Empfehlungen und Lesetipps

Empfehlungen und Lesetipps

John Grisham: „Die Erbin“ Grisham startet durch in den deutschen Hörbuchbestsellern: „Die Erbin“ hören sich momentan sehr Menschen als Audiodatei an. Seth Hubbard, ebenso krank wie reich, setzt seinem Leben von eigener Hand ein Ende. Zuletzt durchgängig griesgrämig und unnahbar, wurde Hubbard nur noch von seiner Haushälterin versorgt und mied den Kontakt zur näheren und weiteren Verwandschaft. Dementsprechend nüchtern sind seine Kinder, als es darum geht, die Trauerfeier ihres verstorbenen Vaters zu absolvieren. Spannender scheint da die Testamentseröffnung, die immerhin einen hohen zweistelligen Millionenbetrag umfasst. Als die Kids erfahren, dass Hubbard den weitaus größten Anteil seiner Haushälterin Lettie hinterlassen hat, ihnen selbst aber überhaupt nichts, fechten sie erbost das Testament an. Der Plan: Der alte Herr soll posthum für unzurechnungsfähig erklärt werden. Doch je mehr der junge Anwalt von Lettie in der Familiengeschichte gräbt, desto deutlicher wird: Das Geld Lettie zu hinterlassen war wohl kaum so abwegig, wie es die Familie darstellt…

Dr. Joe Dispenza: „You Are The Placebo: Making Your Mind Matter“ Joe Dispenza, bekannt aus Büchern wie „Mein neues Ich – Wie Sie Ihre gewohnte Persönlichkeit in vier Wochen verändern“ hat ein neues Buch geschrieben, mit dem er promt die kanadischen Bestsellerlisten stürmt. Mit „You Are The Placebo: Making Your Mind Matter“ landet er dort einen Hit. Worum geht es dem promovierten Chiropraktiker? Er geht der Frage nach, ob das Gehirn die Selbstheilungskräfte besitzt, um ohne Medikamente und Operation kritische Schäden selbstständig zu regulieren. Dispenza führt eine Reihe von Fällen an um zu beweisen, dass das erstaunlich häufig der Fall sei. Egal ob Arthritis, Depression oder angeblich auch bestimmte Formen von Alzheimer – immer findet der Autor Hinweise auf Selbstheilungskräfte. Inwieweit das populärwissenschaftliche Werk theoretisch fundiert ist, ist eine andere Frage. Wenn man mit viel Suchen 50 Beispiele dafür findet, dass Hunde drei Beine haben, beweist das noch nicht das Hunde in der Regel dreibeinig sind. Ebensowenig beweisen eine Reihe von Beispielen für spektakuläre Selbstheilungsprozesse (Frage: Lässt sich die Kausalität wirklich nachweisen…?), dass dies jedem und bei jeder neurologischen Krankheit gelingen kann. Als Ausgangspunkt für interessante Fragestellungen und Diskussionen taugt das Werk jedoch allemal.

Bernhard Aichner: Totenfrau. Ein dunkler Thriller diese Woche auf Platz 2 der österreichischen Büchercharts: Totenfrau von Bernhard Aichner. Protagonistin ist Frau Blum, die uns zunächst als liebevolle und fast gütige Person vorgestellt wird. Von Beruf Bestatterin ist sie eine hingebungsvolle Mutter mit Humor und Herz. Als ihr Mann – ein Polizist – bei einem Unfall ums Leben kommt, gerät ihr Leben aus den Fugen. Sie selbst sieht, wie ihr Mann überfahren wird und der Täter Fahrerflucht begeht. Als sie durch Zufall herausfindet, dass der Unfall kein Unfall war, sinnt sie auf Rache. Kalt und mit der Präzision einer Maschine prüft sie die Hintergründe und schlägt dann unerbittlich zu. Ingrid Noll schreibt: „Die Totenfrau von Bernhard Aichner ist ein äußerst spannender, atemlos geschriebener Thriller. Ich konnte ihn nicht mehr aus der Hand legen.“ Das ist schon mal richtig. Der Schreibstil ist schnell, geradezu atemlos.

