Moira Young – „Rebel Heart“

Rezension von Lisa

Saba hat ihren entführten Bruder gerettet und den Fanatiker Tonton besiegt. Aber der Preis, den sie dafür bezahlen muss, ist schrecklich: Jack ist verschwunden und man kann ihm nicht mehr vertrauen. Ein neuer, starker Feind erhebt sich währenddessen in den Dust Lands.

Niemand ist mehr sicher. Und Saba muss sich selbst jenes schreckliche Geheimnis bewußt machen, dass sie ganz, ganz tief in sich Vergraben trug.

Aufmachung

Arg, was denken sich die Verlage bloß immer? Nicht nur unterscheidet sich das Buch vom Design her komplett von Band 1, es besitzt auch ein völlig anderes Buchformat, was im Regal einfach be… scheiden aussieht. Zusätzlich ist das Cover mit Werbesprüchen zugemüllt. Die reißerischen Slogans à la „ Better than the Hunger Games“ oder „Will satisfy the cravings of Hunger Games fans…“ von der MTV Redaktion müssen echt nicht sein! Der gelbe Farbton sieht auf dem Bildschirm noch nett aus, nuanciert in Wirklichkeit aber irgendwo zwischen Butterblumen- und Pipigelb.
Insgesamt sind die neuen Motive (im Vergleich zu dem kontrasthaltigen, außergewöhnlichen Cover mit der Rabensilhouette) Standard-Ware. Und der Witz an der Sache ist, dass Jack in gerade mal vier bis fünf (!) Szenen im Roman auftaucht und ansonsten durch Abwesenheit glänzt.

Meine Meinung

Vorwort
Der erste Band der »Dustlands« Trilogie revolutionierte weder das Genre, noch hatte er eine tiefergründigere Botschaft wie beispielsweise die »Hunger Games«. »Blood Red Road« ist schlicht und ergreifend die Geschichte eines Mädchens, das in die Welt hinauszieht und dabei jede Menge Abenteuer erlebt und Gefahren trotzt. Nicht mehr und nicht weniger.

Manche werden zu der ruppigen Protagonistin keinen Draht fassen können oder sich von der Sprache abgestoßen fühlen. Meinen Geschmack hat Moira Youngs Bestseller-Debüt hingen zielsicher getroffen – oder besser gesagt: das Buch hat mich UMGEHAUEN! Sehr zum Leidwesen meiner Mitmenschen könnte ich stunden- und tagelang von der Geschichte schwärmen – da dies hier aber eine halbwegs ernstzunehmende Beurteilung werden soll, wird die Lobeshymne auf ein Mindestmaß beschränkt. 5 Gründe, um »Blood Red Road« zu lieben – die Kurzfassung:
1. Eine actiongeladene Geschichte mit Käfigkämpfen, Riesenwürmern, Rebellinnen und, und, und…
2. Eine verdammt toughe Kick-Ass Heldin
3. Eine Liebesbeziehung, die nachvollziehbar ist und bei der beide Partner gleichgestellt sind
4. Dreidimensionale, sympathische Nebencharaktere
5. Amüsante und unterhaltsame Dialoge
Bonus: Nero – das wohl coolste Haustier überhaupt

So, Ende. Nun zum eigentlichen Gegenstand dieses Postes, der Fortsetzung »Rebel Heart«. Die Frage aller Fragen bei Fortsetzungen: Kann der Roman an den Vorgänger anknüpfen und wird den hohen Erwartungen gerecht? Für mich lautet die Antwort Jein. Warum? Nun, lest selbst:

Phase 1 – Zweifel 

Ebenso wie beim ersten Band startet die Geschichte ruhig und verhalten. Saba wird nach dem Tod ihrer Gefährten in Band 1 von schlimmsten Alpträumen und Visionen geplagt. Sie siecht vor sich hin, erlebt hier und da einen Ausraster, ist also kurzum nicht mehr sie selbst. Mit der starken Protagonistin aus »Blood Red Road« hat diese gescheiterte Existenz leider fast nichts mehr zu tun. Es ist klar, was Moira Young damit bezwecken will, die Labilität der Heldin macht es dem Leser aber nicht gerade leicht.

Ich habe mir schon echt Sorgen gemacht! Aber dann erfolgt nach ca. 150 Seiten dann endlich die Wende: Saba rappelt sich wieder auf und wird aktiv. Hier erfolgt die Überleitung zu…


Phase 2 – Abenteuer 

Action, Action, Action! Genau darauf habe ich gewartet. Haltet euch fest, denn die Geschichte hat wieder jede Menge Tricks auf Lager, um den Adrenalinpegel nach oben zu schießen: Schädel-Jäger, zweieinhalb Meter hohe Reitvögel, Straßenüberfälle, Tavernen, Grenzpatrouillen, Einschleusung beim Feind, Sand und Staub – »Rebel Heart« ist Kopfkino vom Feinsten! Wie schon der Vorgänger entfernt sich das Buch über große Strecken von seinen Endzeit-Wurzeln und mutet stellenweise mehr wie ein Abenteuer-Fantasy-Western an. (Okay… das Genre gibt es nicht, aber egal) Zu behaupten, dass der Mittelteil spaßig ist, wäre noch untertrieben. Doch alles Gute hat ein Ende…

Phase 3 – Dummheit (oder auch: Saba, was machst du?!?) 

