Lauren DeStefano – „The Chemical Garden Trilogy: Wither“

Rezension von Lisa

Inhalt

Vor ungefähr 70 Jahren haben Wissenschaftler einen Weg gefunden, Krebs, AIDS und andere Krankheiten einzudämmen. Da die erste Generation danach gesund bis ins hohe Alter lebte, konnte niemand ahnen, welche Folgen dieses Experiment haben würde: alle später geborenen Männer sterben mit 25 und alle Frauen sogar schon mit 20.  

 Um die Menschheit zu erhalten werden junge Frauen entführt und zu polygamen Ehen gezwungen. Dieses Schicksal ereilt auch die 16-jährige Rhine, die sich zusammen mit zwei anderen Mädchen plötzlich an der Seite eines Ehemanns und in einer Welt voller Reichtum und Luxus wiederfindet. Rhine hasst ihr neues Leben und sie wünscht sich nichts sehnlicher, als wieder Zuhause bei ihrem Zwillingsbruder zu sein. Zusammen mit dem Diener Gabriel plant sie deshalb die Flucht…

Rezension

wither_destafanoEin Buch über das man mit Sicherheit noch reden wird!  Was als erstes auffällt ist das wunderschöne Cover, bei dem die Grafiker wirklich ganze Arbeit geleistet haben. Ein echter Blickfang; schon die ganze Gestaltung des Buches schreit: ‚Ich bin etwas Besonderes!‘ Und ja, in der Tat, Wither ist ein Buch, dessen Inhalt man nicht so schnell vergessen wird.

Die Welt in der Rhine lebt ist grausam und schnelllebig, und ich wollte mit keinem ihrer Bewohner tauschen wollen. Die Tatsache, das ein 13-jähriges Mädchen Kamasutra liest und von ihrem 8 Jahre älteren Ehemann schwanger wird ist furchteinflößend, ja gerade zu abartig und dreht einem beim Lesen irgendwie einen Knoten in den Magen. Das Ganze macht um so mehr traurig, wenn man bedenkt, dass es im arabischen Raum immer noch Zwangsehen gibt, bei denen Minderjährige von ihren eigenen Familien verkauft werden. Dieser Stoff wird mit Sicherheit die Gemüter erhitzen und ich rechne der Autorin ihren Mut, über solch ein pikantes Thema zu schreiben, hoch an. Wahrscheinlich war es auch nicht so leicht mit diesem provozierenden Inhalt einen Verleger im prüden Amerika zu finden.

So, jetzt aber genug zu diesem Thema. Kommen wir zu der eigentlichen Buchkritik.  Vom Erzähltempo her würde ich Wither mit Matched von Ally Condie vergleichen. Bei beiden Büchern entfaltet sich die Geschichte erst langsam und es wird mehr Wert auf die zwischenmenschlichen Beziehungen als auf ‚Action‘ gelegt. Wither schlägt leise Töne an, was sehr gut zu der bedrückenden, fast schon melancholischen Atmosphäre passt. Schon im Vorwort heißt es:

„This is the way the world ends  Not with a bang but a whimper.“

Dieses Zitat von T.S. Eliot passt wie die Faust aufs Auge. Dennoch hätte ich mir manchmal etwas mehr Spannung gewünscht. Stellenweise plätschert die Geschichte ohne einen Höhepunkt einfach so dahin, wichtige Ereignisse werden zu schnell abgehakt und die Zeitsprünge waren mir manchmal einfach zu groß. Auch das Ende ist relativ vorhersehbar, verspricht aber einen spannenden zweiten Teil.

Ein weiter Kritikpunkt ist die Charakterisierung. Sind manche Personen wunderbar gelungen wie zum Beispiel die zwei anderen Frauen von Rhines Ehemann, Cecily und Jenna (übrigens meine Lieblingsfigur), so wirken andere, wie z.B. Gabriel einfach nur total blass. Im Laufe des Buches verlieben sich der Diener und Rhine ineinander, aber die Autorin schafft es nicht romantische Gefühle überzeugend darzustellen, was vermutlich daran liegt, dass der Leser kaum etwas von Gabriel erfährt. Ich hoffe, er bekommt im zweiten Band etwas mehr Profil.

Profillos ist im übrigen auch die Welt, über deren Funktionsweise man kaum etwas erfährt. Warum sterben die Männer mit 25, die Frauen aber schon mit 20? Wer motiviert die Menschen zur Arbeit, wo sie in ein paar Jahren doch eh sterben? Würden sie nicht ihre letzte Zeit mit etwas freudigeren Aktivitäten verbringen? Warum werden die Mädchen, die nicht als Braut ausgewählt wurden, erschossen, wo man doch so dringend auf Nachwuchs gebärende Frauen angewiesen ist? Und wer regiert die Welt überhaupt? Wer macht die Gesetze? Warum bekommen überhaupt noch so viele Leute Kinder, auch wen ihnen bewusst ist, das sie ihren Nachwuchs niemals aufwachsen sehen werden? Kann der Mensch so ein Schicksal überhaupt akzeptieren? Fragen über Fragen…

Die Welt die Lauren DeStafano kreiert hat erscheint an manchen Stellen einfach unausgegoren, manche Regeln scheinen nur um der Grausamkeit-Willen da zu sein und nicht weil sie einen tieferen Sinn besitzen. Es fehlt einfach die Konsequenz und die Klarheit; das System der Gesellschaft wird einfach nur ungenau umrissen. Deshalb erscheint es manchmal so, also ob Wither nur auf der momentanen Erfolgswelle der Dystopie-Romane mitreitet, was sehr schade ist, da das Buch in anderen Bereichen einige gute Ansätze hat.

Fazit  

Meine Meinung ist zwiespältig was Wither angeht. Einerseits will ich das Buch aufgrund der Grundidee und der Atmosphäre wirklich gernhaben, andererseits fehlt mit einfach die ‚Würze‘ in der von DeStefano beschrieben Welt. Das Buch konnte mich einfach nicht recht überzeugen; wenn ich eine Prognose machen müsste würde ich dennoch sagen, das ‚Wither‘ die Bestsellerlisten stürmen wird. Das Buch hat auf jeden Fall etwas Provokantes und Faszinierendes an sich und bietet viel Gesprächsstoff (sieht man aber schon an der Rezensionslänge, oder? 😉

Lisas Bewertung: 3,9 von 5 Sternen!
(Lisas Bewertungssystem: (1 = Zeitverschwendung, 2 = Nicht mein Fall, 3 = Okay, 4 = Überdurchschnittlich Gut, 5 = Lieblingsbuch)

 

Redaktion von Beste Bücher

 

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