Rick Riordan: Helden des Olymp -das Zeichen der Athene. In Italien begeistert man sich dieser Tage für Riordans dritten Teil von „Helden des Olymp“. Eine alte Prophezeiung weissagt, dass nicht weniger als sieben Halbgötter nötig sind, um den Olymp vor dem Untergrund zu bewahren. Als Annabeth und Percy eintreffen sind die Sieben vollzählig und es geht mit der Argo II, dem Schiff der Helden, ab nach Rom. Doch das wird kein Spaziergang – die Nachkommen der griechischen und römischen Götter waren sich noch nie sehr zugetan und alte Feindschaften kochen wieder hoch. Außerdem hat Annabeth noch einen kleinen Nebenauftrag zu erfüllen, was es auch nicht einfacher macht: „Folge der Athene“ meinte ihre Mutter etwas krypisch, wie Mütter eben so sind. Auf was oder wen wird Annabeth dabei treffen?

Fischer et. al: „1001 Ausflugsziele im Freizeitland Schweiz“ Etwas selbstbezogen diese Woche die Schweiz, mit „1001 Ausflugsziele im Freizeitland Schweiz“ auf Platz 4 der Büchercharts. Praktische Frage für alle Schweiz-Urlauber: Wo finden sich die schönsten Tierparks und die tollsten Schwimmbäder des Landes? Wo gibt’s Themen-Sparzierwege wo die Kleinen wie nebenbei noch was lernen? Oder auch Indoor: Die Schweiz hat auch an regennassen Tagen noch einiges zu bieten. Gerade richtig zur Feriensaison haben Lukas Fischer und seine Mitstreiter hier einen praktischen Ausflugsführer zusammengestellt, der selbst für die Eidgenossen selbst noch den ein oder anderen Geheimtipp parat hat. Mit knapp 30 € ist der schmucke Wälzer allerdings auch nicht ganz günstig. Gut angelegt für jeden, der dort gerne einige Wochen verbringen möchte.

Annabelle Brayley: „Nurses of the Outback“. Der aufsteigende Stern am australischen Bestsellerhimmel kommt im Moment von Annabelle Brayley. Worum geht’s? Die Arbeit einer Krankenschwester ist aufreibend genug, auch schon unter normalen Umständen. Aber wenn man dann noch eine abgelegene Stationierung („Outback“) hinzurechnet, wird es um so schwieriger. Brayley portraitiert 15 couragierte Menschen, die unter diesen Bedingungen hervorragende Arbeit geleistet haben. Zum Beispiel Anna, die nach dem Zyklon Yasi in Georgetown Dienst tat, einer Stadt die von der Verwüstung schwer getroffen wurde. Oder Maureen, die lakonisch von ihren vielfältigen Erfahrungen erzählt: Vom Hubschrauberabsturz bis zum Schlangenbiss hat sie alles gesehen. Oder Aggie, oder Catherine, oder, oder, oder. Inspirierend und ohne falschen Pathos erzählt dieses Buch von Menschen, die alltäglich das Rückgrat des australischen Gesundheitssystems bilden.

„Frank Schätzing: Breaking News“. Breaking News ist in der Spiegel-Bestsellerliste nach wie vor auf Platz 1, bei Focus auf Platz 3: In rasantem und unterhaltsamen Wechsel lässt Schätzing Geschichte lebendig werden, wenn er zwischen Neuzeit und den Ereignissen der vergangenen Jahrzehnten in Israel hin- und herspringt. Mittendrin ein etwas vermurkster aber durchaus wehrhafter Kriegsreporter aus Deutschland, der vom Schin Bet, dem israelischen Inlandsgeheimdienst verfolgt wird und Daten rauszugeben, die er mehr zusammengedichten hat, als das sie ihm wirklich vorlägen. Fatah, PLO, Syrie und Golanhöhen – all die Begriffe die einem so häufig aus den Abendnachrichten entgegen kullern fallen bei Schätzing an den richtigen Ort und die richtige Stelle, so dass auch dem Nicht-Nahost-Experten ein Licht aufgeht, warum dort wer wen bekriegt und welche geschichtlichen Vorbelastungen es gibt. Spannend, gut recherchiert und originell – kein Wunder das das 1000-Seiten-Werk bei den Lesern so gut ankommt.

