Simonetta Greggio – „Weil mein Herz dich nie vergisst“

Simonetta Greggio – Weil mein Herz dich nie vergisst

Zusammenfassung, Infos und Rezension.

Rezension von Christian Wolfgang Büge

Inhalt

Nunzio, der beste Freund von Blue, wird ermordet. Da Nunzio sich längere Zeit nicht bei ihr meldet begibt sie sich auf die Suche nach ihm. In einer bösen Vorahnung verlässt sie Paris und kehrt in die Heimat ihrer Kindheit zurück: Col de L’Ange. Dort stellt sie sich ihrer Vergangenheit und trifft auf Nunzios Bruder Marcus, der seit Kindheitstagen in sie verliebt ist.

Rezension

Es ist der erste Liebesroman, den ich lese. Meiner Meinung nach handelt es sich hierbei aber nicht um Trivial-, beziehungsweise reine Unterhaltungsliteratur. Das Thema Liebe wird ernsthaft behandelt und von mir später aufgegriffen. Der lockere Schreibstil der Autorin erlaubt es dennoch dieses Buch an einem Abend zu lesen. Die Sätze sind klar verständlich und einfach formuliert. Das ganze Buch ist leserfreundlich gehalten.

Zu Beginn fällt einem besonders die Perspektive auf, aus der ganze Buch geschrieben ist. Man erfährt direkt zu Anfang, dass Nunzio tot ist. Als Leser begleitet man seinen Geist, der von einem Ort zum anderen in Sekundenschnelle wechseln kann. Die ganze Geschichte wird mit seinen Worten erzählt. Dabei wertet er sowohl das Verhalten aller Beteiligten, wie auch deren Vergangenheit.

Der Schwachpunkt dieser Perspektive ist leider die Distanz zu den Figuren. Man erfährt ihre Emotionen immer nur aus zweiter Hand. Deren Gedanken sind für den Leser ungreifbar. Aus diesem Grund ist es schwer emotional mitgerissen zu werden oder in die Figuren selbst einzutauchen. Hierzu zwei Beispiele:

„Die Männer halten sich in der Regel von Marcus fern Man grüßt ihn von Weitem, unterhält sich mit ihm im Café, wenn er sich dort mal blicken lässt. Er ist nicht gerade beliebt. Man ist der Ansicht, dass er schon in Ordnung ist, aber eben nicht sehr einfach. Man schätzt ihn, hält sich aber nicht zu lange bei ihm auf.“ (S. 110)
– Warum halten sich die Männer fern?
– Warum hält man ihn für kompliziert?
– Warum schätzt man ihn?
– Warum ist er eigentlich in Ordnung?

Es wird leider viel beschrieben ohne dass man die Gründe, die dahinter stehen, verstehen kann. Ohne das Näher auf Umstände eingegangen wird.

„Zwischen dreizehn und sechzehn, Blue, hast du erfahren, was Missbrauch ist und schäumende Wut. Tägliches Leid und Zorn. Ein falsches Wort, eine Laune, eine unpassende Antwort konnten dazu führen, dass dein Vater zuschlug. […] Du hast den kopf in den Sand gesteckt. Bist verstummt, hast dich so klein wie möglich gemacht. Hast dich gekleidet wie eine graue Maus.“ (S. 120)
– Was fühlt Blue im Moment der Prügel?
– Gibt sie sich selbst oder ihrem Vater die Schuld?
– Empfindet sie Zorn oder Angst?
– Was denkt sie nach so einem Übergriff?

Immer wieder finden Rückblenden statt. Sie helfen das Verhalten der Protagonisten besser nachzuvollziehen. Leider haben sie mich aber auch immer wieder aus Handlung gebracht. Im einen Moment befindet man sich in der Gegenwart, im nächsten folgt eine lange Rückblende. Ist diese zu Ende fällt es manchmal schwer in die aktuelle Handlung zurückzufinden.

Wer Hochspannung erwartet, wird von diesem Buch enttäuscht sein. Es gibt keine großen Probleme zu lösen, keine schwerwiegenden Entscheidungen zu treffen. Spannung entsteht hier durch die Emotionen, die die Figuren durchleben und denen sie sich stellen. Das Hauptthema, welches sich durch das ganze Buch zieht, ist die Liebe. Doch es handelt sich hierbei nicht um einen „klassischen“ Liebesroman. Hier stehen nicht zwei Personen im Vordergrund, die Probleme überwinden müssen, um sich am Ende zu kriegen. Es geht um die Liebe selbst. Um die Facetten der Liebe und die zwei Seiten, die sie hat. In der Personenkonstellation werden die verschiedenen Liebesformen deutlich.

Blue und Nunzio, die Protagonisten, sind in derselben Woche geboren. Sie sind keine Geschwister, doch sie lieben sich, wie es Geschwister tun. Zwischen ihnen gibt es keine Geheimnisse und sie geben sich in den schwierigsten Situationen gegenseitig Halt. Nunzio und Blue haben selbst im Laufe ihres Lebens wechselnde Liebschaften. Auch die stetig wechselnden Partner werden geliebt. Nicht nur körperlich. Die Autorin beschreibt hier eine Liebe, eine Beziehung, deren Ende für beide Teile absehbar und in Ordnung ist.

Man erlebt die Beziehung zwischen Vater und Tochter. Die Liebe des Vaters ist etwas Positives. Doch im Lauf der Zeit, als Blue zu einer Jugendlichen wird, schlägt eben diese Liebe in Eifersucht um und führt sogar dazu, dass Blue von ihrem Vater geschlagen wird. Als Nunzios Vater stirbt weigert sich seine Frau Menschen zu empfangen und zu essen. Die bedingungslose Liebe zu ihrem Mann verwandelt sich in Trübsal und Leiden, sodass sie wenig später ebenfalls stirbt.

Und am Ende der Geschichte steht die wahre Liebe. Marcus, Nunzios Bruder, ist seit Kindertagen in sie verliebt und getroffen, als sie das Dorf verlässt. Er wartet jahrelang auf ihre Rückkehr. Marcus informiert Blue nicht über die Beisetzung ihres Bruders, damit sie wiederkommt. Ob diese Liebe eine Zukunft hat, bleibt allerdings offen.

Mich hat das Buch angeregt über die Liebe an sich nachzudenken. Sich darüber klar zu werden, dass Liebe eine starke, positive Kraft sein kann, aber eben auch etwas sehr Zerstörerisches.

Autorin

Simonetta Greggio, 1961 in Padua geboren, lebt seit mehr als zwanzig Jahren in Frankreich. Als Journalistin und Autorin hat sie u.a. für die Kultzeitschrift City gearbeitet sowie diverse Reportagen, Porträts, Gastrokritiken und Reiseführer verfasst.

Infos

Originaltitel: Col de l’Ange
Genre: Liebe
Zielgruppe: ab 16 Jahren
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag
Format: Taschenbuch, 160 Seiten
Erscheinungsdatum: 17.01.2011
Preis: 7,99€
ISBN: 978-3-442-37635-3

Christians Bewertung: 3 von 5 Sternen!

(Christians Bewertungssystem: (1 = Zeitverschwendung, 2 = Nicht mein Fall, 3 = Okay, 4 = Überdurchschnittlich Gut, 5 = Lieblingsbuch)

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