Günter Grass „Katz und Maus“

Zusammenfassung, Infos und Rezension.

Autor: Beste Bücher

Inhalt:

Müsste man die Handlung mit einem Wort beschreiben, so wäre es „Kompensation“. Die Suche nach Kompensation ist die bestimmende Handlung des zweiten Teils von Günter Grass’ sog. Danziger Trilogie. Der Gymnasialschüler Mahlke hat einen besonders großen, besonders auffälligen Adamsapfel.

Dieser äußerliche Makel, der ihn zur Zielscheibe des Gespötts seiner Mitschüler macht, treibt ihn immer wieder zu sportlichen Höchstleistungen und Rekorden, auch zu besonders riskanten Leistungen an. Zunächst, indem er besonders erfolgreich in Wracks taucht, später als dekorierter Soldat. Alles zum Zwecke der Kompensation. Kompensation ist es auch, die in dazu antreibt, eine besondere Auszeichnung anzustreben – das Ritterkreuz. Vom Autor Grass stets verunglimpfend, verniedlichend als „Ding“, „Bonbon“, als „Artikel“ u. ä. bezeichnet.

Trotz aller Erfolge bleibt Mahlke am Ende eine Auszeichnung verwehrt: Vor seinem alten Gymnasium sprechen zu dürfen. Der Abgang Mahlkes – hier soll er nicht verraten werden – ist furios, tragisch, dramatisch.

Rezension:

In Günter Grass’ „Katz und Maus“ erzählt Heinrich Pilenz den Werdegang seines Mitschülers Joachim Mahlke, rückblickend, aus der Ich-Perspektive.

Der Antrieb des Erzählers liegt in nachhaltigen Schuldgefühlen, hat er sich doch einst an der Verunglimpfung seines Mitschülers beteiligt. Mahlke schafft es Zeit seines Lebens nicht, dem „Grundsetting“ zu entfliehen, dass in seiner Jugend gesetzt wurde und ihn Zeit seines Lebens nach  Kompensation, ja Überkompensation streben ließ.

Erzählerisch ist Grass in „Katz und Maus“ gewohnt deftig und sarkastisch, wie man es schon aus der „Blechtrommel“ kennt. Da muss man schon Berichte über Onanierolympiaden ertragen. Auch die Lächerlichkeit, mit der das Ritterkreuz behandelt wird, sagt insbesondere in konservativen Kreisen nicht jedem zu.

Grass greift zu auffälligen Stilmitteln, wenn er etwa eine lakonische Schülersprache vergangener Tage aufleben lässt und diese gewissermaßen gegen die pathetischen Äußerungen der im Buch vertretenen Autoritätspersonen antreten lässt. Überhaupt lässt er Autoritäten in „Katz und Maus“ nicht besonders gut wegkommen. Floskeln werden in Wortschlangen gefasst („Jenedienachunskommen …“) und damit die Leere, die Sinnentleertheit der mit dem erhobenen Zeigefinger einhergehenden Glaubenssätze dokumentiert.

Infos:

  • Katz und Maus ist auch ein deutscher Spielfilm aus dem Jahre 1967, er entstand aus der gleichnamigen Novelle von Günter Grass.
  • Das Gymnasium „Conradinum“ in Danzig gab es tatsächlich, Günter Grass war dort Schüler. Eine Identität mit dem Erzähler besteht gleichwohl nicht.
  • 1961 wurde bei der Bundesprüfstelle beantragt, „Katz und Maus“ wegen unsittlichen Inhalts zu indizieren, begründet mit „pornographischen“ Inhalten, wie der Onanierolympiade.
  • Hans Magnus Enzensberger: „Unerreichbar und unerschöpflich, doch deutlich wie Vineta in der Flut, liegt Danzig auf dem Grund dieser Prosa da“.
  • In der dtv-Ausgabe 192 Seiten; in der Ausgabe der Süddeutschen Zeitung 142 Seiten.

Weitere Buchbesprechungen von Günter Grass:

Unsere Bewertung:

Historischer Wert: 4

Spannung: 4

Lesefreundlichkeit: 3

Ratgeber: 3

Muss-man-gelesen-haben: 5

(1= Kaum zutreffend / 5 = Besonders zutreffend)

Ein Gedanke zu „Günter Grass „Katz und Maus““

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.