Anne Gesthuysen: Wir sind doch Schwestern. Merkwürdig: Bei Amazon noch auf Rang 3.000 ist „Wir sind doch Schwestern“ auf Bücher.de im Moment auf Platz 1. Soviel zur Vergleichbarkeit von Rankings. Wie dem auch sei – worum geht es im Buch? Zu Gertruds 100. Geburtstag feiert sie brav Geburtstag anstatt wie manch ein Schwede eine Mordspur quer durchs Land zu ziehen. Es finden sich Katty und Paula ein, die beiden Schwestern. Da geht es dann um jede Menge Vergangenheitsbewältigung die mit viel Eigensinn und meisterhaften Dialogen vollzogen wird. Gegen die Kreislaufschwäche und andere kleinere Alterserscheinungen hilft dann starker Schnaps, noch stärkerer Kaffee und gelegentlich ein Aufreger. Zum Beispiel die Erinnerung an Paulas Mann, der sich irgendwann besann und Männern zuwandte, um Kattys Verehrung für Konrad Adenauer, dem sie in Groupie-Mannier gerne näher gekommen wäre und um Gertruds Liaison mit einem Geheimdienstagenten, den sie versteckte. Anektdote reiht sich an Anekdote und der Leser wird gut unterhalten…

John Green – Paper Towns. Paper Towns ist ein neues, cleveres Buch von John Green, dem Autor von „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“. Im Moment ist es steil in der New York-Times-Bestsellerliste nach oben geschossen. Worum geht’s? Quentin und Margo waren als Kinder unzertrennlich, gingen sich dann auf der höheren Schule geradezu aus dem Weg. Margo jedenfalls gehört zu den „Coolen“ während Quentin sie weiterhin aus der Ferne bestaunt und idealisiert. Eines Nachts steht die „Coole“ allerdings vor Quentins Tür und bittet ihn um Hilfe. Quentin, ganz außer sich vor Freude wieder an ihrem Leben teilhaben zu dürfen, schlägt jede Vorsicht in den Wind und stützt sich in ein sorgfältig inszeniertes Abenteuer. Nach und nach lernt er die echte Margo kennen und versteht, dass ihn Verliebtheit und Distanz Blind gemacht haben für eine Seite von ihr, die er nicht einmal erahnt hat…

David Baldacci: Der Komplize. Was hören die Deutschen eigentlich auf den Autobahnen zwischen Flensburg und Konstanz? Oftmals Hörbücher und da ist im Moment David Baldacci mit seinem Krimi „Der Komplize“ ganz vorne in den Charts des Marktführers Audible. Worum geht’s? Die Kurzgeschichte handelt von Will Robie, einen Auftragsmörder. Und weil auch im Berufsalltag eines Mörders mal unerwartete Komplikationen auftreten, wird Will als Geisel in einem Banküberfall genommen. Und nicht nur er, sondern unter anderem auch Oliver Stone, ein Secret-Service-Mitarbeiter. Alles Zufall? Da drängt sich doch der Verdacht auf, dass die Bankräuber etwas viel Wertvolleres im Auge haben als die Tresore der Sparkasse… Alles in allem über 2 Stunden Unterhaltung für 99 Cent, natürlich gibt’s die Kurzgeschichte auch als eBook, dann für 2,99 €.

Hanni Münzer, Honigtod. Schon seit 99 Tagen unter den Top 100 bei Amazon: Hanni Münzer mit „Honigtod“. Über 400 teilweise euphorische Rezensionen alleine bei Amazon werden sich wohl nicht alle irren… ? Zum Inhalt: 2012 macht sich Felicity, eine junge US-Amerikanerin auf den Weg, um ihre Familienvergangenheit aufzustöbern. Dabei deckt sie Familiengeheimnisse auf und macht sich mit der Geschichte ihrer Großmutter Deborah und – noch weiter zurück – der Urgroßmutter Elisabeth vertraut. Münzer lässt aber nicht nur die Geschichte auf spannende und anschauliche Art wieder aufleben, sie bringt auch eine Liebesgeschichte unter und überrascht den Leser mit mancherlei Wendung.

J. D. Robb – Süßer Ruf des Todes. J. D. Robbs erfolgsverwöhnte Ermittlerin Eve Dallas findet sich gerade auf den vorderen Plätzen der meistgelesenen Bücher vom Club Bertelsmann. Eve Dallas hat sich eigentlich längst mal wieder einen freien Tag verdient. Doch dafür lassen ihr die Ereignisse keine Zeit: Deena McMasters, ein 16-jähriges New Yorker Mädchen wurde erwürgt aufgefunden. Doch Deena McMasters ist nicht irgendwer – sie ist die Tochter des höchsten Anti-Drogen-Polizisten in der Stadt. Ein Video taucht auf und stellt eine Verbindung zu McMasters Vergangenheit her – der Beamte hat selbst ein Verbrechen verübt, für dass er jetzt nach Meinung des Mörders die Rechnung begleichen sollte. Als ein weiterer Mord verübt wird dem ein weiteres Video folgt weiß Eve, dass die Stadtoberhäupter nervös werden – sie muss sich jetzt beeilen, wenn sie einen dritten Mord verhindern möchte. Ein erbittertes Katz- und Maus-Spiel beginnt und Eve hat nur eine Chance: Das der Mörder einen Moment unachtsam wird…

