Joshua Palmatier – „Die Assassine“

Rezension von Lisa

Inhalt

Die Elendsviertel der Stadt Amekor sind ein raues Umfeld, in dem das Recht des Stärken Vorrang hat und jeder auf sich selbst gestellt ist. Das weiß auch die 14-jährige Varis, die dort ein trauriges Dasein als obdachlose Waise fristet. Ihr Leben ist geprägt von Armut, Hunger und vor allem Gewalt.

Als sie eines Tages aus Selbstverteidigung einen Mann tötet, nimmt ihr Leben jedoch eine einschlagende Wendung. Denn jener Mann wurde auch von Erick – einem Assassinen im Dienste der Regentin – gesucht. Beeindruckt von Varis‘ Geschick beschließt er, ihr die Fähigkeiten eines Mörders zu lehren. Dabei ahnt er zu Anfang nichts von Varis‘ besonderer Gabe: sie kann die wahren Absichten eines Menschen mit Hilfe ihrer Sicht erkennen.

Atmosphärischer Auftakt der Thron Trilogie

Der Roman wird vom Verlag als All-Age-Fantasy ausgeschrieben, jedoch trifft dies meiner Meinung nach nur bedingt zu. Im Gegensatz zu Trudi Canavans Gilde Der Schwarzen Magier oder Alison Croggons Büchern von Pellinor geht es hier ungleich blutiger und ungehobelter zu.

Zudem enthält der Roman nur wenige fantastische Elemente. Varis kann zwar in den ‚Fluss‘ eintauchen, eine Art Sicht, die es ihr befähigt, unmittelbar gefährliche Personen zu erkennen, aber das war es dann auch schon mit der Magie. Auf fantastische Wesen wie Elfen oder Zwerge wird man in den Gassen Amenkors (zum Glück!) ebenfalls nicht treffen. Zum Glück? – Ja, denn das wäre hier Fehl am Platze und würde nur von dem Kern der Geschichte ablenken.

Palmatiers Stärke ist es, die Geschichte der verwaisten Protagonistin ungeschminkt und ohne viel Kitsch dem Leser näher zu bringen. Das Schicksal der jungen Varis berührt, wirkt jedoch niemals Mitleid erheischend. Ihr Leben auf der Straße wird realistisch geschildert und der Autor scheut auch nicht davor, seine Protagonistin negativ darzustellen: Varis klaut, ihre Kleidung starrt vor Dreck und sie muss sich, um nicht zu verhungern, ihre Nahrung sogar aus dem Müll holen. Trotzdem hätte sich der Autor mit den Beschreibungen manchmal auch zügeln können; ich will nicht immer lesen, das Varis sich nach jeder zurückgelegten Straßenecke übergeben muss ;).

Die Kampfszenen in dem Buch sind spannend und realistisch beschrieben, denn auch sie zeigen, dass Varis trotzt ihrer Gabe kein ‚Übermensch‘ ist, der mit allem und jedem ohne Probleme fertig wird. Erfrischend anders, da es genügend Buchcharaktere gibt, die perfekt sind und denen (fast) alles gelingt. Die Figur der Varis ist gut entwickelt, jedoch ist das längst nicht bei allen Personen der Fall. Gegenüber der starken Ich-Erzählerin(ja, das Buch ist in der Ich-Perspektive geschrieben!) der Geschichte wirken die anderen Charaktere irgendwie blass und austauschbar. Mir persönlich fehlte auch die Entwicklung der Nebenfiguren, weshalb ich dem Buch u.a. auch keine 5 Sterne gebe.

Fazit

Joshua Palmatier schafft es mit seinem Debüt, eine packende und atmosphärische Geschichte rund um das von Armut und Verlust geprägte Leben der Waise Varis zu spinnen. Ich bin gespannt, wie es nach dem überraschenden Ende des ersten Bandes mit Varis weitergeht und werde mir mit Sicherheit auch die beiden nächsten Teile Die Regentin und Die Kämpferin zulegen.

Lisas Bewertung: 4 von  5 Sternen!

(Lisas Bewertungssystem: (1 = Zeitverschwendung, 2 = Nicht mein Fall, 3 = Okay, 4 = Überdurchschnittlich Gut, 5 = Lieblingsbuch)

 

Redaktion von Beste Bücher

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.