Tahereh Mafi – „Ich fürchte mich nicht“

Rezension von Lisa

Dinge passieren, wenn Menschen mich berühren. Seltsame Dinge. Böse Dinge. Tote Dinge… –

Dystopie meets X-Men  

Das auffälligste Merkmal an Shatter Me ist ganz eindeutig Tahereh Mafis Schreibstil. Ich kann euch versichern, dass er sich von allem anderen unterscheidet, was ihr bisher erlebt habt! Shatter Me ist eine emotionalen Achterbahnfahrt; selten habe ich ein Buch gelesen, welches die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonistin so überzeugend dargestellt hat.   Wenn Juliette aufgeregt ist oder sich in Gefahr befindet, sind die Sätze kurz, drängend und durch Wortwiederholungen sehr eindrücklich. In Juliettes „Normalzustand“ verändert sich der Stil. Er wirkt fließender und durch das Arbeiten mit Metaphern, Vergleichen usw. auch sehr lyrisch und blumig. Ein Leseerlebnis!  

Dennoch muss ich eine kleine Kritik anbringen: Die Autorin hat ohne Frage ein bewundernswertes Talent, in Zukunft sollte sie aufpassen, dass sie es mit Formulierungen nicht ü-b-e-r-t-r-e-i-b-t! Manche der Phrasen sind wunderschön und kraftvoll – andere einfach nur sinnentleert. 😉 Ein strengeres Lektorat hätte da so manche Stilblüte verhindern können…   Shatter Me ist damit zweifelsohne ein Buch, dass nicht jeder Person liegen wird. Daher empfehle ich vor dem Kauf unbedingt die Leseprobe.

Nachdem dieser Punkt abgehakt wäre, kommen wir nun zur eigentlichen Geschichte. Den Werbesprüchen und Vergleichen zu den Hunger Games sollte man im Übrigen keine Beachtung schenken. Die beiden Bücher haben so wenig miteinander gemein wie die Begriffe „Evermore“ und „gute Literatur“ – nämlich gar nichts! 😉   Trotz des dystopischen Settings und den Fantasy-Elementen geht es im Kern der Erzählung um die Selbstfindung einer jungen Frau. Juliette wurde von ihren Mitmenschen ihr Leben lang wie ein Monster oder eine Aussätzige behandelt – so lange, bis sie die Anfeindungen schließlich selbst glaubte. Sie wurde von ihre eigenen Eltern an die Behörden ausgeliefert, musste Versuche über sich ergehen lassen und wurde schlussendlich wie ein Schwerverbrecher weggesperrt.   Ich bewundere Juliettes Stärke und Entschlossenheit und habe mit ihr mitgelitten. Endlich wieder eine starke Heldin!

Eine weitere Besonderheit offenbart Shatter Me durch seine minimale Anzahl an Charakteren. Neben dem Hauptcharakter gibt es auf den ersten 200 Seiten lediglich 2 weitere Figuren, die beide die wichtige Aufgabe haben, den inneren Konflikt der Protagonistin zu verdeutlichen: Adam bringt Juliettes menschliche Seite zum Vorschein und vermittelt Sicherheit und Verständnis. Im Unterschied dazu symbolisiert der Bösewicht Warner die negativen Aspekte von Juliettes Gabe: Wut, Hass, Zerstörung, Verwirrung, Isolation und Wahnsinn.

Die Liebesbeziehung zwischen Juliette und Adam war leider wieder sehr klischeehaft und bestsellermäßig und basierte (zumindest für meinen Geschmack) zu sehr auf Äußerlichkeiten und „Rummacherei“. *g*   Adam selbst blieb für mich immer nur der „Entwurf einer Figur“, sprich: sein Charakter erschien mir noch zu flach und unausgearbeitet, als das ich mir unter seiner Person etwas vorstellen konnte. Gegen Ende hin ist durch seine Interaktion mit anderen Charakteren allerdings eine klare Verbesserung zu bemerken.

Kurz vor Schluss schlägt das Buch (Übrigens auch als Hörbuch bei Amazon bzw. Audible erhältlich, aber das ist Geschmacksache) nebenbei bemerkt eine andere Richtung ein, die wahrscheinlich nicht bei jedem Leser auf Anklang stoßen dürfte. Ich persönlich habe allerdings schon seit Beginn von Shatter Me darauf gehofft (in der Werbung hieß es ja schließlich Dystopie meets X-MEN 😉 ), demnach empfand ich die Wendung weniger abrupt und plötzlich als vielleicht ein anderer Leser.   Das Konzept ist nach wie vor sehr reizvoll und die Story könnte großartig werden, WENN die Autorin in den zwei folgenden Bänden eigene Ideen miteinbindet und sich nicht zu sehr am Vorbild „orientiert“. Wir werden sehen….

Fazit  

Eine fesselnde Mischung aus Dystopie und Fantasy, die mit einer starken, faszinierenden Protagonistin und einem extravaganten Schreibstil aufwarten kann.

Lisas Bewertung: 4 von 5 Sternen!

(Lisas Bewertungssystem: (1 = Zeitverschwendung, 2 = Nicht mein Fall, 3 = Okay, 4 = Überdurchschnittlich Gut, 5 = Lieblingsbuch)

Auf den ersten Blick 

Ich mochte das Motiv schon vor Monaten beim Cover Reveal nicht und kann ihm auch jetzt nicht viel abgewinnen. Das pompöse Kleid, die Pose und der starre Gesichtsausdruck sind echt nicht das Wahre! Sieht aus wie eine 30-jährige nach 10 Botox-Behandlungen, die am Traualtar von ihrem Bräutigam sitzen gelassen wurde und jetzt stinksauer ist. *gg*

Das einzig Positive ist der metallisch glänzende Hintergrund. Die schwarze und die weiße Hälfte verdeutlichen auf dekorative Art und Weise den persönlichen Zwiespalt, in dem sich die Heldin befindet.

 Infos

Titel: Shatter Me  (engl.); Ich fürchte mich nicht (dt.)

Autor/in: Tahereh Mafi  

Reihe: Shatter Me #1  

Verlag: HarperCollins

Format: Hardcover mit Schutzumschlag, 340 Seiten  

Erscheinungsdatum: 15.11.11

Preis: 12,70€ , als eBook preisgünstiger

ISBN:  0062085484

 

Redaktion von Beste Bücher

 

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