„Kari Köster-Lösche – Die Heilerin von Lübeck“. Im Moment auf Platz 1 der eBook.de-Bestsellerliste: Taleke, eine junge Magd im Jahre 1307 wünscht sich ein besseres Leben. Dieses rückt in greifbare Nähe, als sie den adeligen Nicolaus Parkentin trifft, der sie mit nach Paris zum Medizinstudium nimmt. Natürlich darf sie nicht selbst studieren, doch sie bringt sich in einem autodidaktischen Exzess zuerst das Lesen und dann Kräuterlehre und dann alles andere bei, was eine gute Heilerin braucht. Als sie anfängt ihre Nachbarinnen erfolgreich zu heilen und damit Nicolaus zu übertreffen, ist dieser in seinem Stolz verletzt und trennt sich. Und gleich darauf erkranken die Nachbarinnen, die sie doch eigentlich geheilt hatte alle an der selben Krankheit. Ist es also doch nicht soweit her um ihre Heilkunst oder ist Taleke Opfer einer Intrige? Erst mal erwartet Taleke ein beängstigender Prozess. Die Autorin mit dem ministerialen Doppelnamen, Dr. Köster-Lösche, ist von Haus aus Tierärztin. Bekannt wurde die Autorin mit „Die Hakima“, einem anderen historischen Roman.

Stephen King: Doctor Sleep. Spannend geht’s diese Woche auf dem russischen Büchermarkt zu: Unter den Top 3 der meistgelesenen Büchern findet sich Stephen Kings „Doctor Sleep“. Wer Shining gelesen hat, findet hier die Fortsetzung des King-Klassikers. Auf den US-Highways treibt eine Sekte ihr Unwesen. Äußerlich nicht von dicklichen Touristen zu unterscheiden und unscheinbar wie ein Schluck Wasser, sind sie doch in Wahrheit mörderisch und kennen keinen Skrupel. Sie suchen Kinder, die das Shining haben – denn sie können ewig leben, solange sie nur genügend Nachschub bekommen. In „Doctor Sleep“ trifft der Leser auf alte Bekannte… Dan Torrance etwa, der auch als Erwachsener noch unter dem Einfluss seiner Erlebnisse im Hotel Overlook steht. Aber er ist einer der „Guten“ und setzt seine Fähigkeiten zur Sterbebegleitung ein – daher „Doktor Sleep“. Als er die Sekte entdeckt und sieht, dass sie ein ganz spezielles Mädchen ins Visier genommen haben, begibt er sich in einen letzten Kampf…

Guillaume Musso: „Weil ich Dich liebe“ Hinter dem Buch mit dem recht kitschigen Titel versteckst sich anscheinend ein echtes Kleinod – die Rezensenten überschlagen sich mit Lob und es ist seit Wochen in den französischen Büchercharts. Worum geht es?  Drei Lebensgeschichten stehen im Mittelpunkt dieses knapp 300 Seiten starken Werkes des französischen Ex-Gymnasiallehrers Musso. Da ist einmal Mark, dessen fünfjährige Tochter eines Tages einfach spurlos und ohne jede Chance auf Aufklärung verschwand und der seitdem auf der Straße lebt und außer Alkohol wenig Kalorien zu sich nimmt. Dann ist da Alyson, die Skandalnudel, die aber auch schon genug erlebt hat und die kleine Evie, 15 Jahre alt. Obwohl nach und nach deutlich wird, dass irgendetwas diese drei Lebensgeschichten verbindet – eigentlich spielt auch noch ein alter Freund Marks eine zunehmende Rolle – sieht man erst gegen Schluss, worauf die Geschichte hinausläuft. Anrührend und unterhaltsam.

Michelle Halbheer: Platzspitzbaby: Meine Mutter, ihre Drogen und ich. Etwas Ernstes diese Woche auf Platz 9 der schweizerischen Bestsellercharts: Michelle Halbheer erzählt aus ihrer Kindheit. Ihre Mutter, komplett Heroin- und Kokainabhängig, verkehrte in der Zürcher Drogenszene, dem sog. „Platzspitz“. Keine guten Voraussetzungen für die kleine Tochter, die immerhin schon 10 ist, als die Eltern sich scheiden lassen und sie in die „Obhut“ der denkbar ungeeigneten Mutter kommt. Michelle überlebt nur mit Mühe. Die Behördenmitarbeiter, Lehrer und Ärzte sind nicht bereit sich zu involvieren sondern sehen weg, wenn es drauf ankommt.

