Daniel Höra: „Als Schriftsteller ist es vor allem wichtig, seine eigene Stimme zu finden“

 Interview mit Daniel Höra

 

(c) D. Höra
(c) D. Höra

Daniel Höra, geb. 1965 in Hannover, ist ein deutscher Schriftsteller. Er schrieb auch unter dem Pseudonym Daniel Knillmann. Nach seinem 2001 erschienenen Roman Debüt „Mora!“ erlangte er mit dem vielgelobten Jugendbuch „Gedisst“ bundesweit Bekanntheit.

Höra lebt heute mit seiner Familie in Berlin.

 

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Die „Konkurrenz“ ist also gewaltig. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Nein, an so etwas denke ich beim Schreiben überhaupt nicht. Diesen Gedanken muss man beim Schreiben gänzlich ausblenden. Ich lese während des Schreibenns auch wenig Prosa. Selbst Buchbesprechungen lese ich kaum. Lenkt einen alles nur ab bzw. führt in die falsche Richtung.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Ich mag Listen ganz allgemein. Ich finde auch Bücherrankings nicht verkehrt. Es liest ja auch nicht jeder das Feuilleton, bzw. die Buchbesprechungen. Da kann eine Liste schon ganz hilfreich sein.
Und welcher Autor würde sich nicht auch geschmeichelt und bestätigt finden, wenn sein Buch auf einer Bestseller-Liste auftaucht?

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Ein richtige Schreibblockade hatte ich glücklicherweise bislang nicht. Natürlich gibt es bei mir Tage, wo es nicht funktioniert. Wo ich vor dem Computer sitze und nur einen leeren grauen Bildschirm sehe, den ich nicht füllen kann. Sei es, weil ich mit dem falschen Bein aufgestanden bin oder Kopfschmerzen habe oder … weiß der Geier. Oder es gibt Probleme innerhalb der Geschichte, für die ich keine Lösung weiß. Ich erzwinge nichts, das bringt nix. Wenn es nicht klappt, schalte ich den Computer aus und mache etwas ganz anderes. Sport hilft. Dann geht es wieder. Manchmal muss das Gehirn vielleicht einfach mal wieder durchblutet werden. Und oftmals kommen mir gerade bei solch stupiden Tätigkeiten Ideen, wie eine Geschichte weiter gehen kann.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Lesungen reichen nicht mehr, der Autor sollte möglichst auch im Internet präsent sein. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Ich habe eine Homepage, und ich bin bei Facebook. Da poste ich dann Lesungen oder ein neues Buch oder anderes in dieser Richtung. Ca. eine Stunde pro Tag.

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

Lesungen. Wobei das für Neulinge natürlich eher schwieriger ist. Ich habe mit meinem ersten Buch Buchhandlungen, Bibliotheken und andere mögliche Leseorte abgeklappert, ob ich da lesen kann. Die meisten haben mich nur komisch angeguckt. Kannte mich ja keiner aber hin und wieder hat es geklappt. SocialMedia ist natürlich ein gutes Marketinginstrument, allerdings darf man das auch nicht überschätzen. Bücherblogs sind Super.

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Ich mag vor allem Autoren, die eine direkte Sprache haben, auf den Punkt gekommen, den Leser am Schlafittchen in die Geschichte ziehen. Ich denke da an Autoren wie Erich Kästner („Fabian“) oder auch Fallada („Kleiner Mann was nun?“). Die eine kleine überschaubare Welt beschreiben und dabei das Große und Ganze erzählen. Und ich bin ein großer Fan von Horrorgeschichten. Natürlich Stephen King, Lovecraft aber vor allem Dan Simmons.
Und ich bewundere Ray Bradbury für seine Art des Schreibens. Unglaublich souverän. Perfekt. Zudem mag ich Geschichten, die einen doppelten Boden haben, wo alles etwas seltsam ist. Bulgakows „Meister und Margherita“ ist so ein Werk. Das sollte man ein mal im Jahr lesen. Mindestens.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Ist doch nicht verwunderlich, man verlässt sich doch immer gern auf das Altbekannte, Bewährte. Auf die Frage habe ich nicht wirklich eine Antwort. Nwecomer stärker in den Vordergrund zu rücken, ist eher Sache der Verlage, bzw. deren Presseabteilungen.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Jeder Anfänger macht Fehler und die muss er auch machen, sonst kann er nichts lernen. Ich habe mich zum Beispiel bei meinem allerersten Buch („Mora“ ((noch unter anderem Namen erschienen)) zu sehr von Vorbildern leiten lassen. Ich wollte wie jemand anderes klingen, wie ein berühmter Kollege (den Namen werde ich hier nicht nennen, Sorry). Ein Leser hat mir dann das Kompliment gemacht, das Buch würde ihn an … erinnern (genau jener Autor, den ich versucht habe zu kopieren). Mittlerweile sehe ich so etwas nicht unbedingt als Kompliment. Mit dem Schreiben ist es wie mit den meisten anderen Dingen, die man tut. Man wird besser, sicherer mit der Zeit. Als Schriftsteller ist es vor allem wichtig, seine eigene Stimme zu finden. Manchen (den wenigsten) gelingt das von Anfang an, die sind als fertige Schriftsteller auf die Welt gekommen. Die meisten von uns hangeln sich jedoch von Ast zu Ast, das ist sowieso die beste Methode um Vorwärts zu kommen. Und manchmal muss man sich gegebenfalls auch neu erfinden.

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Bislang nicht. SexSzenen können natürlich schnell ins peinliche abrutschen. Da ich ja überwiegend JugendBücher schreibe, haben die Protagonisten eher keinen Sex in meinen Büchern. So tappe ich nicht in diese Falle. Was mir schwerfallen würde: Eine Geschichte zu erzählen, die auf einem Ponyhof spielt oder überhaupt was mit Pferden und generell mit Tieren. Lieber nicht.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren insgesamt zu dem Thema?

Bücher/Geschichten sind ja auch immer eine Was-wäre-wenn-Version der Wirklichkeit. Von daher, ist es vollkommen zulässig Themen aufzugreifen, die gerade nicht opportun sind oder auch weh tun. Wer sich also dazu berufen fühlt…

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Ich schreibe jeden Tag. Ich setze mich vormittags an den Schreibtisch und arbeite ein paar Stunden. Das ist wie ins Büro gehen, außer dass ich nur ein paar Schritte von der Küche bis zum Schreibtisch benötige. Ohne eine gewisse Disziplin geht das nicht. Am Wochenende mache ich allerdings frei. Ich arbeite an den Wochentagen, simuliere sozusagen eine „normale“ Arbeitswoche.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Es gibt mehrere Ideen für Geschichten. Welche ich dann tatsächlich schreibe, weiß ich noch gar nicht. Ich probiere gerade ein bisschen rum. Aber ich würde auch nichts vom Inhalt verraten, wenn es schon konkreter wäre. Das bringt nämlich Unglück.


Daniel Höra im WWW

 http://daniel-hoera.de

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