Ingrid Schmitz: „Themen, mit denen man sich sehr schwer tut, sollte man lassen“

Interview mit Ingrid Schmitz

 

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Ingrid Schmitz wurde 1955 in Düsseldorf geboren. Die Speditionskauffrau arbeitete bei einer kanadischen Reederei und später im sowjetischen Außenhandel. Nach der Einschulung ihrer Tochter sehnte sie sich nach einem neuen Spannungsbogen und erlernte drei Jahre das Handwerk des Schreibens. Seit 2000 ist sie hauptberufliche Autorin. Begonnen hat sie mit Krimikurzgeschichten, von denen bisher über fünfzig veröffentlicht wurden. Zwischendurch folgten Herausgaben (kulinarischer) Kriminalanthologien. Zuletzt Tortillas, Tapas und Toxine im Conte Verlag. 2006 begann sie mit dem Romanschreiben und erfand die niederrheinische Privatermittlerin Mia Magaloff. Sie ist Künstlerin und Trödelmarkthändlerin.

 

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Die „Konkurrenz“ ist also gewaltig. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Ja, das kommt einem natürlich in realistischen Momenten in den Sinn. Deshalb veröffentliche ich nicht nur Romane, sondern auch Kriminalanthologien als Herausgeberin und beteilige mich selbst an Anthologien oder schreibe Biografien. Ich versuche also meine Publikationen möglichst breit zu streuen.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Sie sind mir suspekt. Bestseller kann ein Buch auch werden, wenn es schlecht ist, weil jeder mitreden und mit schimpfen will. Von den Verkaufszahlen her ist es natürlich reizvoll dort zu stehen, keine Frage.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Weitermachen, nur nicht aufgeben! Durchhalten! Schreiben, wenn man etwas zu sagen hat und was einem am Herzen liegt und womit man sich auskennt.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Lesungen reichen nicht mehr, der Autor sollte möglichst auch im Internet präsent sein. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Jeden Morgen eine Stunde – Facebook, Google+, XING und Twitter. Danach nur noch, wenn Anfragen bearbeitet werden müssen oder Aktionen anstehen.

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

Facebook. Dort kann man eine Buchseite oder Fanpage und Privatseite erstellen, sich locker flockig vorstellen, BloggerInnen suchen und Buchverlosungen starten. Im Gespräch bleiben, aber nicht nur werben, sondern ab und zu auch Unverfängliches und Privates mitteilen. Kontakt zu anderen Autoren suchen, die schon weiter sind. Bin gerne bereit Auskunft zu geben. PN genügt: https://www.facebook.com/krimischmitz Einzige Bedingung: Bitte meine Seite liken. 😉

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Da gibt es eine ganze Menge. Angefangen hat es natürlich mit Alfred Hitchcock, Agatha Christie, Minette Walters u.s.w., später kamen Ingrid Noll, Sabine Deitmer, Susanne Mischke, Tatjana Kruse, Irene Rodrian hinzu, aber auch Jürgen Kehrer (Wilsberg), Ralf Kramp und alle anderen guten KrimischreiberInnen hinzu. Außerdem inspirieren mich meine Mörderischen Schwestern und die AutorInnen vom Syndikat. Autorenvereinigungen, in denen ich Mitglied bin.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Das ist schwierig und wenn ich die Antwort kennen würde, würde ich auch dort vertreten sein. Ich vermute mal, das geht nur durch Beziehungen oder Skandale, wie auch immer …

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Ich kann jedem Neuling nur empfehlen, sich mit erfahrenen Autoren auszutauschen. Besonders was Verlagsverträge angeht, kann man arg hereinfallen, und dann gibt es natürlich noch die schwarzen Schafe der Verlagsbranche, die eigentlich keine Verlage sind, weil sie sich die Buchveröffentlichung bezahlen lassen – sogenannte Mitfinanzierungsverlage.

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Ja, Sexszenen sind nicht einfach zu schreiben. Sie wirken schnell lächerlich. Geht man in die Vollen, dann sind sie zu obszön und dann glauben die Leser, das Sexleben des Autors zu kennen. 😉 Auf alle Fälle polarisieren solche Szenen. Themen, mit denen man sich sehr schwer tut, sollte man lassen. Ich würde zum Beispiel nie über Kindesmisshandlungen schreiben.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren insgesamt zu dem Thema?

Ich vermeide diese Themen, weil ich mit meinen Geschichten unterhalten will. Außerdem weiß ich zu wenig darüber – wie die meisten, die den Mund dazu groß aufmachen.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Da ich hauptberuflich schreibe ist mein Tag gut strukturiert. Nach dem Frühstück um 6 Uhr, treibe ich spätestens um 7 Uhr täglich eine Stunde Sport (Seitdem habe ich keine Nacken- und Schulterprobleme vom Schreiben mehr), rufe danach die Mails ab und beantworte sie, sende meine mörderisch lieben Grüße über die sozialen Netzwerke, und dann beschäftige ich mich mit meinem aktuellen Buchprojekt. Nach einer kurzen Mittags- und Kaffeepause geht es weiter, bis mein Mann nach Hause kommt und ich spätestens um 18 Uhr den PC herunterfahre.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Es wird diesmal ein Kriminalroman/Thriller ohne meine Serienfigur Mia Magaloff. Es geht um eine Biografin. Mehr verrate ich nicht.

Fabelhafte Bücher: Mit bedanken uns herzlich für das Gespräch.

Ich danke auch für die interessanten Fragen.


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Weitere Hintergründe zur Autorin

Zwischendurch wechselte sie kurz das Genre und schrieb ihre erste Biographie „Currywurst & Dolce Vita“ über das Auswandererpärchen Didi & Hasi (Bekannt durch VOX Goodbye Deutschland).  Ingrid Schmitz ist Mitglied bei Mörderische Schwestern, im Syndikat und bei International Association of Crime Writers. Auf facebook führt sie unter Krimiautorin Ingrid Schmitz eine Fanpage, ist bei Twitter, XING und Google+ zu finden, um nur einige soziale Netzwerke zu nennen.

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