Michelle Halbheer macht ihre Biografie öffentlich und zeigt damit, dass es keinen Automatismus gibt; dass sich auch Kinder mit denkbar schlechten Startbedingungen einen Platz im Leben erkämpfen können. Ihr Anliegen ist es, darauf aufmerksam zu machen, dass auch heute in jedem modernen westlichen Land tausende ignorierte Kinder in Suchtfamilien aufwachsen.

Dave Trott: Predatory Thinking: A Masterclass In Out-Thinking The Competition. Sehr amüsant ist in dieser Woche ein fieses kleines Sachbuch von Dave Trott, das in Kanada auf Platz 10 der gerade meistgelesenen Bücher steht: „Predatory Thinking: A Masterclass In Out-Thinking The Competition“. Kleines Beispiel, um welche Art zu denken es hier geht? „Zwei Entdecker laufen durch den Urwald und genießen die Natur. Plötzlich hören sie – ganz in der Nähe – einen Tiger der furchterregend brüllt. Offenbar nicht in guter Stimmung. Einer der beiden Entdecker kniet sich hin, nimmt in aller Ruhe Laufschuhe aus dem Rucksack und beginnt damit, diese anzuziehen. Der zweite Entdecker meint: „Spinnst Du? Denkst Du, Du kannst schneller laufen als ein Tiger? Idiot.“ Der andere erklärt in aller Ruhe: „Ich muss nicht schneller sein als der Tiger. Ich muss nur schneller sein als Du“. Und rennt los…

Diese kleine Anekdote macht ziemlich deutlich, um was es Dave Trott geht. Agressive und unangepasste Strategien bei scheinbar „unlösbaren“ Problemstellungen; notfalls auf Kosten der Konkurrenz – Darwin 2.0. Seine herausragende Karriere als Creativdirektor und Gründer wichtiger Werbeagenturen gibt ihm die Autorität, bei diesem Thema mitzureden – meint jedenfalls der Klappentext.

George Martin: „Der Heckenritter von Westeros: Das Urteil der Sieben“. Bei George Martin gehen die Meinungen auseinander. Die Italiener sind sich diese Woche aber ziemlich einig: Martin kommt mit seinem Heckenritter gut an und belegt den fünften Platz des Amazon-Bücherrankings. Worum geht’s? Dunk, eigentlich nur ein Knappe, nimmt seines verstorbenen Herrn Schwert in die eigene Hand. Denn er muss nur an einem Turnier erfolgreich teilnehmen, schon steigt er selbst zum Ritter auf und macht Karriere, denkt er sich. Immerhin hat er die Kampfeskunst gelernt und weiß ganz gut mit dem Schwert umzugehen. Doch zum „Ritterwerden“ gehört anscheinend mehr, als sich Sir Duncan zu nennen, denn die Welt der hochwohlgeborenen Elite ist ihm noch recht fremd. Bald macht er sich mindestens so viele Feinde wie Freunde…

Nick Hornby „A Long Way Down“. Jetzt auf Platz 1 der indonesischen Bestsellerliste: Nick Hornbys „A Long Way Down“. Für uns eigentlich ein alter Bekannter: In Hornbys, vom schwarzen Humor gekennzeichneten Büchlein geht es um vier Personen, die sich an Silvester alle auf einem Londoner Hochhausdach versammeln, um sich das Leben zu nehmen. Zuerst sind alle wenig begeistert. Wie soll man sich umbringen, wenn gleich drei Leute dabei zusehen? Beziehungsweise später dann zwei, eins…

Nach einigem hin und her wird ein Pakt geschlossen: Als neuer Selbstmordtermin wird der Valentinstag verabredet. Bis dahin sind es noch gut sechs Wochen in denen versucht wird, dem jüngsten Mitglied der Gruppe zu helfen. Nach und nach werden die Geschichten der vier Unglücksraben erzählt: Die von Jess, der widerborstigen Politikertochter; von JJ, der von seinem Kumpel und Bandkollegen hängen gelassen wurde; von Martin, dem Ex-Fersehtycoon, den keiner mehr sehen will und von Maureen, die mit der Belastung über die Pflege ihres schwerbehinderten Sohnes schon lange nicht mehr zurechtkommt. Am Ende, wie könnte es anders sein, helfen sie sich gegenseitig. Hornbys schwarzer Humor ist legendär und „A Long Way Down“ ist originell, witzig und oft auch rührend.

