Jürgen Preuss: „Satirische Gedichte laufen außer Konkurrenz“

Interview mit Jürgen Preuss

 

Foto: Achim Blazy
Foto: Achim Blazy

Jürgen Preuss (Pseudonym Weinrich Weine), * 1942 in Düsseldorf, lebt in Ratingen. Lyrische Prosa Alles in Buddha – Ein Dialog (Edition Virgines, Düsseldorf, 2008, Short-list „Die schönsten deutschen Bücher 2008“). Mehrere Gedichtbände, zuletzt Der Reißwolf heult mit (Steinmeier, Nördlingen, 2006), Von unten her betrachtet – Grabsprüche (Landpresse, Weilerswist, 2. Auflage 2003).

 

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Die „Konkurrenz“ ist also gewaltig. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Nein, überhaupt nicht. Wenn mich ein Thema fasziniert, versuche ich es sprachlich umzuwandeln oder auf meine Weise zu interpretieren.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Da satirische Gedichte – gereimt oder verdichtet – und lyrische oder experimentelle Prosa sowieso außer Konkurrenz laufen, interessieren mich solche Bücherrankings eigentlich nicht. Allerdings hat es mich schon gefreut, als mein Buch „Alles in Buddha – Ein Dialog“ die Shortlist „Die schönsten deutschen Bücher 2008“ erklomm und ich beim Lyrikwettbewerb „Hochstadter Stier 2012“ den zweiten Platz erreichte.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Durchhänger auf keinen Fall ernst nehmen, einfach wieder zum Stift oder zum PC greifen, ein aktuelles und / oder spannendes Projekt sorgt schnell wieder für gute Energie als bestes „Lösungs-Mittel“.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Lesungen reichen nicht mehr, der Autor sollte möglichst auch im Internet präsent sein. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Zu Beginn meiner literarischen Karriere – ab 1995, also erst ab dem 53. Lebensjahr – investierte ich viel Zeit in den Aufbau einer umfangreichen Website, in Lesungen und in eine intensive Pressearbeit.

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

Heute würde ich zu einer umfangreichen Vernetzung im Internet raten, wozu eine professionelle Website – optisch besser als meine gegenwärtige –, ein eigener Blog, facebook, twitter und die Veröffentlichungen von E-Books gehören. Weiterhin erscheinen mir regelmäßige Lesungen und Teilnahme an Poetry Slams wichtig, alles gut begleitet durch eine nachhaltige Pressearbeit.

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Heinrich Heine, Wilhelm Busch, Arno Schmidt, James Joyce.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Wenn ich das wüsste! Hier spielt der Zufall eine Rolle, um als Außenseiter eine Chance zu bekommen. Ohne Kontakte zu namhaften Verlagen oder überregionalen Medien geht es nicht.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Familie und Freunde die erste Fassung des Manuskripts lesen lassen, anschließend ein professionelles Lektorat einschalten, zu guter Letzt sich nicht in Wunschträume versteigen.

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Durch meine verschiedenen Schreibstile – Reim, Verdichtung, Wortspielerei, Lautmalerei – kann ich spielerisch Schreibschwellen überwinden.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren insgesamt zu dem Thema?

Political correctness halte ich für völlig unangebracht, besonders angesichts meiner Schreibschwerpunkte, die fast die ganze Bandbreite Welt bewegenden Sinns und Schwachsinns thematisieren.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Nach Lust und Laune. Den Stichworten folgt dann der passende Text beim Schreiben.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Bestehende Einzelpublikationen und abgeschlossene Manuskripte als E-Books veröffentlichen. Neuestes Projekt – Arbeitstitel: „KOSMOS UND KARMA – Universum und Buddhismus, Quantenphysik und Spiritualität.“ Wie die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse die spirituellen Weisheiten Buddhas und die der Mystiker auf erstaunliche Weise bestätigen. Es ist verblüffend!

Fabelhafte Bücher: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.


Der Autor im www

Websites: www.weinrich-weine.de und www.juergen-preuss.de


Weitere Hintergründe zum Autor

Beiträge in Anthologien bei Manesse, dtv / Hanser, Reclam, Landpresse, in der Zeitschrift DAS GEDICHT, Soziologie heute, in DIE ZEIT, oder in der Rheinischen Post. Eigene Lesungsprogramme zu den Einzelbänden. Zweiter Preisträger beim Lyrik-Wettbewerb Hochstadter Stier 2012 (Mentoren: Matthias Politycki und Anton G. Leitner; siehe „youtube weinrich weine“).

 

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