Wolfgang Stoephasius: In 70 Jahren um die Welt

Rezension von Annemarie

Es gibt viele Bücher, in denen Menschen ihre Reiseerlebnisse veröffentlichen. Meistens handelt es sich dabei um eine einzige große Reise, manchmal auch um mehrere kleinere. Aber Erlebnisse aus 70 (!) Jahren, die um die Welt gereist wurde – das gab es wohl noch nie. Doch genau dies macht Wolfgang Stoephasius. Seit klein auf reist er und reist und reist… um die ganze Welt.

Aus seinem riesigen Schatz an Reiseerfahrungen schildert uns Stoephasius nun. Angefangen von seinen ersten Reisen, die unter teils abenteuerlichen Bedingungen n den Ostblock stattfanden, über weitere Reisen um die ganze Welt – allein oder mit Ehefrau und/oder Kind gibt uns der Autor Eindrücke aus seinen Reiseerfahrungen.

Dass es etwas schwierig ist, einen derart riesigen Erfahrungsschatz auf gerade einmal 400 Seiten zusammenzukomprimieren, ist ohne Zweifel. Daher schreibt Stoephasius zumeist eher kurze Geschichten über besondere Erlebnisse und Erfahrungen. Das Buch ist aufgeteilt in neun Teile, die acht Großregionen auf der Erde beschreiben. Der erste Teil ist für die heutige Zeit doch recht einzigartig. Er beschreibt Stoephasius Reisen aus der Zeit des Eisernen Vorhangs.

In der Mitte des Buches sind mehrere Seiten mit Farbfotos eingefügt.

Rezension

Stoephasius hat ohne Zweifel viel erlebt und erzählt in seinem Buch hochinteressante Begegnungen, Erlebnisse etc. Dennoch hat mich das Buch nicht so ganz überzeugt. Von einer Reiseerzählung erwarte ich, dass sie so geschrieben ist, dass man in seiner Fantasie mitreisen und die Erlebnisse im Kopf miterleben kann. Das macht den Reiz von Reisebüchern für mich aus. Und genau dieses sich-Hineinversetzen gelang mir bei dem Buch so gar nicht. Um seine Mengen an Erfahrungen auf 400 Seiten unterzubringen, schildert der Autor seine Erlebnisse nämlich doch sehr knapp. So blieben mir bei jedem der Erlebnisse noch viele Fragen offen.

Man wird quasi von einer Geschichte in die andere geworfen, die Reisevorbereitungen werden überhaupt nicht genannt. So ist das Durchlesen dieses Werkes in einer oder mehreren großen Etappen schwierig. Besser ist es, das Buch in kleinen Etappen zu lesen. Das eine Extrem bei Reiseerzählungen ist, dass lang und breit über eine Reise geschwafelt wird und sämtliche unwichtigen und langweiligen Nebensächlichkeiten in das Buch reingestopft werden. Das andere Extrem ist dieses Werk.

Hätte Stoephasius seine ganzen Erlebnisse ausführlicher geschildert, vielleicht auch An- und Abreise kurz erwähnt, so hätte man sich besser in die Situationen hineinversetzen können und das Buch wäre deutlich leichter und angenehmer zu lesen gewesen. Dies hätte natürlich bedeutet, dass mehrere Bücher verfasst werden müssen, aber Stoephasius Erfahrungsschatz reicht meiner Meinung nach aus, um eine ganze Regalreihe zu füllen. Das Preis-Leistungsverhältnis hingegen ist bei diesem Buch ausgesprochen gut.

Fazit

Für Freunde kurzer, knapper und wenig ausgeschmückter Reiseberichte mit vielen unterschiedlichen Ereignissen gut geeignet.