Silver Linings von Matthew Quick; Endlich verdrängt in Brasilien jemand die „Fifty Shades“ aus den Buchcharts: Matthew Quick mit „Silver Linings“. Worum geht’s? Pat, frisch aus der Psychatrie entlassen (er selbst spricht nur von dem „schlimmen Ort“), möchte seine Frau Nikki zurückgewinnen. Allerdings gestaltet sich das schwierig, denn er bekommt sie nicht zu Gesicht. Tiffany dagegen, die verwitwete Schwägerin seines besten Kumpels kann er sich kaum vom Leib halten. Sie ist depressiv und nymphoman und das Pat außer Sport und seiner Nikki keine anderen Interessen mehr hat, hebt ihre Laune auch nicht. Dabei wird es mit Nikki wohl eher schwierig werden, was sich aber erst im Buchverlauf zeigt.

Doch allmählich werden aus zweien, die als „Damaged Goods“ gelten, gute Freunde. Und vielleicht mehr? Wer den Film noch nicht kennen sollte: Er gewann einen Golden Globe und war acht mal für den Oscar nominiert.

Carol Rifka Brunt: Tell the Wolves I’m Home. Heute auf Platz 2 der britischen Büchercharts: „Tell the Wolves I’m Home“, ein Debütroman von Carol Rifka Brunt. Und die Geschichte geht so: Die vierzehnjährige June Elbus fühlt sich von der ganzen Welt unverstanden – fast. Denn die eine Ausnahme ist ihr Onkel, der Künstler Finn Weiss. In der Schule ist sie schüchtern und introvertiert, mit ihrer älteren Schwester versteht sie sich nicht mehr. Nur in Finns Gegenwart fühlt sie sich rundum wohl – er ist ihr Vertrauter, Ratgeber und Freund. Um so härter trifft es sie, als er – viel zu jung und unter wenig plausiblen Umständen – stirbt. Bei der Beerdigung bemerkt June einen verdächtigen Mann, der sich wie zufällig in der Nähe der Trauergemeinde aufzuhalten scheint. Einige Tage später erhält sie ein Paket von eben diesem Mann – es enthält eine Teekanne aus Finns Wohnung und eine Einladung zu einem Treffen. Was weiß er über Finns plötzlichen Tod?

Wenn man Oprah Glauben schenken darf, gehört das Buch zu den Tipps des Jahres 2012. Die Briten scheinen es eher zum Buch des Jahres 2014 zu machen. „People“ und das „Wall Street Magazine“ überschlagen sich ebenfalls vor Lob.

Veronica Roth: Die Bestimmung. Tödliche Wahrheit. Jetzt auf Platz 7 der französischen Amazon-Bestsellerliste: Veronica Roths Band 2 von „Die Bestimmung“. Für den ersten Band von „Divergent. Die Bestimmung“ hat sich ja schon unsere Rezensentin Lisa stark gemacht, die Franzosen heben jetzt den zweiten Band aufs Treppchen.

Worum geht’s überhaupt? In einer ungewissen Zukunft ist jede Sicherheit perdu und Selbstverantwortung oberste Bürgerpflicht. Der Feind sind die Ken, die Altruan die Freunde. Im Krieg zwischen den sogenannten Fraktionen muss Tris schauen, dass sie nicht auf der Strecke bleibt. Und ihr gelingt mehr als das. Als „Unbestimmte“ kommt ihr eine besondere Rolle zu. Wird sie Leben retten können?

Daniel Glattauer: Die Wunderübung: Eine Komödie. Diese Woche in den österreichischen Bestsellerlisten: Glattauers „Die Wunderübung“. Joana und Valentin – beide Akademiker jenseits der 30, frustriert und rhetorisch in Kampfhaltung – sind beziehungsmäßig ganz unten angelangt. Tief, tief unten. Auch der Paartherapeut kann nichts mehr ausrichten, vor allem weil er offenbar so seine eigenen Probleme hat. Joana weiß immer schon, was Valentin sagen möchte und lässt ihn erst gar nicht zu Wort kommen. Er dagegen lässt sie emotional abblitzen.

