George R. R. Martin: „Die Saat des goldenen Löwen“

Rezension von Mona zu Band 4 der „Das Lied von Eis und Feuer“ Reihe

„Ich bin mir nur zweier Dinge sicher: Der Winter wird kommen und die Schlacht“ (S. 192)

martin löwenWar sein Vorgänger noch verhältnismäßig ruhig, so trumpft der vierte Band der „Das Lied von Eis und Feuer“ Reihe mit Intrigen, Action und vor allem einer enormen Portion Spannung auf. Es wird königlich gespeist und gleichzeitig gehungert, sich geliebt und dennoch gehasst und man vermag Freund von Feind nicht zu unterscheiden. Mit einem fulminanten Ende verabschiedet sich Band 4 vom Leser und lässt ihm keine ruhige Minute, ehe er weiß, wie die Geschichte weitergeht.

Im Großen und Ganzen geht es auch in diesem Band um den Bürgerkrieg, der Westeros entzweit oder gar geviertelt hat, denn mittlerweile kann das Königreich 4 Könige aufweisen. Renly und Stannis Baratheon wollen – als vermeintlich rechtmäßige Erben, beide den Anspruch auf den Eisernen Thron geltend machen, betiteln sich allerdings schon jetzt als Könige. Robb Stark hingegen, der von seinen Anhängern als König des Nordens gefeiert wird, sinnt nach Blutrache für seinen zu Unrecht ermordeten Vater.

Und der Kindskönig Joffrey Lennister spielt weiterhin seine perversen Machtspiele. Gerade zur rechten Zeit wird sein Onkel Tyrion, auch als der Gnom bekannt, stellvertretend für seinen Vater zur rechten Hand des Königs ernannt und bremst seine machthungrigen Verwandten in ihren oft blinden Taten. Mögen seine Absichten auch fragwürdig sein, so ist Tyrion meiner Meinung nach dennoch das Herz- (und Hirn) stück dieser Geschichte. Ohne sein Zutun hätte alles vermutlich viel katastrophaler geendet, als es tatsächlich der Fall war.

„Besser als grausam gelten denn als töricht.“ (S. 286) – Tyrion Lennister

Wie üblich wird jedes Kapitel aus der Sicht eines anderen Charakters erzählt. In diesem Band haben wir erstmals die Sicht eines „neuen“ Charakters – Davos, ein Berater Stannis Baratheons. Dieser wird benötigt, um Stannis Charakter und vor allem seine Absichten mit einer gewissen Distanz zu beleuchten. Obwohl mir beides bislang immer noch nicht vollständig klar ist, denn der Autor weiß es Spannung aufrecht zu erhalten! Im Zuge dessen tauchen auch immer mehr Fantasyelemente auf.

Wer allerdings, wie ich, Schwierigkeiten mit Fantasyliteratur hat, der soll sich hier bitte nicht abschrecken lassen. Denn in Bezug auf das komplette Lied von Eis und Feuer Universum ist es immer noch nur ein Bruchteil und nicht der Hauptbestandteil der Geschichte. Und bis auf Daenerys Drachen sind es keine Fantasyelemente im klassischen Sinne (soweit ich das beurteilen kann), sondern teilweise ein wenig abstrus. Wie auch immer man dazu stehen mag, ich finde, die fantastischen Elemente bereichern die Geschichte, ohne sie zu überladen.

Wer die Vorgängerbände gelesen hat, der weiß, dass George R. R. Martin ein sehr begnadeter Autor ist mit einem extrem mitreißendem Schreibstil und der Fähigkeit, dem Leser seine Vorstellungen mitten in den Kopf zu pflanzen! Das hat sich natürlich auch hier nicht geändert. Was mir außerdem unheimlich gut gefällt, ist das Talent des Autors, den Leser an der Nase herumzuführen und ihn an dem Gelesenen zweifeln zu lassen. Es gab bspw. eine Szene mit Bran Stark, die mich durchgehend beschäftigt hat und ich in jedem Satz nach Hinweisen gesucht habe, ob dem Geschehenen zu trauen sei oder nicht.

Dieses Katz- und Maus Spiel hat mich unglaublich aufgewühlt und gleichzeitig wahnsinnigen Spaß gemacht!

Ein klarer Pluspunkt dieser Geschichte ist neben den Charakteren an sich ihre Entwicklung. Die größte Entwicklung machen meiner Meinung nach Tyrion Lennister und Arya Stark durch. Der eine der größte Strippenzieher und neues Hassobjekt der Gesellschaft, die andere ein hasserfülltes Kind, das zum Tötungsinstrument wächst. Beide Charaktere sind genauso unterschätzt wie gefährlich. Auch Sandor Clegane wurde mir zum ersten Mal als eine Figur mit einer Geschichte präsentiert, auf welche ich unglaublich gespannt bin.

„Wenn es Götter gibt, haben sie Schafe gemacht, damit Wölfe sie fressen, und sie haben die Schwachen gemacht, damit die Starken mit ihnen spielen können.“ (S. 307)

Fazit

Nach einem verhältnismäßig ruhigen dritten Teil folgt dieser spannungsgeladene Band, der Westeros ziemlich aufmischt und einen Band 5 kaum erwarten lässt!

 

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