Kurz bevor »Rebel Heart« auf die Zielgerade einbiegt, erleidet Saba leider einen Aus- bzw. Rückfall. In dem gesamten Buch fällt sie nicht gerade durch Weisheit und gesunden Menschenverstand auf, aber hier häufen sich die Fehlentscheidungen.

Achtung Spoiler. Überspringe den nächsten Absatz, wenn noch nicht gelesen:

Ernsthaft: Mit dem Feind, den man in seinem Leben ungefähr vier Mal getroffen hat, in die Kiste hüpfen? Ganz ganz ganz dumme Idee! 🙁 Ein bisschen mehr Beherrschung und Argwohn hätte ich Saba schon zugetraut.

Im letzten Drittel könnte man meinen, dass die Protagonistin noch nie etwas von der Regel „Erst denken, dann reden/handeln“ gehört hat. Saba handelt impulsiv, bereut hinterher ihre Taten und jammert dem Leser den Kopf voll. Menschenskinder!

Eine Frage des Charakteres

Bisher vermittelt die Rezension den Eindruck, als ob ich den Bestseller nicht gemocht hätte. Dem ist nicht so. Moira Young vermag es nach wie vor, den Leser zu fesseln und ihn in eine andere Welt zu ziehen. Ich mag den Großteil der Charaktere nach wie vor. Saba ist eine schwierige Heldin, doch entschädigen ihr Mut, ihr erwachter Beschützerinstinkt und ihr eiserner Wille einige ihrer Schwächen. Mein Eindruck von ihr schwankte in »Rebel Heart« allerdings ständig hin und her. In der einen Sekunde würde man Saba am liebsten eine schallende Ohrfeige verpassen, in der nächsten jubelt man ihr aufgrund einer besonders tollkühnen Aktion schon wieder zu. 😉

Wie jeder Mensch wird Saba von ihren Gefühlen und Emotionen geleitet und begeht im Laufe der zwei Bände jede Menge Dummheiten; gerade dieses Verhalten macht sie jedoch menschlich. Nett & lieb kann jeder – einen ungehobelten und anstrengenden Charakter zu porträtierten, darin liegt die wahre Kunst! Dennoch handelt es sich bei ihr um eine Figur, die nicht jedem „liegen“ wird. Selbst ich als Saba-Fan muss bekennen, dass sie in diesem Bestseller-Werk viele Sympathiepunkte verspielt und es sich mit einigen Lesern dauerhaft verscherzen wird… (das nur als Warnung)

Zum Glück gibt es da noch die ausgezeichnet porträtierten Nebencharaktere! Aus Teil 1 bekannte Figuren wie Tommo, Maev, Emmi und Lugh werden genauer beleuchtet, zudem darf sich der Leser über ein neues Ensemble an Charakteren – darunter eine verschrobener Händler, eine Barbesitzerin und eine Schamanin – freuen.

Die wahren Helden des Werkes sind jedoch Sabas Krähe Nero, sowie der frisch in der Partie aufgenommene Wolfshund Tracker und das störrische Kamel Moses. Es geht doch nicht über ein paar tierische Darsteller. Einen Kritikpunkt bezüglich der Figuren habe ich allerdings: Wo zur Hölle war Jack? Jedenfalls taucht er bis auf das Anfangskapitel und einige Schlussszenen überhaupt nirgends in dem Buch auf. Seine Abwesenheit ist letztendlich auch ein Grund für den Punkteabzug. Man kann nicht einfach einen der wichtigsten Charaktere aus dem Folgeband streichen! Jack gehört zu Saba und »Dustlands« wie die Butter aufs Brot (oder wie Evermore in die Müllpresse – schlechter Witz, ich weiß) Die beiden sind unumstritten eines meiner liebsten Buchpärchen und deswegen hätte ich mir mehr Interaktionen gewünscht. Das rasch abgehandelte und leicht kitschige Ende war insofern nicht wirklich befriedigend. -_-

Fazit

»Rebel Heart« ist eine spannungsgeladene, mitreißende Fortsetzung, die dem phänomenalen Vorgänger aber leider nicht das Wasser reichen kann. Die persönlichen Fehlentscheidungen der Protagonistin könnten die Nerven von ungeduldigen Lesern gehörig strapazieren, des Weiteren gilt es Jacks Verschwinden und den schleppende Anfang in die Wertung miteinzubeziehen.
Alles in allem ein recht gelungener Teil, der meinen hohen Erwartungen nicht gerecht wurde. Hoffen wir, dass sich Saba im letzten Band der Trilogie wieder auf ihre alten „Werte“ besinnt und statt herumzugreinen lieber ein paar Leuten kräftig in den Arsch tritt!

Lisas Bewertung: 4,1 von  5 Sternen!

(Lisas Bewertungssystem: (1 = Zeitverschwendung, 2 = Nicht mein Fall, 3 = Okay, 4 = Überdurchschnittlich Gut, 5 = Lieblingsbuch)

Autorin

Moira Young war schon Schauspielerin, Tänzerin, Opernsängerin aber eigentlich gehört ihre Leidenschaft den Büchern und dem Schreiben. Sie lebt mit Ihrem Ehemann in Großbritannien.

Infos

Reihe: Dustlands #2
Genre: Endzeit, Abenteuer
Zielgruppe: Jugendliche
Verlag: Scholastic
Format: Taschenbuch, 393 Seiten

 

Redaktion von Beste Bücher

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