„Die Wunderübung“ ist ein knappes Büchlein für einen Abend. Es hat wenig mehr als hundert Seiten und umfasst auch nur so ungefähr eine Therapeutenstunde. Es enthält praktisch nur Dialoge, darin ist Glattauer der Meister, nachdem schon sein eMail-Dialog-Buch von 2006 („Gut gegen Nordwind“) ein großer Erfolg war. Am Ende hilft dem Paar vielleicht nur noch die „Wunderübung“…

Jeffrey Archer: Be Careful What You Wis For. Diese Woche in den indischen Bestsellerlisten: Jeffrey Archer. Es geht um Harry Clifton und seine Frau Emma, die ins Krankenhaus eilen um sich nach dem Zustand ihres Sohnes Sebastian zu erkundigen – sie wissen bislang nur, dass jemand gestorben ist. Doch wer? Sebastian oder sein Beifahrer Bruno?  Unterdessen ergattert die Adoptivtochter in London ein Stipendium, wird jedoch von ihren studentischen Verpflichtungen durch Clive Bingham abgelenkt, der ihr einen Antrag macht.

Unterdessen gerät das Familienunternehmen, Barrington Shipping, in Schifflage – mächtige Gegenspieler versuchen, den Konzern gegen die Wand fahren zu lassen. Ein erbitterter Streit um den Chefposten und die Zukunft der Familie entbrennt… Tja, alles in allem sowas wie der Denverclan, nur als Buch. Keine große Literatur, aber doch unterhaltsam.

Jeffrey Brown: Star Wars. Vaders kleine Prinzessin. Total witzig und diese Woche auf Platz 10 der spanischen Buchcharts: Jeffrey Browns Insider-Scherze über das Vater-Tochter-Verhältnis vom dunklen Lord und seiner kleinen Leia. Allerdings: Es kann nicht schaden, den eigentlichen Film zu kennen. Denn das Leia bei Taschengeldverhandlungen irgendwann Onkel Ben mit den Worten hinzuzieht: „Helf mir, Obi Wan Kenobi. Ihr seid meine letzte Hoffnung“, ist nur witzig, wenn man die Vorlage kennt.

Eher schwierig wird das Vader-Tochter-Verhältnis, als Leia in die Pubertät kommt und die ersten Jungs mit nach Hause bringen möchte. Als sie den jungen Raumfahrer Han Solo anschleppt und derweil allerlei knappe Outfits und schräge Frisuren ausprobiert, erwägt Vader kurzerhand, den ein oder anderen Boyfriend in Carbonid einzufrieren. Verständlich, wenn ihr mich als Vater zweier Töchterchen fragt…:) Jedenfalls ist dem Comiczeichner Brown damit etwas sehr amüsantes gelungen und die Spanier haben völlig recht, nach dem Vorgängerwerk „Vader und Sohn“ (Luke…) nun auch das Töchterchen auf’s Bestsellertreppchen zu heben.

Alain de Botton: The News. A Users Manual. Gerade auf Platz 2 der australischen Bestsellerliste: Alain de Botton, der schweizerisch-britische Allzweckphilosoph. Nach Büchern wie „Versuch über die Liebe“ und „Wie man richtig über Sex denkt“ widmet er sich jetzt den „News“, denen wir uns Botton zufolge mit einer Inbrunst widmen, wie sie früher der Religion vorbehalten war. Immer allgegenwärtig – seit dem wir alle unentwegt auf unsere Smartphones starren, mehr denn je.

Was haben uns die Nachrichten zu bieten? Warum interessieren wir uns mehr für Katastrophen und Desaster, als für positive Nachrichten? Und was fasziniert uns so sehr daran, wenn Mitglieder der gesellschaftlichen Elite zu Fall kommen? Mit einer gewissen Flughöhe, jenseits der Aufgeregtheiten die eine aktuelle Debatte mit sich bringt, betrachtet der Autor aus der Metaperspektive die Fallstricke, die ein unreflektierter Umgang mit den Medien mit sich bringt.

Donna Tartt: Der Distelfink. Im Moment auf Platz 6 der NYT-Bestseller: Donna Tartt. Als Theo Decker dreizehn ist, besucht er mit seiner Mum ein Museum in New York. Sein Vater hat die Familie längst verlassen, also ist die Mutter sein ganzer Halt. Doch dieser Tag wird sein Leben für immer verändern. Bei einem furchtbaren Unglück kommt Theos Mutter ums Leben. Er verliert sich daraufhin in einer Spirale aus Trauer und Depression, die ihn lange gefangen hält.

