Sarah Grant – „Neva“

Rezension von Lisa

Inhalt und Rezension

Zur Zeit wird der Büchermarkt geradezu von dystopischen Romanen überflutet; die Die Tribute von Panem von Suzanne Collins machten den ersten Schritt, es folgten Die Auswahl von Ally Condie, Die Stadt der verlorenen Kinder von Caragh O’Brien usw.  

Man kann nicht abstreiten, das all diese Bücher gewisse Parallelen haben: eine Regierung hat ein grausames und totalitäres System errichtet, bei dem die Bevölkerung unterdrückt und bespitzelt wird. Die Protagonistin ist eine gesetzestreue Bürgerin, bis sie durch mehrere ungewöhnliche Ereignisse (z.B. das Verschwinden einer geliebten Person) misstrauisch wird und sich schließlich gegen die Regierung auflehnt. Zumeist muss sie sich im Verlauf der Geschichte auch noch zwischen zwei Jungen (Freund aus Kindertagen vs. Der geheimnisvolle Fremde ;)) entscheiden. Und ja, das Debüt der in England ansässigen Autorin Sara Grant beinhaltet ebenfalls diese Themen.

Der Roman schildert das Leben der 16-jährigen Neva, deren Heimat von einer undurchdringbaren Energiekuppel umschlossen wird. Laut Regierung ist die sogenannte Protekosphäre nur zum Schutz der Bevölkerung erbaut worden, doch immer mehr Bürger durchschauen die Propaganda und erkennen die Kuppel als das, was es wirklich ist: ein Käfig, der die Bewohner an der Flucht vor dem Regime hindern soll. Zudem haben sich die Zustände in Heimatland über die Jahre hinweg immer weiter verschlechtert: die Rohstoffe werden knapp, Leute verschwinden spurlos und durch die lange Isolation unterscheiden sich die Menschen äußerlich kaum noch voneinander. Um sich von den Anderen abzuheben beginnen viele Jugendliche, sich Kenn-Zeichen (z.B. Tätowierungen) zuzulegen. Neva und ihren Freunden reicht diese stumme Protestbekundung allerdings nicht mehr und gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach Antworten. Dabei geschieht das Unfassbare: Neva verliebt sich in den mysteriösen Braydon, den Freund ihrer besten Freundin Sanna…

Eine Dystopie mit bekannten Variablen

Im Gegensatz zu vielen anderen Dystopie-Romanen verzichtet die Autorin auf eine lange Einleitung und wirft den Leser gleich mitten ins Geschehen. Neva ist von Buchanfang an eine Gegnerin des Regimes und bekundet ihre Meinung durch Protestaktionen; sie beobachtet nicht, sondern nimmt aktiv am Geschehen teil, was sich sehr wohltuend auf den Verlauf der Geschichte auswirkt. Ein Kompliment muss ich Sara Grant auch für den angenehmen Schreibtstil machen, der jugendlich, frisch und modern wirkt, dabei (Gott sei Dank!) aber auf die Verwendung einer ‚Pseudo-Jugendsprache‘ verzichtet.

nevaLeider gab es auch ein paar Dinge, die mir nicht so ganz gefallen haben. Die Geschichte war an manchen Stellen einfach zu vorhersehbar und obwohl Neva mutig und eigentlich ganz sympathisch ist, ließen mich die anderen Charaktere seltsamer Weise kalt. Die Figuren wirkten allesamt etwas blass, ebenso wie die Welt.  

Ich erwarte von einem dystopischen Roman nicht, dass er das Rad neu erfindet, aber ein paar mehr Ideen hätten Neva schon gutgetan, zumal eine Dystopie ja immer auch ein ZUKUNFTSSZENARIO ist. Der technologische und wissenschaftliche Stand von Heimatland unterscheidet sich z.B. kaum vom jetzigen und auch in anderen Bereichen wirkt die Welt unter der Kuppel fast ‚alltäglich‘. Mir fehlte einfach die Authentizität, die Faszination, die Atmosphäre und die Geschichte von Nevas Welt. Es bleibt die Frage: wo ist die VISION in dieser Zukunftsvision?

Fazit  

Der vorherige Kritikpunkt mag ziemlich negativ klingen, ich betone aber, dass es sich hierbei nur um meine subjektivs Meinung handelt. Neva ist mit Sicherheit kein schlechtes Buch, der Fokus der Geschichte liegt für meinen Geschmack nur etwas zu sehr auf Nevas persönlichen Problemen und zu wenig auf der dystopischen Welt.

Ich weiß leider nicht, ob das Buch noch eine Fortsetzung bekommt oder ein Einzelband bleiben wird. Wünschenswert wäre Ersteres alle Mal, zumal das Ende von Neva recht abrupt ist und einige Fragen zu Heimatland und zum Verbleib von Charakteren offenlässt.

Lisas Bewertung: 2,5 von 5 Sternen!

(Lisas Bewertungssystem: (1 = Zeitverschwendung, 2 = Nicht mein Fall, 3 = Okay, 4 = Überdurchschnittlich Gut, 5 = Lieblingsbuch)

 

Redaktion von Beste Bücher

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