Bernhard Moestl: Denken wie ein Shaolin: Die sieben Prinzipien emotionaler Selbstbestimmung

Rezension von Annemarie

Wann hast du dich das letzte Mal geärgert, ausgerastet zu sein? Wann hast du dich grundlos über eine Sache aufgeregt? Unser Leben besteht aus Widrigkeiten. Und häufig sind es die Emotionen, die diese Widrigkeiten hervorrufen oder auch verstärken. Denn ein Großteil der Probleme entsteht nicht durch das (vermeintliche) Problem selbst, sondern dadurch, wie man es wahrnimmt und darauf reagiert, so der Autor dieses Buches, Bernhard Moestl.

In diesem Buch lehrt er, wie man seine Emotionen erkennt, direkt wahrnimmt, welche Emotionen einen in den entsprechenden Situationen umtreiben, und schließlich, wie man lernt, mit diesen umzugehen und negativen aufkommenden Emotionen den Wind aus den Segeln zu nehmen und quasi sich selbst mehr Herr zu werden. Inspiriert ist er dabei von der fernöstlichen Lehre. Diese erläutert er jedoch nicht direkt, sondern erwähnt nur die Aspekte, die dem Leser unmittelbar dabei helfen, seine Emotionen zu kontrollieren.

Das Buch besteht neben Einleitung und Epilog aus sieben Kapiteln. Das Prinzip der Ausgeglichenheit ist das erste, es folgen das Prinzip der Abgrenzung, der Erwartungslosigkeit, des Nichts-Tuns, der Standhaftigkeit, der Gegenwehr und schließlich das Prinzip der Selbstbeherrschung. In jedem dieser Kapitel liegt der Fokus auf dem Erlernen einer dieser Eigenschaften bzw. Verhaltensweisen. Jedes Kapitel beginnt mit einem ganzseitigen weisen Spruch, der zum Nachdenken anregt.

In den Kapiteln sind immer wieder lehrreiche Geschichten und Erzählungen – oft aus Fernost, etwa von den Shaolin, manchmal auch eigene Erlebnisse des Autors – eingebaut, die das Gesagte veranschaulichen und besser verständlich machen sollen.

Gedacht ist das Buch weniger als theoretisches Hintergrundwerk, sondern vielmehr als praktisches Arbeitsbuch. So wird der Leser direkt zu Anfang aufgefordert, ein Notizbuch anzulegen, in dem er die Aufgaben, die Moestl im Laufe des Buches stellt, beantwortet. Während der Text regulär in schwarz verfasst ist, stehen die Aufforderungen, aktiv zu werden zu etwas aufzuschreiben, abgesetzt in Rot und kursiv. Teilweise muss man die Antworten auf direkte Fragen auch direkt ins Buch eintragen. Dafür sind dann ganze Doppelseiten reserviert.

Auch die wichtigsten Thesen stehen in rot abgesetzt, deutlich vergrößert und gut sichtbar im Text.

Rezension

Moestls Schreibstil ist mir in diesem Buch aufgefallen: Er schreibt sehr ruhig, aber eindringlich. Er scheint genau zu wissen, worüber er scheibt und – so mein Eindruck nach diesem Buch – vom Thema emotionale Selbstbestimmung wirklich Ahnung zu haben. Die vielen Geschichten zwischendurch lockerte das Ganze deutlich auf und sorgten dafür, dass sich das Buch trotz seines Ratgebercharakters unterhaltsam und vergleichsweise leicht lesen ließ.

Die Frage, ob man mithilfe dieses Buches wirklich langfristig seine Emotionen optimal unter Kontrolle bekommt, kann ich leider nicht beantworten, sicher ist jedoch, dass man nach gründlicher Lektüre dieses Werkes sich selbst besser kennengelernt hat, zwischen einer Situation und den draus folgenden Emotionen deutlich besser abgrenzen kann und die eigenen Emotionen distanzierter und reflektierter betrachten kann. Besonders bei Menschen, die sich recht leicht aufregen, kann dies ein großer Gewinn und eine deutliche Erleichterung im Alltag sein.

Fazit

Ein praktisches Buch, in dem man lernt, seine Emotionen besser zu beherrschen. Besonders für emotionale Menschen eine sinnvolle Hilfe, die sie – hoffentlich – lehrt, das Leben leichter zu nehmen, und schlussendlich auch ein leichteres, ent-spannteres, ruhigeres Leben zu führen.