Doch seit dem Ereignis hat er einen ständigen Begleiter: Das Gemälde, das damals eine Rolle spielte, das sich nun unrechtmäßig in seinem Besitz befindet, und von dem eine merkwürdige, ungute Kraft auszugehen scheint. Theo droht in eine kriminelles Milieu abzurutschen und abermals spielt das Kunstwerk eine negative, aber schwer greifbare Rolle…

Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. Dieses Buch ist uns kein unbekanntes; um so erfreulicher, dass es diese Woche auf Platz 6 der französischen Bestsellerlisten gelangt ist. Zur Handlung selbst muss wohl nicht mehr viel gesagt werden: Es geht um die Liebesgeschichte von Tomas und Teresa vor dem Hintergrund des Prager Frühlings. Tomas flüchtet derart in sexuelle Eskapaden, das er zum Kuriositätensammler wird, aber gut. Die Prager Zeitung preist Kunderas Werk und spricht von glänzenden Dialogen und wohl dosierter Empathie. Die neue Zürcher ZEetung spricht von einem intellektuellen Feuerwerk, in welches sich auch „Raketen (…) der Sinnlichkeit mischen“. Ob es sich um „Romeo und Julia des 20. Jahrhunderts“ handelt, wie die Süddeutsche meint, oder ob das dann vielleicht doch eine Übertreibung ist – ein jeder urteile selbst.

Michael Lewis: Flash Boys. Platz 1 der kanadischen Bestsellerliste. Was liest man so in Kanada in dieser Woche? „Flash Boys“, schon ein großer Erfolg in den USA ist mit Wucht über die Landesgrenze geschwappt und erobert die Leser im Sturm. Es ist wunderbar geschrieben und es gelingt Lewis, einen komplexen Gegenstand anschaulich und auch für Nicht-Wall-Street-Experten greifbar zu machen. Eigentlich ein Sachbuch erscheint das Werk manchen Beobachtern romanhafte Züge zu tragen. Wir sagen: Solange es nicht dem Wahrheitsgehalt abträglich ist, kein Problem. „Wer eine gute Gechichte zu schätzen weiss“, so meint eine Rezensentin, „der wird nicht enttäuscht sein“. Wir könnten auch versucht sein, Malcolm Gladwell glauben zu schenken, der meinte, Lewis sei „the finest Storyteller of our Generation!“. Na wer weiß. Der schlechteste ist er jedenfalls nicht.

James Patterson: Unlucky 13: (Women’s Murder Club 13). Mal wieder Lust auf was spannendes? Diese Woche auf Platz 10 der australischen Charts: Pattersons „Unlucky 13“. Das Buch beginnt mit einem toten Paar im Auto (Unlucky indeed…), infolge einer Bombenexplosion nach einem Besuch im Burgerladen ist nicht mehr so viel von beiden übrig. Cindy, Pattersons altbekannte Reporterin begiebt sich auf die Jagd nach dem Mörder.

„Bookreporter.com“ schreibt, wer die Women’s Murder Club-Reihe nicht kennt, betrügt sich selbst… Etwas weniger dramatisch aber immer noch voll des Lobes ist Larry King, der „Harald Schmidt“ der USA, der meint, man könne ein Buch von Patterson kaum aus der Hand legen.

Wolfgang Koydl: „Die Besserkönner: Was die Schweiz so besonders macht“. Auf Platz 1 der Schweizer Bestsellerliste im Moment: Wolfgang Koydls Lobgesang auf die Eidgenossen. Für 14,95 € versammelt er Intellektuelle und weniger Intellektuelle wie Peter von Matt, Martin Walser, Allain de Botton und Christoph Blocher um der Frage nachzugehen, warum dieses kleine Volk in der Mitte Europas zu hübsch erfolgreich ist. Vergleichen kann der Autor dabei durchaus: Als Journalist lebte und arbeitete Koydl in so verschiedenen Ländern wie England, Österreich, Ägypten, Sowjetunion, der Türkei, USA und natürlich in der Schweiz.

Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak. Der charmante Roman ist im Moment sowohl auf Platz 1 der Bestsellerliste von Australien als auch von Großbritannien. Worum gehts?
1939 nahe München in Nazideutschland: Die kleine Liesel wohnt bei Pflegeeltern und beobachtet, wie Juden nach Dachau „ziehen“. Und sie erlebt Fliegeralarm und Bomben. Doch sie überlebt. Eines Tages nimmt sie ein Buch, das sie im Schnee findet. Später rettet sie eines aus dem Feuer und so nimmt die Geschichte seinen Lauf…

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