Sharon Short – „Mein kleines Stück Alaska“

Rezension von Mona.

„[…] es sind immer die kleinen, kaum beachteten Entscheidungen, die dem Leben eine andere Richtung geben, ohne dass man es ahnt.“

(S. 259)

Selten hat mich ein Buch durch so viele Gemütszustände geführt und dermaßen zwiegespalten zurückgelassen. Von „zu Tode gelangweilt“ bis „hellauf begeistert“ habe ich hier alles erleben dürfen.

Aber worum geht es eigentlich?

Donna, eine sehr eigensinnig, pubertierende junge Frau trägt die Verantwortung für ihre Familie. Nach dem Tod ihrer Mutter kümmert sie sich nicht bloß um ihren kleinen Bruder Will, sondern ebenso um den alkoholkranken Vater. Von der Situation völlig überfordert plant sie nach der Schule in die Stadt zu fliehen, um Schneiderin zu werden.

Dabei behilflich ist ihr ihr Kunstlehrer, für den sie ganz zum Verdruss des provinzialischen Dorfes als Kunstmodell fungiert. Zwischen Mitte und Ende des Buches nimmt die Geschichte dann einen Wendepunkt, der sie zu dem Besonderen werden lässt, als welches sie angepriesen wurde…
Mein_kleines_stück_alaska

Bis zu besagtem Wendepunkt, der wirklich sehr lange auf sich warten lässt, habe ich das Buch schlichtweg als schlecht empfunden. Zum einen liegt das daran, dass Donna, die Hauptprotagonistin, sehr stimmungsschwankend und oberflächlich ist, was im Übrigen das Hauptproblem dieses Teils ist – Oberflächlichkeit. Zum anderen kommen weder Emotionen auf, noch ist ein roter Faden innerhalb der Geschichte erkennbar. Alles wird kurz angeschnitten, nicht weiter beleuchtet und dann fallengelassen. Zwischenzeitlich fährt das Buch zudem eine äußerst kitschige und absolut unauthentische Schiene, die es mir außerordentlich schwergemacht hat, dem Handlungsgeschehen folgen zu wollen.

Aber ich möchte mich überhaupt nicht weiter darüber auslassen, denn genaugenommen ist das Buch als Jugendbuch tituliert und mit 24 Jahren gehöre ich nicht mehr zur Zielgruppe. Dass Kinder- und Jugendbücher auch für junge Erwachsene wunderbar funktionieren können, zeigen uns zahlreiche Werke der Literaturgeschichte. Hier allerdings gehe ich davon aus, dass es ausschließlich für Jugendliche konzipiert wurde.

Wer nun aber wie ich trotzdem außerordentlich gerne in dem Genre liest und Toleranz und Durchhaltevermögen mitbringt, der wird vermutlich ab dem oben genannten Wendepunkt doch noch auf seine Kosten kommen.

Denn (ich nenne ihn einfach mal) Teil 2 hat viel mehr zu bieten, als die vorangegangene Geschichte erahnen lässt. Hier spürte ich das erste Mal, dass die Autorin uns wirklich eine ernstzunehmende Geschichte erzählen möchte und in diesem Fall gelingt es ihr auch.

Die Charaktere werden viel feiner gezeichnet, ihnen wird endlich eine Stimme verliehen und sie arbeiten wunderbar zusammen. Das Handlungsgeschehen ist spannend, die Atmosphäre glasklar und endlich kommen auch echte Emotionen auf, frei von Kitsch oder Aufgesetztheit.

Meinem Empfinden nach war alles Vorangegangene völlig unnötig, es hat in keiner Weise zum Handlungsaufbau beigetragen, aber ich bin absolut dankbar, dass ich bis zu diesem Punkt durchgehalten habe. Denn Intuition, Cover und Titel ließen mich eine sehr besondere und höchst emotionale Geschichte erahnen, die ich – mit langem Atem, doch noch bekommen habe.

Fazit

Als Jugendliche hätte mich das Buch eventuell begeistern können, so bewahre ich es als kleinen Kampf, der zu einem wunderschönen Ende führte, in Erinnerung.

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