Stephan Orth: „Couchsurfing im Iran“

Rezension von Annemarie

Inhalt

couchsurfing iranIn „Couchsurfing“ nimmt der Spiegel-Redakteur Stefan Orth („Sorry, wir haben die Landebahn verfehlt“) den Leser mit auf eine Reise kreuz und quer durch ein Land, über das nur wenige etwas wissen – den Iran. Dabei reist Orth nicht wie ein „klassischer“ Tourist, sondern betreibt Couchsurfing, schläft also umsonst bei Einheimischen, die er über eine spezielle Internetplattform zum Thema Couchsurfing kennengelernt hat.  Gerade dadurch ist aber die Begegnung mit den Einheimischen, ihrem Leben, ihrer Kultur und ihrer Lebensweise, sehr viel intensiver als bei Touristen, die im Hotel übernachten.

Der Fokus von Orths zweimonatiger Reise liegt eindeutig nicht auf dem Sightseeing, sondern auf dem Kennenlernen der unterschiedlichen Menschen und der sozialen und kulturellen Situation im Iran. In der Mitte des Buches befinden sich 24 Seiten mit Farbabbildungen. Auch im Text sind einige Schwarzweißabbildungen verstreut eingebaut. Die Farbkarte im vorderen Einband des Buches sowie die Fotoseite im hinteren stellen nette Ergänzungen dar.

Rezension

Dieses Buch ist kein gewöhnlicher Reisebericht – es ist vielmehr eine humorvoll geschriebene Darstellung der Erlebnisse des Autors. Auf die Kommunikation mit den Einheimischen – mündlich und insbesondere auch über das Internet – wird dabei viel Wert gelegt. Häufig werden beide auch direkt zitiert. Oftmals bewegt sich Orth auch hart an der Grenze zur Legalität.

Dabei wird deutlich, dass der Iran sehr viel vielgestaltiger und facettenreicher ist als viele Menschen meinen. Orth hat auf seiner Reise Abenteuer erlebt, das wird klar – auch das Abenteuer, eine fremde Kultur hautnah kennenlernen zu dürfen. So gibt das Buch einen interessanten Einblick in die iranische Kultur. Es lädt dazu ein, es ach selbst einmal mit Couchsurfing zu versuchen, auch wenn diese Art von Reisen nicht unbedingt die bequemste ist. Die in Kästen über das ganze Buch verteilten Tipps zu den unterschiedlichsten Alltagssituationen besitzen nicht nur hohen Unterhaltungswert, sondern sind auch sehr nützlich. Allerdings  war die Zeit, die Orth im Iran war, nicht wirklich lang. Die zwei Monate, die der Autor im Iran herumgereist ist, klingen zunächst nach viel, sind aber im Grunde genommen viel zu kurz, um wirklich umfassende Erfahrungen mit der iranischen Kultur machen zu können.

Manchmal hatte ich zudem das Gefühl, dass Orths Humor etwas deplatziert war. Viele Sachen, die er schildert, sind aus meiner Sicht nicht wirklich lustig. Dennoch versucht Orth um der Unterhaltung willen, sie witzig darzustellen. So richtig überzeugt hat mich das Buch daher nicht. Man sollte auch bedenken, dass es schon eher auf die jüngere Klientel zugeschnitten ist. Ältere müssen wissen, dass im Buch viele Chatschilderungen und Aktionen, die zum Teil doch recht hart an der Grenze zur Illegalität sind, vorkommen. Selbst mich, die nun wirklich noch nicht als alt ist, haben die langatmigen Chatschilderungen schon manchmal gestört.

Fazit

Ein nettes, unterhaltsames Buch. So richtig vom Hocker gerissen hat es mich aber nicht.

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