Anna Shinoda: „Die Mitte von Allem“

shinoa_MitteRezension von Mona.

„Ich hüllte das, was passiert war, in dunkle Wolken ein, sodass nur das Licht der guten Erinnerungen zurückblieb, in denen Luke freundlich und sanft und liebevoll war.“ (S. 290)

„Die Mitte von Allem“ ist der Debütroman der Autorin Anna Shinoda, über die keine weiteren Informationen bekannt sind. Erschienen ist das Buch im magellan Verlag, den ich letztes Jahr kennengelernt und seitdem in mein Herz geschlossen habe. Leider gehört dieses Exemplar zu einer der schwächeren bisher mir bekannten Geschichten…

Dies ist die Geschichte von Clare, einer 17-jährigen Musterschülerin und Vorzeigetochter, der es eigentlich an nichts fehlt. Eigentlich. Denn blickt man hinter die Familienidylle, so sieht man ein Mädchen, das hin- und hergerissen ist zwischen der Liebe zu ihrem verbrecherischen Bruder und den Unannehmlichkeiten, die sie sich seinetwegen auszusetzen hat. Hinzu kommt, dass ihre Mutter ihren Sohn vergöttert. Soweit, dass sie seine Bedürfnisse vor die ihrer anderen Kinder stellt und all seine Taten entschuldigt. Doch als Clare erfährt, dass ihr geliebter Bruder mehr ist als ein Dieb und nicht bloß zur falschen Zeit am falschen Ort war, stellt sie sich die berechtigte Frage, wie weit Liebe gehen kann und darf…

Zuallererst das größte Problem, was ich mit diesem Buch hatte. Mit seinen 384 Seiten, war es mir mindestens 150 Seiten zu lang, was nicht daran lag, dass ich keine langen, ausgereiften Bücher schätze. Im Gegenteil! Wenn sie der Geschichte dienlich sind und zum Geschehen beitragen, bin ich einem Buch gerne lange verfallen. Hier allerdings ist die Handlung wahnsinnig lange vor sich hingeplätschert, das Hauptthema der Geschichte war nebensächlich und der Fokus wurde auf das ganz normale Leben einer Highschool-Schülerin gelegt. Die meiste Zeit wird dafür verwandt, Clares Alltag, ihre Freunde, den obligatorischen Schwarm und die Rivalin kennenzulernen. Darauf hat mich der Klappentext nicht vorbereitet, sonst hätte ich vermutlich nicht zu diesem Buch gegriffen.

Leider geht bei mir sehr viel Lesespaß verloren, wenn sich überall an Klischees bedient wird und eine Geschichte keinen literarischen oder emotionalen Mehrwert für mich hat.

Außerdem erschien mir Clare oft unglaubwürdig. Trotz der Tatsache, dass sie innerhalb der Familie eine Menge wegstecken muss und ihre Eltern die vollständige Bestimmungsgewalt über ihr Leben übernehmen, rebelliert dieses Vorzeigemädchen nicht und hält weiter standhaft an der familiären Liebe fest, schafft jedes Fehlverhalten seitens der Mutter oder anderen Familienmitgliedern einfach hinzunehmen. Außerdem hatte ich Probleme damit, dass Dinge nicht konkret benannt wurden (wie die Gewalttaten ihres Bruders) und viele Dinge stark überdramatisiert wurden. Beides kann man natürlich damit rechtfertigen, dass dies ein Jugendbuch ist und ein wenig die Moralkeule geschwungen wurde.

Bis sich die Handlung dann zuspitzt und in meinen Augen auch einiges an Authentizität gewinnt, hat mich das Weiterlesen einiges an Überwindung gekostet. Dann allerdings war auch mein Interesse geweckt und das Thema des Buches wurde endlich konkretisiert. Die Charaktere bekamen viel mehr Farbe und Clare verhielt sich endlich wie ein jugendliches Mädchen, dem man Unrecht getan hat.

Hier fand ich besonders Clares Zwiespalt (der sich auch in ihrer Persönlichkeit zeigte), gelungen! Vorallem die Themen Verdrängung und verschleierte Erinnerungen sowie bedingungslose Liebe wurden an dieser Stelle der Geschichte gut ausgearbeitet, sodass das Buch im Nachhinein doch noch Stoff zum Nachdenken hergibt.

Fazit: Eine Geschichte, die sehr lange braucht, um auf den Punkt zu kommen. Für Leser, die gerne Highschool-Geschichten mit einem ernsten Hintergrund lesen allerdings empfehlenswert!

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