Tilmann Lahme: Die Manns. Geschichte einer Familie

Rezension von Annemarie

Inhalt

Dieses Buch ist eine Biographie der Familie Mann vom Jahr 1922 an bis zum Tod des Letzten der Kinder von Thomas Mann. Es schildert chronologisch die Ereignisse und Erlebnisse des Ehepaars Thomas und Katia Mann und ihrer sechs Kinder. Die Erlebnisse und Geschehnisse werden eng mit den politischen Ereignissen verflochten und in Zusammenhang gebracht. Dabei werden das Schicksal und der Lebensweg jedes Familienmitglieds gleich wichtig behandelt.

die manns geschichte einer familie lahmeVom Aufwachsen der Kinder in Deutschland über die Emigration durch mehrere Länder bis in die USA während der Zeit des National-sozialismus und parallel das Vorhaben der Kinder, ihre eigene Aufgabe und Erfüllung zu finden, bis hin zur Rückreise nach Europa und schließlich Deutschland wird der Lebensweg der Familie dargestellt. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Zeit der Emigration und schließlich der Rückreise der Familie gelegt. Auch das Private, die Beziehungen der Geschwister untereinander und den Eltern gegenüber sowie die unterschiedlichen Charaktere und Haltungen der einzelnen Familienmitglieder werden ausführlich beleuchtet.

Mehrere Schwarz-Weiß-Bilder der einzelnen Familienmitglieder, die chronologisch genau passend in den Text eingeflochten sind, runden das Ganze ab. Gegliedert ist das Buch in sieben Kapitel im Umfang von je 50 bis 70 Seiten, die je eine bestimmte Epoche in der Geschichte der Familie darstellen.

Rezension

Bevor ich dieses Buch las, dachte ich, Biographien wären eher langweilig, langatmig und schwer zu lesen. Nun – jetzt weiß ich: Ich habe mich gründlich getäuscht. Diese Biographie ist dermaßen spannend erzählt, die einzelnen Schicksale dermaßen fesselnd, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte und es binnen eines Tages durchgelesen habe. Die Erlebnisse der einzelnen Geschwister in dem jeweiligen Jahr bzw. den jeweiligen Jahren werden – durch Absätze getrennt – immer einzeln erzählt. Dadurch wird die Lektüre nie langweilig.

Teilweise waren mir die längeren politischen Ausführungen oder die genauen Beschreibungen, was in welcher von einem der Manns verfassten Schrift steht, dann aber doch etwas zu langatmig (und die Manns haben wirklich viel geschrieben!). Diese Textpassagen können allerdings recht gut überflogen werden, um dann an anderer Stelle wieder einzusteigen. Bedrückend und faszinierend zugleich empfand ich es, wie schwierig es für die meisten der Mann-Kinder war, einen berühmten Vater zu haben und wie schwer und hart für die Familie die Auswanderung aus dem nationalsozialistischen Deutschland war, obwohl – und das muss jetzt ausdrücklich betont werden – sie es im Vergleich zu anderen Emigranten sehr gut hatten.

Mein Fazit

Eine hochinteressante, gut lesbare Biographie über die Familie Mann, die zum einen die harten Fakten, zum anderen aber auch das Gefühlsleben und die emotionalen Schwierigkeiten der einzelnen Manns im Kontext der Zeit der gut beleuchtet. Daher aus meiner Sicht ein unbedingt lesenswertes Buch.