Julianna Baggott – „Pure“

Rezension von Lisa

Burn a Pure and Breathe the Ash..

Inhalt

Eine amerikanische Stadt, neun Jahre, nachdem die Bomben fielen. Majestätisch thront die Kuppel des Kapitols über den Trümmern – in ihr leben die Reinen, die Makellosen. Sie wurden auserwählt, eine neue, bessere Menschheit zu begründen. Unten in der Stadt kämpfen alle Übrigen ums Überleben. Auch die 16-jährige Pressia hat es schwer, sich und ihren Großvater durchzubringen. Und dann soll sie auch noch eingezogen werden, um für das grausame Militärregime zu arbeiten, das Angst und Schrecken in der Stadt verbreitet. Als sie den Verschwörungstheoretiker Bradwell kennenlernt, scheint das zunächst ihre Rettung zu sein. Er kennt den Untergrund und hilft ihr, unterzutauchen. Doch dann wird sie erwischt …

Auf den ersten Blick

Wie kann man dieses Cover nicht gut finden? ;D Es ist geschmackvoll, ansprechend und hebt sich positiv von den anderen quietschbunten, überladenen Jugendbuch-Covern ab.

Düster, verstörend und garantiert unvergesslich

Zuallererst muss angemerkt werden, dass der Klappentext dem Buch nicht gerecht wird. Nach dieser Inhaltsangabe hätte ich zweifelsohne nur wieder die typische „Mädchen trifft Junge und beide stürzen mit vereinten Kräften das totalitäre System“ Geschichte erwartet. Aber nein! Pure ist zum Glück anders – sehr viel anders… Nach den ganzen innovationslosen, weichgespülten, vor Kitsch triefenden Standard Dystopien wurde es endlich mal wieder Zeit für einen richtigen Endzeitroman. Ist Pure düster? Von der ersten bis zur letzten Seite. Schonungslos und unerbittlich? Sicherlich. Komplex? Zweifellos. Angsteinflößend? Gewiss. Verstörend? OH JAA!

Nach einem nuklearen Bombenanschlag ist die Welt ein anderer Ort. Die Mächtigen und Reichen haben sich hinter ein großen Kuppel verschanzt, wohingegen der Rest der Bevölkerung draußen einen knallharten Überlebenskampf führt. Die Bomben haben die DNA sämtlicher Lebewesen verändert und groteske Mutationen hervorgerufen. Tier und Mensch sind wortwörtlich mit dem verschmolzen, was sich zum Zeitpunkt der Explosion in ihrer Nähe befand – Glas, Plastik, Metall, Stein oder sogar anderen Lebewesen. (Die Protagonistin Pressia hat zum Beispiel einen Puppenkopf in ihre rechte Hand fusioniert oO ) Auf der imaginären Bizarrheits-Skala befinden sich diese Deformationen ziemlich weit oben und daher ist es wohl unnötig zu erwähnen, dass der Roman nur bedingt für Leser mit schwachen Nerven geeignet ist…
Genau diese düstere, surreale Atmosphäre macht nämlich den Reiz von Pure aus! Wären da nicht einige Störfaktoren gewesen, hätte ich dem Buch ohne Zweifel noch eine höhere Wertung als die gegenwärtigen 4 Sterne gegeben….

Die Geschichte braucht lange Zeit, bis sie in Fahrt kommt und der Lesefluss wird zuweilen durch langatmige Dialoge gebremst. Auch die vier unterschiedlichen Perspektiven und die Zeitform (Präsens) dürften nicht jedermanns Geschmack sein. :/ Zwei der Protagonisten (nämlich die beiden Pures Partridge und Lyda) waren mir im Vergleich zu den anderen Figuren zu blass und farblos. Vielleicht ändert sich das in den nächsten zwei Bänden ja noch. 😉

Der Endzeit-Roman, mit dem sich Pure noch am ehesten vergleichen ließe wäre Ashes von Ilsa J. Bick. Hinsichtlich des Inhaltes ähneln sich die beiden Bücher gar nicht mal so sehr. Der Erzählstil – also die Art, wie die Geschichte dem Leser präsentiert wird – ist aber vergleichbar. Beide Romane sind schnörkellos und ungeschönt geschrieben, sparen nicht an brutalen oder grotesken Szenen, besitzen einen düsteren Grundtenor und haben mit dem üblichen, oberflächlichen Kitsch der Jugendbücher nichts am Hut. Die Romantik wird nicht zum Hauptbestandteil der Handlung, sondern bleibt dezent im Hintergrund (und das ist gut so!) Die Charaktere sind stark, abgehärtet und für ihr Alter ziemlich reif – mit den gängigen Teenagerproblemen muss man sich in diesem Buch also garantiert nicht herumschlagen!

Fazit

Bis auf den teilweise etwas trägen Schreibstil, die Perspektivenwechsel und die schwächelnde Charakterisierung bei zwei der Schlüsselfiguren bescheinige ich Pure Bestseller-Format. Julianna Baggott hat einen atmosphärischen, düsteren und schauerlichen Endzeit-Roman geschrieben, den man garantiert nicht so schnell vergessen wird! Gerade für ältere Jugendliche ab 16 und bereits erwachsene Leser dürfte Pure damit eine Empfehlung wert sein.

Lisas Bewertung: 4,0 von 5 Sternen!

(Lisas Bewertungssystem: (1 = Zeitverschwendung, 2 = Nicht mein Fall, 3 = Okay, 4 = Überdurchschnittlich Gut, 5 = Lieblingsbuch)

Infos

Titel: Pure
Übersetzung: Memento – Die Überlebenden

Autor/in: Julianna Baggott
Reihe: Pure #1
Genre: Dystopie, Endzeit
Zielgruppe: All Age
Verlag: Grand Central Publishing
Format: Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag, 435 Seiten
Erscheinungsdatum: 08.02.12
Preis: 14,95€
ISBN: 1455503061

 

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