Celia Rees
Bild: Terence Rees, CC BY-SA 3.0 Quelle

Celia Rees hat die britische Jugendliteratur mit einer Mischung aus historischem Stoff und erzählerischer Fantasie geprägt. Ihre Romane, in über zwanzig Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet, führen Leserinnen und Leser mitten hinein in vergangene Jahrhunderte. Als frühere Lehrerin kennt sie jugendliche Lebenswelten aus erster Hand – und weiß, wie Geschichten junge Menschen erreichen können.

Celia Rees schreibt Geschichten, die Leserinnen und Leser zwischen die Zeiten versetzen und dennoch mitten im Heute bleiben. Sie hat sich ein internationales Publikum erschrieben, weil sie nicht nur historische Stoffe wählt, sondern sie mit aktuellen Fragestellungen verknüpft: Freiheit, Identität, das Erwachsenwerden unterwegs zu sich selbst. An ihren Büchern ist auffällig, wie sie jugendliche Figuren in Epochen platziert, aus denen sie dennoch einen Hauch von Gegenwart heraushölt.

Leben und Zeit

Aufgewachsen im englischen Solihull, einer Gegend im Wandel der Nachkriegsjahrzehnte, spürte Celia Rees die Umbrüche Englands von Kindheit an. Als Schülerin der Tudor Grange Grammar School und später Studentin der Geschichte und Politik in Warwick erlebte sie die liberale Aufbruchsstimmung der britischen 1960er und 1970er Jahre. Die sozialen Umwälzungen, die Debatten um Bildung und Geschlechterrollen – all das war Teil ihres Werdegangs und spiegelt sich ebenso in den Stoffen wie im Ton ihrer Romane. Nach einem Postgraduiertenstudium an der University of Birmingham ging sie in den Schuldienst, unterrichtete sechzehn Jahre lang Englisch in Coventry und gewann dabei einen direkten Einblick in jugendliche Lebenslagen.

Der Weg zum Schreiben

Während ihrer Jahre als Englischlehrerin begann Celia Rees, genau hinzuhören: Was bewegt Teenager? Was möchten sie lesen? Die Geschichten, die sie zunächst im Unterricht einsetzte, wanderten irgendwann auf die Manuskriptseiten. 1993 betrat sie mit „Every Step You Take“ die literarische Bühne. Der Schritt in die Schriftstellerei wurde zur bewussten Entscheidung: 1989 verließ sie den Unterricht, um sich ganz dem Schreiben und Lehren außerhalb des Schulsystems zu widmen. Die Motivation blieb: Texte zu verfassen, die Jugendliche tatsächlich erreichen, nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern im Ton der fast Erwachsenen. Sie trat in den Dialog mit einer jungen Leserschaft, der sie aus dem Alltag Literatur näherbringen wollte.

Der Mensch hinter den Büchern

Celia Rees ist eine Autorin, deren Blick auf junge Erwachsene von einer seltenen Mischung aus Nähe und Distanz geprägt ist. Ihre Zeit als Lehrerin wirkt noch nach, nicht als pädagogische Aufgabe, sondern als erzählerische Neugier auf das, was Jugend ausmacht. Rees selbst betont die Bedeutung starker weiblicher Protagonistinnen: Figuren, die ihren Weg gegen Hindernisse behaupten müssen – ob in Hexenverfolgungen des 17. Jahrhunderts oder auf Piratenschiffen und in Shakespeare-London. Ein Thema durchzieht ihre Werke: Geschichten sollen ein, zwei Schritte voraus sein, dürfen risikoreich sein, aber nie herablassend. Dazu kommt das Spannungsfeld zwischen historischer Genauigkeit und erzählerischer Freiheit, das sie produktiv ausreizt. Engagement außerhalb des Schreibens zeigt sich in ihrer Arbeit für die Children's Writers and Illustrators Group und in der Förderung des kreativen Schreibens. In öffentlichen Diskussionen fällt ihr nüchterner, reflektierender Ton auf: Wenig Pathos, Konzentration auf die Wirkungskraft des Ichs in der Literatur.

Das Werk: Was man lesen sollte

Der Einstieg in Celia Rees’ Welt bietet sich mit „Witch Child“ (2000) an: Ein Roman, der die Hexenverfolgungen des 17. Jahrhunderts zum Ausgangspunkt nimmt, erzählt aus der Perspektive eines Jugendlichen. Die Fortsetzung „Sorceress“ (2002) knüpft daran an und öffnet die historische Perspektive noch weiter. Mit „Pirates!“ (2003) versetzt sie zwei junge Frauen ins 18. Jahrhundert auf See – mit Fragen von Freiheit und Risiko. „Sovay“ (2008) variiert das Motiv, wenn eine junge Frau in Männerkleidung gesellschaftliche Grenzen testet. Wer einen Brückenschlag in die Shakespeare-Zeit sucht, wird in „The Fool’s Girl“ (2010) fündig. Für Erwachsenere gibt es inzwischen mit „Miss Graham’s War“ auch einen Roman jenseits des Jugendbuchs. Ihre Bücher, mal als Abenteuer, mal als Selbstfindungsreise, teilen das Interesse an Figuren, die sich nicht in ihre Zeit einschließen lassen.

Verfasst vom Autorenteam.