen …

Auf den ersten Blick

Der Titel Ascheträume ist an das italienische Original Fiori di Cenere – zu deutsch in etwa: Blumen der Asche angelehnt und klingt wirklich wunderschön.

Das Buch ist toll im Regal anzusehen und punktet durch eine stilvollen Gestaltung. Ich hätte mir lediglich ein anderes Motiv gewünscht, denn dieses Mädchengesicht wurde schon auf vielen anderen Buchcover abgebildet. Wahrscheinlich dachte sich die Bildredaktion: Wenn andere damit einen Bestseller landen, dann ja vielleicht auch wir!?

1. Hälfte = nett; 2. Hälfte = naja

Bei Ascheträume handelt es sich um den Debütroman des jungen Italieners Maurizio Temporin. Das Buch bietet einige gute Ansätze, vermochte mich aber nicht zu überzeugen. Thara entspricht dem klassischen Bild der „stillen Außenseiterin mit einer mysteriösen Vergangenheit“, dennoch hat sie auch Merkmale, die sie von anderen Heldinnen unterscheidet. Beispielsweise leidet sie an Narkolepsie und schläft tagsüber oft urplötzlich ein. Im alltäglichen Leben manövriert diese Schlafkrankheit Thara des Öfteren in eine peinliche Situation. Demnach fällt es dem Mädchen natürlich auch nicht immer leicht, neue soziale Kontakte zu knüpfen.

Mit den anderen Figuren bin ich wiederum nicht wirklich warmgeworden, da sie zu blass und unausgearbeitet erschienen. Bei der Beziehung zwischen Thara und Nate fehlte ebenfalls der Funke, zudem beschleicht mich die dunkle Vorahnung, dass es in den nächsten zwei Bänden noch eine Dreiecksbeziehungen geben wird… Positiv hervorzuheben ist hingegen der Weltentwurf. Wenn Thara der Duft einer violetten Iris in die Nase steigt, wird sie in eine Art Traumwelt transportiert. Maurizio Temporin hat die trostlose Atmosphäre der Aschewelt (in welcher – wie der Name schon verrät – alles aus Asche ist) sehr gut eingefangen und einen interessanten neuen Mythos kreiert.

Leider gab es in dem Buch eine Wendung bzw. Enthüllung, die mir weniger gut gefiel und mir ein lautes „Oh nein, bitte nicht!“ entlockt hat. Die Aschewelt ist etwas Neuartiges und deswegen war ich auch schon richtig darauf gespannt, was es damit (und natürlich auch mit Thara und ihrem Vater) auf sich hat. Die Auflösung war allerdings recht enttäuschend. Statt einer neuen Wesensart bekommt der Leser nur wieder eine altbekannte paranormale Spezies vorgesetzt. – Schade!

Die Handlung nimmt nach diesem Zeitpunkt mehr an Fahrt auf, zeitgleich wird sie aber auch deutlich eintöniger, da die Begegnungen mit dem Bösewicht alle nach dem gleichen Schema ablaufen. Von einem Buch mit dem Potenzial zum Bestseller würde man da mehr erwarten. Der Feind taucht aus heiterem Himmel auf und stellt sich unseren Helden in den Weg, dennoch gelingt Thara und ihren Freunden trotz ihrer Unterlegenheit die Flucht. Keine 30 Seiten finden sie sich erneut in einer ähnlichen Lage vor…. Zum Schluss noch eine kleine Anmerkung: Gab es irgendjemand, der Tharas Reaktion in den letzten Kapiteln etwas unglaubwürdig fand?

Spoiler: Den nächsten Absatz bitte überspringen, wenn Du das Buch noch nicht gelesen hast!

Am Ende gerät Nate ja durch Ludkars Körper wieder zurück in die richtige Welt. Thara verhält sich in dieser Situation nicht so, wie man es vermutlich erwarten würde… Ganz ohne Frage liebt sie Nate, aber dieser steckt im Körper eines Mörders fest, den Thara hasst und zutiefst verachtet. Deshalb erschien es mir persönlich sehr unglaubwürdig, dass sie Nate ohne weiteres Nachdenken einfach in die Arme fällt und ihn küsst.

Fazit

Ascheträume ist ein nettes Debüt mit einer interessanten Grundidee und einem kurzweiligen Schreibstil, dass leider bei der Ausarbeitung und der Charakterisierung schwächelt. Ob ich die Fortsetzung Totenträume lesen werde, bleibt noch offen.

Lisas Bewertung: 3,0 von  5 Sternen!

(Lisas Bewertungssystem: (1 = Zeitverschwendung, 2 = Nicht mein Fall, 3 = Okay, 4 = Überdurchschnittlich Gut, 5 = Lieblingsbuch)


Redaktion von Beste Bücher

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