S. B. Hayes – „Die Besessene“

Rezension von Lisa

»Ich bin all das, was du nicht bist, und werde Besitz von deinem Leben ergreifen.«

Inhalt

Wer ist die geheimnisvolle Genevieve, die wie aus dem Nichts in Katys Leben tritt und alles an sich reißen will, was Katy etwas bedeutet? Die sich kleidet wie Katy, deren beste Freundinnen umgarnt und selbst vor Katys Freund Merlin nicht haltmacht? Schnell ist klar: Genevieve scheint besessen von dem Gedanken, Katys Leben zu zerstören.

Doch während Genevieve offenbar bestens über Katy Bescheid weiß, hat diese nicht die leiseste Ahnung, mit wem sie es zu tun hat. Sie beginnt nachzuforschen und stößt auf eine Wahrheit, die ihr Leben schlagartig verändert.

 Aufmachung

Das Motiv „Mädchen im Kleid“ ist per se nicht originell, zumindest entsprechen das Model und die Atmosphäre aber der Vorstellung die man im Laufe des Buches von Genevieve Gewinnt: elegant, unheilvoll, lauernd, bösartig, ja schon fast dämonisch. Mine und Haltung des Mädchens sind ebenfalls sehr treffend gewählt. Die oft im Buch erwähnten leuchtend grünen Katzenaugen runden die Gesamterscheinung ab. 😉

Rezension

Ich bin dein schlimmster Albtraum. 

»Die Besessene« hat etwas geschafft, woran viele Neuerscheinungen mittlerweile scheitern: es unterscheidet sich vom gängigen Genre-Einerlei! Statt einer „Sie trifft aus geheimnisvollen, gefährlichen, gutaussehenden Ihn“ Geschichte haben wir hier eine „Sie trifft auf eine geheimnisvolle, psychopathische Doppelgängerin, die ihr das Leben zur Hölle machen will“ Geschichte.

Katy ist ein ganz gewöhnliches Mädchen, bis eines Tages eine neue Mitschülerin ihre Klasse besucht. Genevieve Paradis sieht aus wie Katy, kleidet sich wie sie und besitzt dieselben Interessen und Talente. Es dauert nicht lange, bis Genevieve Katys Schulprojekte sabotiert, ihre besten Freundinnen umgarnt und ihren Freund um den kleinen Finger wickelt. Katy ist verzweifelt. Die Fremde verdrängt sie aus ihrem alten Leben und nimmt immer mehr ihren Platz ein. Doch was bezweckt Genevieve mit ihrem Handeln?

Schon vorbei? 

Das Buch fühlt sich sehr viel kürzer an als seine 400 Seiten, was nicht zuletzt am kurzweiligen Stil der Autorin liegt. Man ist sehr schnell im Geschehen und fiebert mit und dass obwohl große Teile des Plots nur von alltäglichen Teenagersorgen handeln. (Anmerkung: In der Dreiecksbeziehung wird glücklicherweise auf übermäßiges Drama verzichtet. 😉 ) Die Bedrohung durch Genevieve ist allgegenwärtig und treibt den Leser zum weiterschmökern an.

Bei den Charakteren handelt es sich mehr oder weniger um Standardware, was aber nicht weiter schlimm ist, da der Fokus sowieso auf dem Mystery-Aspekt liegt. Ich habe den Roman an einem Nachtmittag ausgelesen und wurde bestens unterhalten. Wäre da nicht ein großer…

Knackpunkt 

»Die Besessene« ist an sich ein recht gelungenes Buch, wenn da das Ende nicht wäre. Man kann durchaus darüber hinwegsehen, dass die Auflösung von Genevieves Geheimnis bereits nach der Hälfte des Romans erahnbar ist – die losen Handlungsfäden und offenen Fragen stören allerdings. Auch vor Logiklücken ist das Werk nicht gefeit.

So ist der abrupte Sinneswandel einer bestimmten Person kurz gegen Ende wenig überzeugend, da er nicht ausreichend begründet wird. Die Entscheidung der Mutter in der Vergangenheit erscheint ebenfalls zu konstruiert und zu wenig begründet, um die gesamte Geschichte daran aufzuhängen.

Aufgrund der vielen kleinen Unregelmäßigkeiten konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es sich bei dem Buch lediglich um einen Entwurf handelt. Ein vielversprechender Entwurf zwar, aber eben nur ein Entwurf, der die grobe Richtung vorgibt. Hätte die Autorin noch mehr an der Handlung gefeilt, wäre ihr Debüt noch überzeugender ausgefallen.

Magie oder keine Magie – das ist hier die Frage 

Am Anfang entsteht durch Genevieves übermächtige Präsenz und Katys Aberglaube schnell der Eindruck, dass es sich um ein merkwürdiges Phänomen handeln könnte. Die Nachforschungen in einem angelegenen Dorf und das Misstrauen der Bewohner bestätigen diese Vermutung. Circa in der Mitte des Buches wird das Thema dann urplötzlich fallen gelassen. -_- Wenn man sich in der ersten Hälfte Mühe mit der Entstehung eines Mythos gibt und diesen in der zweiten Hälfte mit keinem Wort mehr erwähnt, war die ganze Aktion von vorneherein sinnlos. Frustrierend, denn aus der Idee hätte man so viel mehr machen können!

Bis zum Schluss habe ich vergeblich auf eine kurze Stellungnahme zur Existenz des Übernatürlichen gehofft. Für Genevieves ständige Überlegenheit, das Verschwinden der alten Frau und Katys Träume von dem Haus (welches sie niemals besucht hat, aber tatsächlich existiert) gibt es beispielsweise keine logische Begründung. Man wird mit all den unvollständigen Handlungsfäden hängen gelassen, ganz getreu dem Motto „So, der Leser soll sich jetzt selbst seinen Teil dazu denken.“ Dieser Gedanke kann durchaus reizvoll sein, wenn denn eine entsprechende Vorlage gegeben wird. Ansonsten kann ein offenes Ende schnell nachlässig und undurchdacht wirken. (Stichwort: Entwurf).

Fazit

»Die Besessene« bringt viele gute Tugenden mit: jede Menge Spannung und Mystery und nicht zuletzt ein Konzept abseits des Mainstreams.
Das schwache Ende versetzt der Lesefreude leider einen abrupten Dämpfer. Fadenscheinige Erklärungen und offene Handlungsstränge stufen die gute Bewertung von 3,5 Sternen auf passable 3 Sterne herab.

Lisas Bewertung: 3,0 von 5 Sternen!

(Lisas Bewertungssystem: (1 = Zeitverschwendung, 2 = Nicht mein Fall, 3 = Okay, 4 = Überdurchschnittlich Gut, 5 = Lieblingsbuch)

Infos

Originaltitel: Poison Heart
Reihe: –
Genre: Fantasy
Zielgruppe: Jugendliche
Verlag: dtv
Format: Hardcover , 420 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.09.12
Preis: 14,95€

ISBN: 3423760613

Redaktion von Beste Bücher

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