Sigune Schnabel

deutsche Autorin und Übersetzerin

Sigune Schnabel – Autorenporträt
© privat

„Kreißsaal. Der erste Morgen in der Außenwelt ist kalt. Draußen verweht der Wind Geschichten, die der warme Bauch erzählte. Ich bin noch durchlässig für Schreie, reibe mich an ihnen wund. Grußlos fegt der Tag letzte Wärme von der Haut. Träume setzen sich aus falschem Licht zusammen an diesem Ort: gerötet von Lampenschirmen. Wie Entzündungen, meint die Hebamme und schüttelt die Nacht aus dem Haar. Mutter riecht noch nach mir, ich aber bin ihrem Blick längst entwichen.“

Sigune Schnabel

Interview

Fun Facts

  • Mag keinen Rotkohl.
  • Heizungen sind für sie die wichtigste Ausstattung in einem Haus.
  • Zieht die Socken manchmal verkehrtrum an.

Werke von Sigune Schnabel

Buchcover: Apfeltage regnen

Apfeltage regnen

Gedichte "Gestern füllte ich die Taschen mit fossilen Worten und legte sie in Farben. Noch immer ist die Sprache außen bunt."

Buchcover: Spuren vergessener Zweige

Spuren vergessener Zweige

Eine Antwort auf Fragen, die noch immer im Denken eines binären Systems zwischen Mensch und Natur verhaftet sind, scheinen diese Texte in der organischen Verbundenheit zwischen Geist und Körper gerade eine Auflösung dieser Dichotomien zu vollziehen. Das künstliche Gedankengebäude, das diese Dichotomien beschwört und ein Verhältnis zur Natur und zum Gedicht provoziert, das uns möglicher-weise auf die Füße fallen wird, nachdem uns die Umwelt vom Kopf auf die Füße gestellt haben wird, wird hier ins Wanken gebracht, und zwar auf eine leise und tiefe Art, die daran gemahnt, dass diese Trennung nicht existiert und das Kostbare, das Zeitlose, im Grunde in allen Zeiten, auch den post-postmodernen, von Geschwindigkeit regierten, hinübergerettet werden kann. (Katherina Kohm)

Buchcover: Auf Zimmer drei liegt die Sehnsucht

Auf Zimmer drei liegt die Sehnsucht

"Große starke Bilder bestürmen uns. Hinter schlichter Fassade tasten sie in sprachliche Fernen, die vertraut wirken. Ein nur scheinbares Paradox. Denn Sigune Schnabels poetischer Sprache ist das Naheliegende ebenso fremd wie das Angestrengte der Konstruktion und wir erleben die Beobachtungen wiederum als treffsicher, erfrischend und klar vermittelt." York Freitag, Laudatio zum Ulrich-Grasnick-Lyrikpreis "Ihr Stil ist einzigartig. Ein Text von ihr kann aus Hunderten ohne Autorenbezeichnung herausgelesen werden. Sie ist und hat eine unverwechselbare Stimme in der deutschsprachigen Lyrik." Walther Stonet, Herausgeber von zugetextet Beginn Du hast den Weg verschluckt mit dem Blick, und ich stehe barfuß im Gras. In deinem Gesicht: ein Anfang. Du nimmst meine Hand in dem kalten Gestrüpp, deinem Nest, und wir wandern durchs Tal, bis der Mund, dieser schmale, ein Schallwort gebiert und verliert in das Reich, das mir nicht mehr gehorcht.

Buchcover: Die Zeit hat ihre Farbe verloren

Die Zeit hat ihre Farbe verloren

"Ihre Sprache ist klar und deutlich, an keiner Stelle unscharf oder ver-schwommen, dafür von einer ungeheuren Musikalität durchdrungen." Amadé Esperer auf ARIEL-ART "Sigune Schnabels Worte besitzen eine unergründliche, unerwartete, ja unerhörte Tiefe. Sie ist eine der größten Lyrikerinnen dieser Tage." Tanja Heinze Der Band wird gefördert durch die Kunststiftung NRW sowie durch ein Arbeitsstipendium des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.

Buchcover: Glas und andere Irrtümer

Glas und andere Irrtümer

Glas täuscht Durchblick vor – und verbirgt doch, was dahinter liegt. Die Erzählungen zeigen Menschen, die an Grenzen stoßen: an die eigenen, die ihrer Beziehungen und an die unsichtbaren Linien der Gesellschaft. Sie machen die Brüche spürbar, die das Leben prägen, durchzogen von einer Sehnsucht, dennoch verstanden zu werden. "Herrn Peters Leben begann mit einer Entscheidung gegen die Welt. Als er schon fast den Geburtskanal erreicht hatte, besann er sich eines Besseren. Der Frühling, der ihn draußen erwartete, erschien ihm mit einem Mal weniger verlockend, und die Fremde hatte ihre Süße verloren." "Die kurzen Geschichten von Sigune Schnabel lassen für einen Moment ein ganzes Leben aufleuchten, dessen Schönheit, aber auch dessen Dramatik und Tragik. Jedes Leben wird von außen beobachtet, wie von einem stillen Zeugen, der in der Verdichtung seiner Wahrnehmung ein Thema findet, das dieses Leben auf die Probe zu stellen, aber auch auszumachen scheint. In diesem Sinne findet jede dieser erzählten Lebensperspektiven zu ihrem eigenen Zauber und lässt erkennen, warum wir schließlich alle unsere eigene Geschichte finden müssen, um zu uns selbst kommen zu können." Frank Maria Fischer